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Weltfrauentag:
IT-Berufe zwischen Chancen und Klischee
06.März 2026 |
9 Min. Lesezeit |
Digitalisierung & KI, Politische Forderungen |
Autor: Lea Poljak
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Wer mit Frauen aus der Branche spricht, merkt schnell: Die meisten von ihnen wurden nicht mit einem Laptop in der Hand geboren. Viele beschreiben ganz unterschiedliche Einstiege in die IT – manche über Umwege, nach einer langen Phase des Zweifelns oder auch erst nach einer beruflichen Neuorientierung.
So war es auch bei Christin Aigner: „Ich habe zuvor eine Ausbildung als Übersetzerin gemacht, aber es war mir zu monoton. Ich habe mich dann getraut, einen nächsten Schritt zu gehen und eine weitere Ausbildung als Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung anzufangen. Der Beruf fordert mich täglich heraus, es ist wie Gehirnjogging – Jeden Tag muss man neue Ideen und Lösungen finden.“
Anders war es bei Jana Lohmiller. Sie kam übers Gaming auf die Idee sich beruflich in Richtung IT zu orientieren. Nach dem Abschluss der mittleren Reife besuchte sie ein Berufskolleg für Informationstechnik und hat schnell eine Leidenschaft für Technik und Informatik entwickelt.
Nicht von Zweifeln aufhalten lassen
Immer wieder zeigt sich: Viele Frauen überlegen zwar, in die IT zu gehen, doch genau an der Stelle tauchen oft Unsicherheiten und Zweifel auf. Fragen wie „Ist IT nicht zu schwer?“ oder „Brauche ich Vorkenntnisse?“ begegnen einem ständig und halten manche auf, bevor sie überhaupt anfangen konnten.
Doch diejenigen, die den Schritt gegangen sind, erzählen etwas Beruhigendes: „Man kann völlig ohne Vorwissen in die Ausbildung gehen – aber man braucht Disziplin und Ehrgeiz. Ein paar Kenntnisse sind natürlich von Vorteil, weil man in eine ganz neue Welt eintaucht. Aber am wichtigsten ist es, interessiert zu sein.“ betont Christin Aigner.
Haben Männer einen Vorsprung?
Auf den ersten Blick scheint es so, weil Männer in technischen Berufen häufiger vertreten sind. Das Problem liegt jedoch darin, dass Jungen früher mit Technik in Berührung kommen und öfter ermutigt werden, Dinge auszuprobieren. Mädchen dagegen zweifeln häufiger und trauen sich oftmals weniger zu.
Es fehlt den meisten also nicht an Können, sondern an einem unterstützendem Umfeld. Wenn Frauen dieses bekommen, können sie schnell aufholen und dadurch wertvolle neue Perspektiven einbringen.
Warum IT und KI mehr Frauen brauchen
Vor allem im Bereich künstlicher Intelligenz sieht man, wie wichtig verschiedene Perspektiven sind. KI-Systeme lernen aus Daten, die menschliche Muster abbilden – und diese Muster enthalten Vorurteile. Wenn die Teams dahinter einseitig besetzt sind, werden diese Verzerrungen oft übersehen oder auch unbewusst weitergetragen.
Frauen bringen eigene Erfahrungen und Perspektiven ein, und können dabei helfen, die vielfältige Gesellschaft besser widerzuspiegeln. Diese Vielfalt macht Technologien fairer und gesellschaftlich relevanter.
Warum Frauen keine Angst haben sollten
Viele Frauen empfinden den Einstieg in technische Berufe einschüchternder, als der Job später tatsächlich ist. Oftmals glauben sie, schon Expertin sein zu müssen, bevor sie überhaupt beginnen.
Doch Orysia Bohachevska, eine Fachinformatikerin für Digitale Vernetzung, zeigt, dass Angst unangebracht ist. „Jeder Beruf ist auf seine eigene Art und Weise komplex. Man darf keine Angst davor haben, dass etwas zu schwer ist. Man kann alles lernen – auch in der IT,“ macht sie anderen jungen Frauen Mut, die davor zurückschrecken, einen Beruf in der vermeintlichen Männerdomäne zu erlernen.
Wer sich für IT interessiert, wird unterstützt, kann sich vielfältig weiterbilden und arbeitet im Team. Selbst nach einer Pause wie etwa der Elternzeit, gelingt der Wiedereinstieg oft leichter als gedacht, gerade weil digitales Arbeiten flexiblere Strukturen ermöglicht.
Für Sabina Wegner, die seit September 2025 eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration macht, ist der Beruf ein echter Zukunftsweg. „Mir war wichtig, etwas zu erlernen, was es auch in zehn oder zwanzig Jahren noch gibt und bei dem ich später Beruf und Familie gut vereinbaren kann“, sagt die junge Frau. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice – gerade für Frauen mit Familie ein wichtiges Thema – sind in der IT-Branche gut umsetzbar.
Ratschläge für junge Frauen
Auf die Frage, was sie anderen jungen Frauen raten würde, sagt Christin Aigner klar:
„Wenn Interesse besteht – dann macht es! Zweifelt nicht an euch, kein ‚Was wäre, wenn?‘. Wenn man sich reinhängt, ist alles möglich. Wenn man will, schafft man alles.“ Und besonders wichtig ist: „Nicht wegen den Eltern etwas anfangen, was man selbst nicht möchte. Die Motivation muss von innen kommen.“
Ein Berufsfeld im Wandel
Die digitale Welt entwickelt sich schnell – und mit ihr verändern sich Berufsbilder, Chancen aber auch die Anforderungen. IT bietet sichere Perspektiven, gute Einkommen und die Möglichkeit, unsere Zukunft aktiv mitzugestalten.
Immer mehr Frauen entscheiden sich bewusst für diesen Weg und zeigen: Man muss nicht der „geborene Techniktyp“ sein. Man darf selbst wachsen und seinen Platz finden. Am Ende zählt nicht, wie und wo man startet, sondern der Mut, den richtigen Weg zu gehen.
„In der IT geht es nicht nur ums Programmieren“, sagt Orysia. „Klar, mal probieren, etwas Kleines zu programmieren kann den Blick öffnen – aber viel wichtiger ist, dass es unglaublich viele Möglichkeiten gibt, sich auszuprobieren. Besonders im IT-Bereich stehen einem einige spannende Fachrichtungen zur Auswahl, da findet jede etwas, das ihr wirklich Freude macht.“