Die vietnamesische Metropole Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) © getty images
Die vietnamesische Metropole Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt)

Vietnam: Rückenwind für deutsche Umwelttechnik

10.Apr. 2026 | 5 Min. Lesezeit | Außenwirtschaft |
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Vietnams Klimaschutz rückt für deutsche Anbieter in den Fokus: starkes Wachstum, klare Klimaziele und neue Regulierungen erzeugen konkrete Nachfrage. Wer früh agiert, flexible Geschäftsmodelle entwickelt und bestehende Förderangebote nutzt, findet attraktive Chancen in Kreislauf-, Wasser-und Umwelttechnik.

Vietnam zählt zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften Südostasiens und bietet zugleich einen stabilen politischen Rahmen. Die Regierung hat sich klar zur Klimaneutralität bis 2050 bekannt und treibt entsprechende Reformen konsequent voran. Zentrale Strategien wie die nationale Circular-Economy-Agenda sowie die seit 2024 geltende erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) schaffen verlässliche Investitionsanreize – insbesondere in den Bereichen Abfallwirt­schaft, Wasser- und Abwassertechnik, Ressourceneffizienz sowie Umweltmonitoring.

Hoher Investitionsbedarf in der Kreislauf-und Wasserwirtschaft, bei der Luftreinhaltung sowie bei der Ressourceneffizienz

In der Abfallwirtschaft setzt Vietnam zunehmend auf moderne Sortier-und Recycling­technologien, Waste-to-Energy-Lösungen sowie die Herstellung hochwertiger Rezyklate. Gefragt sind dabei vor allem modulare und skalierbare Systeme, wie sie viele deutsche kleine und mittlere Unternehmen anbieten. Auch im Wasser-und Abwassersektor besteht erheblicher Investitionsbedarf: Dezentrale Kläranlagen, der Ausbau von Kanalnetzen, industrielle Abwasserbehandlung, Pumpentechnik sowie digitale Steuerungs-und Monitoringlösungen sind dringend erforderlich. Klimafolgen wie Dürren, Überschwem­mungen und steigende Grundwasserbelastungen verstärken diesen Bedarf zusätzlich.

Darüber hinaus führen neue Grenzwerte und der Ausbau der Luftqualitätsmessung zu einer steigenden Nachfrage nach Filter-und Abluftreinigungssystemen sowie nach moderner Messtechnik. Energieintensive Branchen wie Stahl, Zement, Textil oder Lebensmittelverarbeitung weisen hohe Effizienzpotenziale auf. Entsprechend groß ist das Interesse an deutscher Technologie und Beratung zur Energieoptimierung – nicht zuletzt vor dem Hintergrund internationaler Lieferkettengesetze wie dem LkSG.

Erleichterter Marktzugang durch EU‑Vietnam‑Freihandelsabkommen

Zusätzliche Vorteile bietet das EU-Vietnam-Freihandelsabkommen. Der schrittweise Abbau von Zöllen auf Maschinen und Umwelttechnologien erleichtert den Markteintritt, während neue Regelungen im öffentlichen Beschaffungswesen europäischen Unter­nehmen erstmals bessere Chancen bei staatlichen Projekten eröffnen.

Ein erfolgreicher Markteintritt in Vietnam erfolgt dabei selten ausschließlich über den Export. Bewährt haben sich partnerschaftliche Ansätze wie Joint Ventures, Technologie­lizenzierungen, projektbasierte Konsortien, Public-Private-Partnerships oder Pilotpro­jekte mit lokalen Behörden und über internationale Finanzierungsinstitutionen. Ent­scheidend sind verlässliche lokale Partner, ein solides Verständnis der regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Anpassung der Technologie an lokale Gegebenheiten. Deutsche Unternehmen können hierbei auf ein starkes Netzwerk zurückgreifen.

Förderprogramme erleichtern die Finanzierung

Die Exportinitiativen des Bundes bieten gute Möglichkeiten, um schrittweise Partner­schaften mit dem Land einzugehen. Die Exportinitiative Umweltschutz (EXI) unterstützt beispielsweise über die DIHK Service GmbH und die AHK Vietnam experimentelle Projekte, Studien und Demonstrationsanlagen im Land. Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) organisiert gezielte Geschäfts­reisen und Matchmaking und unterstützt Leuchtturmprojekte im Bereich der erneuer­baren Energien. Für GreenTech-Projekte gibt es Finanzierungsmöglichkeiten, Export­kredite und Beteiligungsmodelle der KfW IPEX-Bank und der DEG. Für Pilotprojekte, Trainings und Machbarkeitsstudien käme auch das GIZ/develoPPP-Programm infrage.

Vietnamesische Delegation mit Schwerpunkt Umwelttechnologien und Kreislauf­wirtschaft in Stuttgart

Für deutsche Unternehmen ergeben sich damit hervorragende Chancen, bewährte Technologien in einem dynamischen Markt einzusetzen, neue Partnerschaften aufzu­bauen. Im Rahmen des BMWE-Programms „Partnering in Business with Germany“ erwartet die IHK Region Stuttgart im Mai 2026 eine vietnamesische Delegation mit Schwerpunkt Umwelttechnologien und Kreislaufwirtschaft.

Am 11. Mai 2026 findet dazu eine Kooperationsbörse in der IHK Stuttgart statt – eine ideale Gelegenheit für Unternehmen aus Baden-Württemberg, erste Kontakte zu knüpfen und konkrete Geschäftsmöglichkeiten auszuloten. Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie Interesse haben, die Delegationsmitglieder zu treffen.

Dr. Nahida Amado, IHK Region Stuttgart

Weitere Infos zum Markteintritt in Vietnam

Kooperationsbörse Vietnam, Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnologien, in der IHK Region Stuttgart am 11. Mai 2026 – Info und Anmeldung

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