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Bigi Hanne (r), Ausildungsleiterin bei der Sommer Antriebs- und Funktechnik, ist begeistert von der ZQ Internationales Wirtschaftsmanagemen. Für ihre Azubine Laura Nava Montes gehören die Auslandsaufenthalte zu den schönsten Zeiten ihres Lebens.

Zusatzqualifikationen: Das Plus bei der Azubisuche

04.März 2026 | 23 Min. Lesezeit | Weiterbildung |
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Um die duale Ausbildung beneidet uns die ganze Welt. Doch seit rund die Hälfte jeden Jahrgangs studieren darf und will, gerät sie gerade unter jungen Leuten mit großem Ehrgeiz unter Druck. Die IHK hat darum zwölf Zusatzqualifikationen entwickelt, die das Zeug haben, Jugendliche zu überzeugen, mit einer Ausbildung ins Berufs­leben zu starten.

Das Ziel der Zusatzqualifikationen ist ein doppeltes: ­Einerseits sollen sie jungen Leuten karrierefördernde Zusatzinhalte vermitteln, andererseits geben sie Betrieben ein Instrument zu Recruiting und Personalentwicklung an die Hand. Wir sind der Frage nachgegangen, wie das in der ­Praxis funktioniert und ob das Angebot tatsächlich hält, was es verspricht.

Die Zahlen sprechen schon mal dafür: Circa 500 Auszubildende absolvieren jedes Jahr eine solche Zusatz­qualifikation. Für viele ist sogar genau dieses Angebot ausschlaggebend für ihrer Bewerbung.

Erfolgsfaktor ZQ: Warum sich Bewerber bewusst dafür entscheiden

Zum Beispiel Laura Nava Montes. Bei der Sommer Antriebs- und Funktechnik GmbH in Kirchheim/Teck-­Jesingen bewarb sie sich, weil sie dort Industriekauffrau mit der ZQ Internationales Wirtschaftsmanagement ­lernen konnte: „Ich dachte mir, für irgendwas muss das Abi ja gut sein“, lächelt die 23-Jährige.

Bereut hat sie ihre Entscheidung keinen Augenblick, auch wenn das Pensum „oft happig gewesen“ sei. „Unser Klassen­lehrer hat immer gesagt, wenn die anderen gehen, müsst Ihr weiterlernen“, erinnert sie sich. Auch jetzt, wo sie die ­Abschlussprüfung als Industriekauffrau schon in der Tasche hat, ­stehen ihr noch einmal mehrere „knackige Wochen“ bevor, nämlich für die ZQ-Prüfung.

Auslandserfahrungen als Boost für Selbstbewusstsein und Kompetenz

Klingt anstrengend – und trotzdem wirkt Laura Nava Montes ­total begeistert. Wie das? „Ich ­hatte zwei Auslandsaufenthalte, einen in Madrid und einen in ­Dublin. Das war eine der besten Zeiten meines Lebens!“, strahlt die junge Frau.

In Irland und Spanien optimierte sie nicht nur ihre ­Sprachkenntnisse, sondern wurde auch viel selbstbewusster, weil sie merkte, wie gut sie zurechtkam. Ein Erasmus-Stipendium und die Bezahlung des Sprachkurses durch Sommer sorgte im Übrigen dafür, dass die Kosten ihr ­Azubigehalt nicht überstrapazierten.

Intensive Lerninhalte und Vorteile im Berufsschulalltag

Aber nicht nur Madrid und Dublin stehen für sie auf der Haben-Seite. Auch in der Berufsschule profitierte sie stark von der ZQ, vor allem von Inhalten wie Controlling und ­Außen­- handel, die neben Einkauf, Vertrieb, ­Marketing, Logistik und internationaler Zahlungsverkehr auf dem Stundenplan standen. Nicht vermisst hat sie hingegen die „normalen“ Berufsschulfächer wie Sport, Deutsch oder Reli, die gar nicht unterrichtet wurden. Möglich war das, weil „ihre“ John-F.-Kennedy-Schule in Esslingen eigene Klassen für die ZQler bildet, in denen ausschließlich (Fach-)
Abiturienten sitzen.

