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Eine Familiengeschichte aus Uhingen voller Tradition, Innovation und Leidenschaft für Mode
22.Juni 2026 | 8 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Nachfolge |Autor: Dr. Annja Maga
Unsere Geschichte beginnt 1895, als meine Urgroßeltern Friedrich und Wilhelmine Frey einen Kolonialwarenhandel eröffneten. Für die damalige Zeit ganz neue Sachen gab es da zu kaufen. Paprika zum Beispiel oder Zigarren. Friedrich Frey hatte aber auch die Genehmigung, Sprengstoff zu verkaufen, den man damals brauchte, um beim Bauen störende Felsbrocken wegzusprengen. Später kam noch ein Eigenverlag hinzu, der die ersten Postkarten von Uhingen produzierte, alle handkoloriert.
Apfelschnitz und Viehsalz für Schloss Filseck
Zu unserer Kundschaft gehörten sogar die Herren von Schloss Filseck. Von ihnen existiert noch eine Rechnung von 1898 über zwei Fass gedörrte Apfelschnitz, ein Knäuel Sackbündel, zwei Sack Viehsalz, 300 Pfund Rosinen.
Solche historischen Rechnungen bekommen wir ab und zu geschickt, wenn sie bei Haushaltsauflösungen gefunden werden. Immer wieder fällt mir dann die 33 auf. Das ist bis heute unsere Kontonummer bei der Sparkasse. Inzwischen wurde sie allerdings um ein paar Füllziffern verlängert.
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1931 übernahm mein Großvater Wilhelm nach dem Tod seines Vaters den Laden. Ihm unterlief ziemlich bald ein Fehler, der ihn ins Gefängnis hätte bringen können: Er setzte nämlich den Winterschlussverkauf einen Tag zu früh an. Dafür erhielt er eine „Polizeiliche Strafverfügung“ über drei Mark. Hätte er nicht gezahlt, hätte er einen Tag ins Gefängnis gemusst.
Damals war der Laden noch ein reiner Familienbetrieb. Erst 1948 wurde die erste Mitarbeiterin eingestellt. Das war die Auszubildende Marta Trumm. Ihr Gehalt war – wie damals üblich – bescheiden und die Versorgung nach dem Krieg schlecht. Da freute sie sich, wenn sie mal einen Apfel mit Druckstellen, der sich nicht mehr verkaufen ließ, mit nach Hause nehmen durfte.
Erster Selbstbedienungsmarkt im Filstal
1959 eröffnete Großvater den ersten SB-Markt im unteren Filstal. Die Kunden mussten nicht mehr an der Ladentheke bestellen, sondern konnten die Ware selbst aus dem Regal nehmen – damals eine Sensation.
1973, da war Selbstbedienung längst der Normalfall, gaben wir die Lebensmittel auf und konzentrierten uns ganz auf Mode. Das war die Idee meiner Mutter, die 1956 ins Geschäft eingestiegen war. Sie erkannte das Potenzial von Ready-to-wear-Mode. Um genügend Auswahl präsentieren zu können, wurde der Laden erweitert und die Verkaufsfläche so auf 400 Quadrat-
meter vergrößert. Acht Mitarbeiterinnen berieten die Kunden.
1150 Quadratmeter im Herzen Uhingens
Seither haben wir immer wieder erweitert und bieten heute im Herzen von Uhingen auf 1150 Quadratmetern ein breites Sortiment. Weil unser Stammhaus nicht mehr erweiterbar ist und wir deshalb immer wieder Läden zugekauft haben, erstreckt sich Mode Frey auf vier Ladenlokale. In der Stuttgarter Straße 1, wo alles anfing, ist die Damenmode untergebracht, im Haus daneben die Herrenmode und im übernächsten die Wäschegalerie. Letztes Jahr haben wir noch ein ehemaliges Blumenhaus dazubekommen. Dort wird jetzt die junge Mode unter dem Namen Frey-Styl angeboten.
Ursprünglich hieß dieser Laden „Kakadu“ und war meine Idee: Ich bin 1985 ins Geschäft eingestiegen, nachdem ich Speditionskaufmann gelernt hatte. Eines Tages fragte mich meine Mutter, „kommst du heim oder bleibst du ewig in der Spedition?“ Da war ich 25 und mir war klar, dass ich im eigenen Geschäft mehr gestalten kann. Erstes Ergebnis war dann Kakadu.
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In den letzten 14 Jahren hat sich die Zahl unserer Kunden verdoppelt. Ich denke, zu den Gründen dafür gehören die günstige Lage mitten in Uhingen, die 40 kostenlosen Parkplätze direkt am Haus, unser umfassendes Sortiment, die vielen Sonderaktionen und die Öffnungszeiten – 56 Stunden sind es jede Woche. Aber in erster Linie liegt es sicher an der positiven Atmosphäre im Haus.
Ich denke, dafür sind unsere fast 30 netten und kompetenten Mitarbeiterinnen verantwortlich und das gute Miteinander, das wir mit ihnen haben. Und wenn man mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache ist, springt der Funke über.
Die positive Grundstimmung ist sicher auch einer der Gründe dafür, warum mein ältester Sohn Simon ins Geschäft eingestiegen ist. Schon in der elften Klasse hatte er sich in einem Kaufhaus heimlich um ein Praktikum beworben. Nach dem Abitur und einer Einzelhandelslehre hat er BWL in Nagold studiert. Seit 2015 ist er zusammen mit mir Geschäftsführer und eigentlich der Chef. Parallel dazu engangiert er sich im IHK-Handelsausschuss.
Jede Generation hat Innovationen eingebracht
Unser Geschäft besteht seit mehr als 130 Jahren. Das war nur möglich, weil jede Generation neue Ideen eingebracht hat. Simon zum Beispiel sorgt dafür, dass die Modewelten Frey in den sozialen Medien aktiv ist und sogar im TV vorkam. Für den Sender Filstalwelle kleideten wir die Kandidaten ein und kürten „die Modehelden des Jahres“.
Ich habe fünf Enkel. Die Größeren interessieren sich schon fürs Geschäft. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass es weitergeht. Und ich bin stolz und glücklich, dass Mode Frey trotz der schwierigen Zeiten für den Handel ein gesunder Betrieb ist.
Blickt Ihr Unternehmen auch auf eine lange Geschichte zurück und feiert ein Jubiläum? Dann könnte die Ehrenurkunden für Firmenjubiläen der IHK Region Stuttgart für Sie in Frage kommen.
Aufgezeichnet von Dr. Annja Maga, IHK-Redakteurin von Magazin Wirtschaft und Mawi-on