Startup in Stuttgart und Kalifornien: Gor Hakobyan (l.) bringt Roboter dazu, Menschen vollautonom zu folgen. © Waveye
Waveye-Gründer Gor Hakobyan (l.) sorgt dafür, dass Roboter Menschen vollautonom folgen.

Startup 2024: So ging es weiter

11.Sep. 2026 | 10 Min. Lesezeit | Fachkräfte, Gesichter der Wirtschaft, Start-Ups |
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Eigentlich ist es noch gar nicht lange her und doch scheint es eine andere Zeit zu sein: Als wir 2024 wie üblich an dieser Stelle Startups vorstellten, da hatten Themen wie Solarenergie, E-Bikes, Fachkräfte finden und binden, Work-Life-Balance und Silicon Valley noch einen verheißungsvollen Klang. Lesen Sie hier, wie die Geschichten weitergingen.
Startup aus Winterbach: Kevin Scheuing macht Mitarbeiter zu Markenbotschaftern. © Scheuing
Gründer Kevin Scheuing in der Stuttgarter Liederhalle bei der Schulung von rund 600 Vertrieblern zum Thema digitale Sichtbarkeit.

Startups aus der Region Stuttgart: Hier erzählen unsere Gründer von 2024 darüber, wie sie sich weiterentwickelt haben.

Mitarbeiter als Markenbotschafter

Zum Beispiel Kevin Scheuing, Gründer der Reputable People. Sein Startup bietet Schulungsprogramme, die aus Mitarbeitern Linkedin-Markenbotschafter für ihre Arbeitgeber machen. Eine Idee, die gleich gut ankam, was sich bis heute trotz wachsender Konkurrenz nicht geändert hat.

Ist Recruiting heute überhaupt noch ein Thema? „Ja, aber mittlerweile unterstützen wir Unternehmen unter anderem auch in den Bereichen Social Selling, ­interne Kommunikation und Image­verbesserung“, erzählt Scheuing. Entsprechend entwickelte er individuelle Konzepte: „Heute geht es meist eher um Reputation, Verkaufsförderung, Markenbekanntheit oder Mitarbeiterbindung.“
Von der Konkurrenz setzt sich das ­Winterbacher Startup dadurch ab, dass es jedes einzelne Themenfeld von Fachleuten vermitteln lässt – alles Freelancer.

Weil sein Mitgründer nicht mehr dabei, ist Scheuing Einzelunternehmer. Das bremst ihn jedoch nicht aus – im Gegenteil: der Mitt-Dreißiger sprüht vor Begeisterung, als wir ihn erreichen. Gerade kommt er vom Steuerberater und fährt zum nächsten Kunden. Bevor er im Tunnel verschwindet, muss er noch eines loswerden: „Die Arbeit macht mir unglaublich viel Spaß!“

Solardächle füs heilige Blechle

Auch Steffen Theurer erwischen wir im Auto auf der Fahrt zu Kunden. Allerdings kommt er nicht vom Steuerberater, ­sondern vom Baumarkt, und nicht in der Region, sondern in Norddeutschland. Dort ist der Gründer der UV Energy GmbH mit einem Pilotprojekt am Hafen beschäftigt: der riesige Parkplatz, auf dem Schiffs­passagiere ihre PKWs abstellen, wird zu einem PV-Kraftwerk umgerüstet.

Genau mit dieser Idee war Theurer an den Start gegangen: Modulare PV-­Systeme, die dank ihrer intelligenten Konstruktion ohne Fundamente auskommen, auf Parkplätzen zu errichten. Der USP des Gründers aus dem Böblinger Startup-Center AI-Express: Dank der besonderen Konstruktion sind keine Fundamente nötig, und dank des damals noch ganz innovativen KI-Ansatzes ­können in Minutenschnelle konkrete ­Angebote erstellt werden. Finanziert wurde das junge Unternehmen von einer ganzen Reihe professioneller Investoren, darunter Ex-Wirtschaftsminister Walter Döring. „Inzwischen haben wir auch eine neue Finanzierungsrunde gedreht mit einem Volumen von 1,1 Millionen“, berichtet Theurer stolz.

