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Christoph und Alexander Zoller führen das Familienunternehmen aus Pleidelsheim in dritter Generation.

Zeitsprung: Messbarer Erfolg

27.Mai 2026 | 6 Min. Lesezeit | Außenwirtschaft, Gesichter der Wirtschaft, Standort |
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Manche Unternehmergeschichten beginnen nicht mit einer Idee – sondern mit einer Haltung. Der Großvater gründet in einer Zeit, in der es an allem fehlt, und macht aus Improvisation ein Geschäftsmodell. Der Vater führt dieses Werk durch Krisen, erfindet sich und das Unternehmen neu. Und die nächste Generation wächst ganz selbstverständlich in diese Verantwortung hinein. Was diese Geschichte trägt, ist weniger ein einzelner Durchbruch als vielmehr ein über Jahrzehnte gelebter Unternehmergeist: anpacken, weiterdenken, durchhalten. Jede Generation bringt ihre eigene Stärke ein – vom handwerklichen Erfindergeist bis zur globalen Perspektive. Ein leises, aber eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Unternehmertum nicht nur aufgebaut, sondern weitergegeben wird.

Ich bewundere meinen Großvater Alfred Zoller: Schon ein halbes Jahr nach Kriegsende, am 1. September 1945, gründete er ein Unternehmen. Die Region und ganz Deutschland lagen da am Boden, und die Zukunft war völlig unklar.

Damals waren die Amerikaner in Ludwigsburg und mein Opa, ein gescheiter Mechaniker, fertigte ihnen Feuerzeuge, wofür er Zigaretten bekam, die er wiederum gegen Naturalien für seine Familie tauschte.

Außerdem führte er „Reparaturen aller Art“ aus, wie auf dem Firmenschild zu lesen ist, das wir heute noch haben. Er reparierte zum Beispiel Fahrräder oder Maschinen. Irgendwann kaufte er eine dieser defekten Maschinen, richtete sie her und wurde Lohnfertiger für die umliegenden Industrie-­ betriebe.

1948 begann er, in Lizenz Werkzeughalter für Drehwerkzeuge herzustellen. Dabei erkannte er ein Problem, das viel Zeit und Geld kostete: das Einrichten der Werkzeuge von Hand. Das war aufwändig und fehleranfällig. 1958 entwickelte er das weltweit erste Einstellgerät für Drehwerkzeuge.

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Messebesuche sind Pflicht: Christoph Zoller auf der EMO 2025 (l., 1. Reihe Mitte)

Mein Vater Eberhard arbeitete nach Ausbildung und Maschinenbaustudium in ­Heidelberg, wo er in der berühmten Druckmaschinenfabrik und in der Stadt sehr glücklich war. Doch Opa erkrankte 1968 schwer und so rief Oma meinen Vater an: „Du musst kommen, das Geschäft ­weiterführen.“ So stieg er von einem Tag auf den anderen in das damals noch kleine Unternehmen mit 25 Mitarbeitern ein.

Vater machte Opas Einstellgeräte serienreif und verkaufte gleich im ersten Jahr 30 Stück. Es gibt noch Fotos, wie das 20., 50., 100. Gerät ausgeliefert wurde – so stolz war man! Inzwischen haben wir mehr als 40.000 Geräte produziert!

Der Erfolg kam aber auch, weil Vater wirklich alles gegeben hat für Zoller-Produkte: Er war innovativer Konstrukteur, Monteur, Vertriebler und Servicemann in einem. So wurde der Namen Zoller zu einem Markenbegriff für das Messen von Werkzeugen.

1992 brach die Wirtschaft weltweit ein. Auch wir stürzten in eine existenzielle Krise. Statt 60 Geräte monatlich verkauften wir plötzlich nur noch sechs. Dass wir da durchgekommen sind, das ist dem unternehmerischen Geschick meines Vaters zu verdanken, der das Geschäft völlig neu aufstellte. Bis dahin hatten wir eine Fertigungstiefe von 95 Prozent. Nun wurden fast alle Maschinen verkauft und leider viele Mitarbeiter entlassen.