Dies ist der entscheidende Grund dafür, dass das Fachabi Zugangsvoraussetzung für die ZQ Internationales Wirtschaftsmanagement ist, obwohl die Rechtsvorschriften das gar nicht vorsehen. Hinzu kommt, dass die Inhalte sehr anspruchsvoll sind und dass die ZQ zweieinhalb Jahre dauert – genauso lange wie der Hauptausbildungsberuf. Der muss dafür verkürzt werden, was mit Haupt- oder Realschulabschluss nicht möglich ist.

Unternehmen profitieren langfristig von ZQ-Absolventen

Für ihre Ausbildungsleiterin Biggi Hanne ist das ZQ-Programm auf jeden Fall ein großer Erfolg. Sie muss es wissen, denn Sommer bietet schon seit 20 Jahren vielversprechenden Azubis die ZQ an. Zum Beweis ruft Hanne ihre Kollegin Antonja Layh zum Gespräch dazu. Layh war 2004 eine der ersten Absolventinnen des Programms, und auch ihre Augen glänzen noch bei der Erinnerung an die Auslandsaufenthalte. Für Hanne ist die langjährige Kollegin zudem ein Beweis dafür, dass solche Extrameilen die Mitarbeiterbindung stärken.

Auch inhaltlich profitiert die Firma Sommer. Schließlich beliefert der Spezialist für Antriebs- und Funktechnik mit zahlreichen Töchtern und rund 800 Mitarbeitern die ganze Welt: „Wir haben 80 Prozent Exportanteil. Niederlassungen gibt es zum Beispiel in den USA und in China“, erzählt Hanne. Da werden Mitarbeiter mit Auslandserfahrung und Kenntnissen in internationaler Betriebswirtschaftslehre gebraucht.

Zusatzqualifikation als Magnet für besonders engagierte Azubis

Und noch ein weiterer Punkt ist der Ausbildungsleiterin wichtig: „Die ZQ ist der Schlüssel zu besonders ambitionierten Azubis!“ Wer sonst würde, wie Klassen­kameraden von Nava Montes, Anfahrtswege von mehr als eineinhalb Stunden auf sich nehmen, um am Unterricht teilzunehmen?

Laura Nava Montes wird in der Transportlogistik starten: „Da hilft mir, was ich im Fach Außenhandel gelernt habe, schon mal sehr“, freut sie sich. Hat sie das ­Gefühl, ohne Studium etwas verpasst zu haben? „Nein! Auf keinen Fall“ – da muss die junge Frau keinen Moment überlegen.

Azubine Mara-Lin Schairer (l.) und Personalchefin Andrea Stauch: das Waldhotel in Stuttgart nutzt Zusatz- qualifikationen, um ehrgeizige junge Leute für die Gastro-Branche zu gewinnen. © Jan Reich
Azubine Mara-Lin Schairer (l.) und Personalchefin Andrea Stauch: das Waldhotel in Stuttgart nutzt Zusatzqualifikationen, um ehrgeizige junge Leute für die Gastro-Branche zu gewinnen.

Karriere in Hotellerie und Gastronomie auch ohne Studium

Doch leider ist es in den Köpfen vieler ­Eltern und Jugendlichen noch nicht angekommen, dass man nicht unbedingt ein Studium braucht, um Karriere zu ­machen. Andrea Stauch, Personalchefin im Waldhotel in Stuttgart-Degerloch, findet das „total schade“. ­„Hotel und Gastro sind eine Praxisbranche. Es ist gang und gäbe, dass man es auch ohne Studium bis zum Hotel­direktor ­bringen kann“, erzählt sie und nennt ihren ­eigenen Chef als ­Beispiel.

Dass sich junge Leute für eine Lehre entscheiden und diese nicht als „zweite Wahl“ betrachten, daran liegt der gelernten ­Hotelfachfrau darum viel. Auf dem Weg nach oben sollte man aber „seine Toolbox für das Arbeitsleben füllen“, sprich, alles mitnehmen, was man lernen kann.

Zusatzqualifikation Küchen- und Servicemanagement im Fokus

Die Zusatzqualifikation für Küchen- und ­Servicemanagement sei da ein prima Einstieg, denn die jungen Leute erwerben ­servicebezogene, betriebswirtschaftliche und organisatorische Kompetenzen auf ­gehobenem Praxis­niveau. Konkret gemeint sind Recht, Rechnungswesen und Betriebsorganisation. Außerdem gibt es einen ­breiten Digital-Teil, bei dem es
um Warenanforderung, Arbeitsablauf­planung, Kalkulation, Schriftverkehr und das Gestalten von Werbemitteln – vom Flyer bis zur Menü­karte – geht. Vieles davon nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch.

