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Zwei Milliarden Gründe für das Indien-Geschäft: IHK begrüßt historisches Handelsabkommen
27.Jan. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Außenwirtschaft, Politische Forderungen, Standort |Autor: Verena Zimmer
Nach mehr als 20 Jahren Verhandlungen wurde am 27. Januar 2026, in den Worten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, „the mother of all deals“ zwischen der EU und Indien beschlossen. Das EU‑Indien‑Freihandelsabkommen soll europäischen Unternehmen einen deutlich verbesserten Zugang zum bevölkerungsreichsten Land der Welt ermöglichen.
„Gerade der Umgang mit Mercosur zeigt, wie sehr sich Europa durch langwierige Verfahren und politische Verzögerungen selbst ausbremst“, sagt IHK-Präsident Claus Paal.„Umso wichtiger ist es jetzt, mit Indien einen zentralen Wachstumspartner konsequent voranzubringen und Verlässlichkeit zu zeigen. Da Indien aktuell hohe Zölle für Ausfuhren in die USA zahlt, hat sich für Europa ein strategisches Zeitfenster geöffnet. Es geht darum, unser auf offenen Märkten basierendes Wirtschaftsmodell zu verteidigen.“
Mit prognostizierten Wachstumsraten von 6,5 bis 7,8 Prozent erwarten Experten, dass Indien bis Ende des Jahrzehnts Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ablösen wird. Für exportorientierte Unternehmen wird das Indiengeschäft damit nicht nur eine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit im Geschäftsmodel.
Großes Potenzial in der Forschung und beim Klimaschutz
Mit dem Freihandelsabkommen fallen zahlreiche Handelsbarrieren, die das Indiengeschäft bislang erschwert haben, insbesondere bei den Zöllen, Bürokratie und im Investitionsschutz. Die Zölle für den Maschinenbau, der rund 27 Prozent der deutschen Exporte nach Indien ausmacht, sowie für die Automobil- und Chemieindustrie sollen erheblich gesenkt werden. Auch der bürokratische Aufwand, etwa durch die Vereinfachung der aufwendigen „Bureau of Indian Standards“(BIS)-Zertifizierung, soll reduziert werden. Ergänzt wird dies durch den Ausbau einer verlässlichen rechtlichen Grundlage für das Indiengeschäft welche größerer Planungssicherheit für langfristige Großprojekte möglich macht.
Ansprechpartnerin: Verena Zimmer Länderreferentin Asien, Telefon 0711 2005-1263, verena.zimmer@stuttgart.ihk.de
Für den Mittelstand in Südwestdeutschland eröffnen sich damit neue Chancen. Bereits 2023 exportierte Baden-Württemberg Waren im Wert von 2,5 Milliarden Euro nach Indien. Neben erweiterten Möglichkeiten im Maschinenbau, der Automobil- und der Chemieindustrie entstehen insbesondere vor dem Hintergrund der von Indien bis 2070 angestrebten Klimaneutralität enorme Potenziale im Bereich Green Tech sowie im Aufbau digitaler Forschungs- und Entwicklungszentren (Global Capability Centers).
Deutsche Unternehmen konzentrieren sich in Pune
Mit dem Freihandelsabkommen ist der offizielle Startschuss für den Ausbau des Indiengeschäfts gefallen. Um Ihr Unternehmen optimal vorzubereiten, gilt es zunächst, sich mit den verschiedenen indischen Standorten sowie den standortabhängigen Regulierungen vertraut zu machen. Ein bewährter Standort ist dabei die Region Pune, in der bereits rund 300 deutsche Unternehmen aktiv sind. Um Exportverzögerungen zu vermeiden, sollte zudem frühzeitig geprüft werden, ob Konformitätsprüfungen oder Zertifizierungen notwendig sind. Darüber hinaus wird das Abkommen auch im Bereich der Fachkräfte eine wichtige Rolle spielen und den Weg für hochqualifizierte STEM‑Fachkräfte an den eigenen Standort erleichtern.
Das Abkommen zwischen der EU und Indien ist weit mehr als ein reiner Handelspakt. Für viele Unternehmen stellt es einen sicherheitspolitischen Anker in Zeiten globaler wirtschaftlicher Unsicherheit dar. Für mutige Unternehmen ist jetzt der ideale Zeitpunkt, den Subkontinent als weitere Säule ihrer globalen Strategie zu evaluieren.
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