Inhaltlich bleibt der Kurs unverändert, personell gab es einen Neuanfang: Nach dem Ausstieg von Mitgründer Felix ­Gerhardt ist das neue Team inzwischen auf sechs Mitarbeiter gewachsen.

Weiterhin bietet UV Energy seine Solardächer als PPA-Modell und zum Kauf an. Was läuft besser? „Bisher haben wir nur verkauft, aber die Nachfrage nach PPA ist sehr groß, auch weil sich immer mehr Städte und Kommunen für unsere An­lagen interessieren“, erzählt Theurer.

A propos Nachfrage. Theurer klingt ganz fröhlich und entspannt am Telefon. Geht es ihm so gut? „Es könnte immer mehr sein. Allerdings bremsen die langen Entscheidungswege im B-to-B-Bereich manche Projekte“, stellt er immer wieder fest. Aber „es wird auch mehr wegen der steigenden Energiepreise“. Werbung für UV Energy machen aber nicht nur die hohen Strompreise, sondern auch jedes fertiggestellte Projekt: „Das merken wir sofort, dann steigt in der Gegend die Nach­frage“, freut sich der Gründer.

Könnte davon nicht auch die Konkurrenz profitieren? „Das Potenzial an weltweiten Parkflächen ist riesig. Wenn andere mitziehen, ist das völlig in Ordnung – schlussendlich geht es darum, möglichst viele Flächen zu nutzen“, ist Theurer überzeugt.

Workation mit dem Camper

Workation, also arbeiten und reisen in einem, ist das Thema der Brüder Auracher. © Auracher
Workation auf vier Rädern ist das Thema der Brüder Auracher.

Richtig deutlich kann man an der Geschäftsidee der Brüder Auracher ablesen, wie sich der Zeitgeist geändert hat. Unter dem Namen Work n`Roll hatten Adrian und Gregory Auracher eine Vermietung von Arbeits-Reise­mobilen gegründet und diese Fahrzeuge selber ausgebaut. „Die ersten beiden ­Jahre waren wir voll durchvermietet“, erzählt Adrian und merkt dankbar an, dass gerade der Artikel im Magazin Wirtschaft ihnen viele Kunden bescherte.

Allerdings war das 2024 – da war Work-Live-­Balance noch ein großes Thema, und ­viele Unternehmen suchten nach Incentives zur Fachkräftebindung. „Heute hört man überall, dass Firmen Mitarbeiter loswerden wollen“, sagt Auracher. Incentives sind da nicht mehr so gefragt. Die ­Folge: die Work-n`Roll-Traummobile sind nur noch zur Hälfte ausgebucht. Aber auch kostentechnisch habe sich die Ver­mietung in die falsche Richtung bewegt: Versicherung, Reparaturkosten, Zeitaufwand…

Work n`Roll bringt Reiselustige an den See - und gibt ihnen die Möglichkeit, dort zu arbeiten. © Auracher
Kein Haus am See, sondern ein Camper am See – zum Arbeiten und reisen: das ist das Konzept des Startups Work n`Roll aus Stuttgart.

Zudem haben Aurachers zum 1. April die Schreinerei ihres Vaters übernommen und sind da „super ausgelastet“. All das führt dazu, dass die Vermietung der Fahrzeuge Ende 2026 eingestellt wird. Das Ende von Work-n`Roll? „Nicht ganz, wir wechseln nur den Fokus. Kaufen kann man unsere rollenden Arbeitszimmer weiterhin“, erzählt Auracher.