Besonders gefällt Stauch, dass auch Kenntnisse rund um Veranstaltungen, Restaurant und Bar auf dem Lehrplan ­stehen: „Davon profitieren beide Seiten, weil sie ja später eng zusammenarbeiten werden“, ist die Gastrospezialistin überzeugt, die ihre Lehre in Brenners Parkhotel absolvierte – natürlich ebenfalls mit ZQ.

Entlastung durch früh abgelegte Abschlussprüfung

Weil sie um die Herausforderung weiß, findet sie es gut, dass die jungen Leute ihre „normale“ Abschlussprüfung schon in der Tasche haben, wenn sie ihr ­Zusatz-Wissen unter Beweis stellen müssen: Zwar sei noch keiner ihrer Schützlinge durch die ZQ-Prüfung ge­fallen, aber es gebe den jungen Leuten Sicherheit zu wissen, dass sie den Lehrabschluss sicher haben, wenn sie ­antreten, um eine mindestens drei­teilige Speisenfolge für mindestens zwei Personen hochwertig zu kochen. Den wirtschaftlichen Wareneinsatz müssen sie dabei im Auge behalten.

Das Waldhotel wirbt auf seiner Karriereseite explizit mit der Möglichkeit einer ZQ – mit Erfolg: Für eine junge Abiturientin, die diesen Herbst als Koch-Azubine starten wird, war genau dies der Grund für die ­Bewerbung. Trotzdem will Stauch das nicht „über­thematisieren“, damit sich niemand abgewertet fühlt. Schließlich starten die meisten Koch-Azubis nach der Realschule.

ZQ trotz Zugangsbeschränkungen: Warum viele Azubis ausgeschlossen sind

Für sie kommt die ZQ nicht in Frage, was Stauch ­bedauert: „Schön wäre es, wenn die Zulassung nicht an den Schulabschluss gekoppelt würde, sondern ­daran, wie fit im Kopf jemand ist und was er leisten möchte“, meint sie. Tatsächlich ist die Zulassung zur ZQ formal nicht an ­einen Bildungsabschluss gebunden, doch auch hier liegt der Grund in der schulischen Gestaltung: die zuständige Paul-Kerschen­steiner-Landesberufsschule für Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen bietet ­Extra-Klassen für Abiturienten an. Diese starten auch schon im ersten Lehrjahr dort, während die „normalen“ Dehoga-­Azubis erst im zweiten Lehrjahr dorthin wechseln.

ZQs bieten nicht nur jede Menge Zusatzwissen. Sie sind oft auch die Grundlage für den nächsten Schritt in der Aufstiegsweiterbildung. Wer die ZQ Küchen- und Servicemanagement in der Tasche hat, kann damit in das dritte Semester der Hotelfachschule in Heidelberg oder in den Studiengang der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg aufgenommen zu werden.

Peter Schaback, Ausbildungsleiter bei der Christian Winkler GmbH & Co. KG, hat sofort erkannt, wie nützlich die ZQ „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen“ für seine Azubis ist. © Jan Reich
Peter Schaback, Ausbildungsleiter bei der Christian Winkler GmbH & Co. KG, hat sofort erkannt, wie nützlich die ZQ „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen“ für seine Azubis ist.

KI als Zukunftskompetenz: Die neue ZQ „Künstliche Intelligenz“

Solch attraktive Aufstiegsmöglichkeiten bietet auch die ZQ „Künstliche Intelligenz und maschinelles ­Lernen“ (ZQ KI). Wenn die Azubis 100 Stunden ins Lernen investieren und die Prüfung bestehen, können sie sich das auf die aufbauenden Stufen anrechnen lassen, wenn sie nach der Ausbildung ­weitermachen. Sie können dann zum Berufsspezialisten (DQR-Stufe 5) oder sogar zum „Bachelor Professional in KI und maschinellem Lernen“ (DQR-Stufe 6) aufsteigen.