Ich war der erste Mitarbeiter, der 1994 wieder eingestellt wurde. Schon als Vierjähriger wusste ich, ich wollte werden wie mein Papa – ­Maschinenbauer und die Firma ­führen. So ist es dann ja auch gekommen.

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Schon Vater Eberhard Zoller setzte auf Messebesuche wie hier bei der der AMB1994 (r).

überall Ölflecken der abgebauten Maschinen. Da habe ich erst einmal geschrubbt und gestrichen. Mein erster richtiger Auftrag war aber die Zertifizierung nach der damals neuen Norm ISO 9001.

Im Nachhinein betrachtet sind wir aus der Krise gestärkt hervorgegangen. Statt Zerspanungsmechanikern beschäftigen wir seither Kon­strukteure und Softwareentwickler. Die daraus resultierende hohe Entwicklungsleistung hat sich ausgezahlt.

Schon als Vierjähriger wusste ich, ich wollte werden wie mein Papa – ­Maschinenbauer und die Firma ­führen. So ist es dann ja auch gekommen.

Das alles hatte natürlich seinen Preis. Schon als Kinder sind wir kaum in Urlaub gefahren, weil mein Vater immer erreichbar sein wollte. So war es eine große Sache für mich, als ich 1996 erstmals zu einer Messe in die USA durfte. Es hat mir so gut gefallen und gleichzeitig habe ich gesehen, wie riesig der Markt ist, dass ich 1997 dort eine Niederlassung eröffnete. Die führte ich, bis sie mein Bruder Alexander 2001 übernahm.

Ich zog weiter nach China und gründete dort eine weitere Niederlassung – später auch in Indien. Im 14-Tage-Takt wechselte ich zwischen den beiden Ländern. Und weil ich aus Sparsamkeit immer nur Flug­tickets mit Zwischenstopp buchte, lernte ich nach und nach viele asiatische Länder kennen. Heute haben wir in ­Asien fast überall Nieder­lassungen.
Das alles ging nur, weil Vater bis fast zu seinem 80. Lebensjahr hier die Stellung hielt.

Weil wir immer weiter gewachsen sind, mussten wir mehrfach umziehen und ­bauen, zuletzt 2020. Heute beschäftigen wir 850 Menschen, 450 davon im Land. Wir haben 60 Produkte im Portfolio und eine Exportquote von 90 Prozent. Produziert wird aber weiterhin ausschließlich in ­Pleidelsheim. Auch alle unsere Zulieferer kommen aus dem Umkreis: „Made im Ländle“ ist Teil unseres Markenerfolges.

Unsere Einstell- und Messgeräte sind ein kleiner Teil einer mechanischen Fertigung, aber sehr wichtig. Wie wichtig, zeigt eine kleine Anekdote: Als ein Handy-­Hersteller ein neues Phone mit glänzendem Aluminium herausbringen wollte, drohte die ganze Produktion zu kippen, weil nach nur 500 Exemplaren die Werkzeuge ausgetauscht werden mussten. Mit auf unseren Mess­geräten vermessenen Werkzeugen wurden auf einen Schlag 100.000 Geräte hergestellt.

Wenn ich die heutige Situation mit der meines Opas 1945 vergleiche, sehe ich, wie weit wir gekommen sind. Allerdings sind auch unsere Herausforderungen groß, zum Beispiel die explodierten Kosten, die wir nicht so einfach erlösen können.

Optimistisch stimmt mich aber, dass wir in 62 Ländern aktiv sind und alle Industrien bedienen, von Pharma über Flugzeug-, ­Maschinen- und Automobilbau bis zu Energie. Größter einzelner Absatzmarkt ist die chinesische Elektronikbranche.

Heute sind mein Bruder Alexander und ich Geschäftsführer. Meine Schwester ist ebenfalls im Betrieb, und einer meiner Neffen studiert schon ein technisches Fach. Es kann also weitergehen!

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