Und was wurde aus dem Traum, selbst auf „Workation“ zu gehen? „Mein Bruder war tatsächlich letztes Jahr sechs Monate auf Weltreise, große Teile davon mit unserem Camper“, erzählt Adrian Auracher. Und er? „Abends fahre ich manchmal mit dem Camper an den See und arbeite von dort aus.“

Die Augen des Roboters

Ausgelastet weil „wir uns sehr gut weiter­entwickelt haben“, ist auch Waveye-Gründer Gor Hakobyan. Wir hatten ihn unter dem Titel „halb Stuttgart, halb ­Kalifornien“ vorgestellt. Beide Standorte sind noch aktuell. Inzwischen sind sogar der größere Teil der inzwischen 15 Mitarbeiter, die komplette Entwicklung und die Fertigung in Stuttgart zu Hause. ­Genauer gesagt in der Arena 2026.

Startup in Stuttgart und Kalifornien: Gor Hakobyan (l.) bringt Roboter dazu, Menschen vollautonom zu folgen. © Waveye
Waveye-Gründer Gor Hakobyan (l.) sorgt dafür, dass Roboter Menschen vollautonom folgen.

An der Fläche, die Wavey dort belegt, kann man den Erfolg deutlich ablesen: War sie 2024 gerade mal zimmergroß, so nimmt die Firma heute zusammen mit ihren unmittelbaren Kunden rund ein Viertel des gesamten Shopfloors ein.

Die Nähe zu diesen Kunden – dem Who is who der hiesigen Industrie – macht für ­Hakobyan den Reiz des schwäbischen Standorts aus: „Die Firmen hier haben erkannt, dass humanoide Mehrzweck­roboter in der Produktion immer wichtiger werden.“

Für diese Humanoiden entwickelt und baut Waveye die Radar-Augen. Sie stellen sicher, dass Mensch und Roboter gefahrlos zusammenarbeiten. Besonders stolz ist Hakobyan darauf, dass sie den Menschen sogar vollautonom folgen – „eine Technik, die Waveye rekordverdächtig früher als die Konkurrenz auf den Markt brachte“, berichtet der Gründer und ergänzt: „Unsere KI-getriebenen Bildradare für die multimodale Maschinenwahrnehmung liefern mittlerweile eine Infodichte, die sonst auf dem Markt nicht zu haben ist.“

Einzelrad – Tandem – Einzelrad

Massimiliano Mastrosimone übernimmt von Hans-Georg Köder dessen Fahrradgeschäft in Süßen. © Maga/IHK
Massimiliano Mastrosimone übernimmt von Hans-Georg Köder dessen Fahrradgeschäft in Süßen.

Mit Massimiliano Mastrosimone hatte wir bereits im Frühjahr erneuten Kontakt, weil seine Geschichte ein Musterbeispiel für eine geglückte Unternehmens­nach­folge ist. Der Fahrrad-Freak hatte seine Unternehmerkarriere mit einem Telefonanruf und der bemerkenswerten Frage gestartet: „Möchten Sie nicht bald in Rente gehen?“. Am anderen Ende der Leitung war Hans-Georg Köder, Besitzer ­eines Fahrradgeschäftes in Süßen. Der war damals schon Mitte 60 und hatte sich tatsächlich Gedanken über die Zukunft gemacht. Der Deal: „Drei Jahre ­arbeitet Mastrosimone für Köder, „dann kommt der Wechsel“.

Noch ist Köder Mit-Geschäftsführer und kümmert sich um die Buchführung, während Mastrosimone für die elf Mitarbeiter, die Werkstatt und den Laden zuständig ist. Beide sind geschäftsführende Gesellschafter und zahlen sich das gleiche Gehalt aus. Ursprünglich hatte Köder 90 Prozent des Kapitals eingebracht, Mastrosimone die übrigen zehn. Jedes halbe Jahr wechselten Anteile den Besitzer, so dass das Verhältnis heute 50:50 beträgt. ­Irgendwann wird Mastrosimone ganz übernehmen. Kurz: Alles läuft nach Plan.

Hier lesen Sie noch einmal die Originalgeschichten von 2024

Sie haben selber ein Startup gegründet? Dann finden Sie hier wertvolle Informationen: Was ist zu beachten, wenn Sie ein Unternehmen gründen wollen? – IHK Region Stuttgart

Dr. Annja Maga ist IHK-Redakteurin vom Magazin Wirtschaft und von Mawi-on

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