Die ZQ-KI wurde von der IHK Region Stuttgart 2023 mit entwickelt. Seither ist die Nachfrage durch die Decke gegangen, und zwar bundesweit: Nicht nur alle baden-württembergischen IHKs haben das Konzept in­zwischen übernommen oder planen dies in nächster Zeit zu tun – auch zahlreiche andere Bundesländer nehmen die ZQ in ihr Programm auf. Eigentlich keine Überraschung, denn KI wird die Zukunft der Arbeit ­prägen. Da ist es nur gut, wenn möglichst viele Azubis die Grundbegriffe kennen, ihre Chancen, und Herausforderungen.

Riesige Nachfrage: Die KI-ZQ etabliert sich bundesweit

Einer der ersten, der das so gesehen hat, ist Peter Schaback. Er ist Ausbildungsleiter bei der Stuttgarter Christian Winkler GmbH & Co. KG, einem technischen Händler und Ausrüster rund um Nutzfahrzeug, Werkstatt und Agrar. „Da machen wir auf jeden Fall mit“, sagte er sich, als ihm seine IHK-Ausbildungsberaterin die Infos zukommen ließ. Ihn überzeugte nicht nur, dass das Thema „ja überall gehypt wird“, sondern auch, dass der Aufwand für den Betrieb gering und die Kosten überschaubar sind.

Zwei seiner IT-Azubis schickte er gleich in den ersten Kurs. Eigentlich hatte er an die jungen Leute aus dem dritten Lehrjahr gedacht, aber Björn Kohlmann, damals im zweiten Jahr, wollte unbedingt
dabei sein. Sechs an sich freie
Ausschlaf-Samstage war er bereit, ­dafür zu opfern, Lern- und Prü­fungs­zeit noch gar nicht mitgerechnet.

Motivation zählt: Azubis investieren ihre Freizeit in Zukunftskompetenzen

Für ihn hat sich das „100 Prozent gelohnt“: „Es hat mir geholfen zu verstehen, wie KI zu ihren Entscheidungen kommt“, erzählt der 21-Jährige. Auch habe er einen anderen Blick auf künstliche Intelligenz bekommen. Seinem Chef ­gefällt besonders, dass die recht­lichen Aspekte von KI behandelt wurden, also Dinge wie Sicherheit und Datenschutz.

Zusätzlich hätten sich beide noch mehr Lern­einheiten darüber gewünscht, „wie man die KI ins Unternehmen sinnvoll einbaut und selber Anwendungen erstellt.“ Tatsächlich ist der Kurs dafür wohl zu kurz und auch zu heterogen, denn Azubis aller Fachrichtungen können daran teilnehmen. Aber wer weiß, nach seinem Ausbildungsabschluss stehen Kohlmann ja die beiden Aufbaustufen offen.

Jörg Uhlhorn, Ausbildungsleiter der Ludwigsburger Koepfer Gear GmbH (l.) schickt den angehenden Industriemechaniker Marc Riedel gern in die ZQ Elektrofachkraft, weil die „Maschinen mittlerweile alle voll mit Elektrik und Sensorik sind“. © Jan Reich
Jörg Uhlhorn, Ausbildungsleiter der Ludwigsburger Koepfer Gear GmbH (l.) schickt den angehenden Industriemechaniker Marc Riedel gern in die ZQ Elektrofachkraft, weil die „Maschinen mittlerweile alle voll mit Elektrik und Sensorik sind“.

Nachhaltigkeit im Blickpunkt: Die neue ZQ Nachhaltigkeitsmanagement

Die ZQ KI ist ein Beispiel für den neuen Trend zu Angeboten, die nicht mehr auf ein Berufsbild ­fokussiert sind, sondern sich an Azubis verschiedener Fachrichtungen wenden. Gerade wurde zum Beispiel die ZQ Nachhaltigkeitsmanagement beschlossen. An der Entwicklung waren die Firma ­Festo und die John F. Kennedy-Schule in Esslingen beteiligt. Beide sind im BBA vertreten, dem Berufs­bildungsausschuss der IHK.

Der BBA besteht aus Vertretern der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Schulen. Diese Praxisnähe ­ermöglicht es, die ZQs so zu ent­wickeln, dass sie ­inhaltlich wirklich das vermittelt, was in der Praxis gebraucht wird: Erst wenn alles passt, beschließt der BBA die entsprechende Rechtsvorschrift.

Warum viele ZQs kein Abitur erfordern – und es dennoch oft notwendig wird

Das Abitur oder die Fachhochschulreife als Voraussetzung findet sich übrigens nicht in den Rechtsvorschriften. Wie gesehen sind die gesonderten Berufsschulkassen der Grund dafür, dass sie für manche ZQs voraus gesetzt werden. Das ist wiederum notwendig, weil der Stoff so umfangreich und anspruchsvoll ist, dass es für Auszubildende, die die normalen Berufsschulfächer belegen müssen, schon zeitlich eine Herausforderung wäre.

Umgekehrt, also wenn keine Extra-Klassen ein­gerichtet werden, sondern der Stoff „nur“ obendrauf kommt, steht die Teilnahme hingegen allen Azubis ­offen. Das trifft zum Beispiel auf die wohl älteste und bewährteste ZQ zu, nämlich die zur „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten für Auszubildende in gewerblich-technischen Ausbildungsberufen“. Jörg Uhlhorn, Ausbildungsleiter der Ludwigsburger Koepfer Gear GmbH, bietet sie seit vielen Jahren seinen angehenden Industrie­mechanikern an: „Unsere Maschinen sind mittlerweile alle voll mit Elektrik und Sensorik. Da ist es wichtig, dass auch die Industriemechaniker ein ­Gefühl dafür bekommen“, ist er überzeugt. Aber auch privat profitierten die jungen Leute, wie er immer wieder feststellt. Schließlich kann es auch in den eigenen vier Wänden nicht schaden, wenn man sich mit Strom auskennt.

Zusatzqualifikationen mit überschaubarem Aufwand für Betriebe

Gut gefällt Uhlhorn zudem, dass er „recht wenig“ Aufwand mit dem Zusatzangebot hat, weil die meisten ­Inhalte in der Berufsschule gelehrt werden. Nur das letzte halbe Jahr bereite er die jungen Leute auf die praktische Prüfung vor: „Die laufen dann bei der Elektrik mit“.

Für die Azubis hält sich der Aufwand ebenfalls in Grenzen, meint Uhlhorn und kann es auch zu Hause bei seinem eigenen Sohn beobachten, der gerade ­Industriemechaniker mit ZQ lernt: achtmal Zusatz­unterricht pro Schuljahr und am Schluss eine schriftliche und eine praktische Prüfung. Schriftlich werden Sicherheits- und Elektrotechnik abgeprüft, mündlich ist beispielsweise eine Erstinbetriebnahme gefordert, eine Fehleranalyse und -behebung oder die Wieder­inbetriebnahme von Maschinen beziehungsweise ­Produktionsanlagen nach Änderungs- und Instand­setzungsarbeiten.

Wo Zusatzqualifikationen an ihre Grenzen stoßen

Allerdings beobachtet Uhlhorn in den letzten Jahren zunehmend, dass nicht jeder Azubi die Eigenmotivation aufbringt, neben dem normalen Stoff auch noch für die ZQ zu lernen. Wenn dann die Berufsschulnoten absinken, muss er manchmal die Reißleine ziehen, denn der eigentliche Abschluss geht natürlich vor. Umgekehrt gilt auch hier: Wer eine ZQ erfolgreich abgeschlossen hat, stellt damit seine Motivation unter Beweis.

Womit wir wieder bei unserer Ausgangsfrage wären, nämlich danach, was die ZQs bringen. Da fällt die Antwort wohl eindeutig aus. Für sie spricht nicht nur das qualifizierte Zusatzwissen, das sie vermitteln, sondern auch, dass sie engagierte junge Leute anziehen, die wirklich etwas lernen wollen. Gerade bei ihnen wird die Gefahr minimiert, dass sie sich unterfordert fühlen und deswegen vorzeitig aufgeben. Stattdessen verbessern sie ihre Karrierechancen und werden darauf vorbereitet, Verantwortung zu tragen. Davon profitieren wiederum die Betriebe – und das bei überschaubarem Aufwand: Schließlich werden die Inhalte hauptsächlich an den Berufsschulen gelehrt oder im Selbststudium erworben. Und mit 100 bis 450 Euro je nach Fach halten sich auch die Kosten im Rahmen.

Dr. Annja Maga, Redaktion mawi-on/Magazin Wirtschaft

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