Ehrenamt: Die Extrameile fürs Gemeinwohl

26.Juni 2026 | 18 Min. Lesezeit | Nachhaltigkeit |
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Ehrenamtliches Engagement lebt vom Einsatz vieler – auch von Unternehmerinnen und Unternehmern. Trotz voller Terminkalender bringen sie sich in Vereinen, Hilfsorganisationen und Gemeinden ein. Ihre Motive reichen von persönlicher Überzeugung bis zum Wunsch, Verantwortung zu übernehmen. Beispiele aus der Region zeigen, wie vielfältig dieses Engagement ist – und welchen Wert es für Gesellschaft und Wirtschaft hat.
Tobias Vester in THW-Montur: Der Unternehmer engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Technischen Hilfswerk. © Bernhard Widmann
Tobias Vester in THW-Montur: Der Unternehmer engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Technischen Hilfswerk.

Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum 23. Mai, dem Geburtstag des Grundgesetzes, den ersten Tag des Ehrenamtes ausrief, wusste er ganz genau, was er tat: Er würdigte die 27 Millionen Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren und so „unser Land jeden Tag – und jeder auf seine Weise – ein Stück besser machen“, wie er sagte.

Viele dieser ehrenamtlich Engagierten sind Unternehmer. Allein in der IHK-Region Stuttgart bringen sich rund 250 Chefs und Chefinnen zusätzlich zu ­ihren anspruchsvollen Aufgaben in die Gremienarbeit ein. Andere trainieren Jugendmannschaften, organisieren Kirchenfeste oder betreuen Flüchtlinge, um nur einiges zu nennen. Doch was bewegt sie dazu, neben den Herausforderungen des Berufslebens ­zusätzlich Verantwortung zu übernehmen? Eine ­Spurensuche nach Motivation, persönlichem Antrieb und gesellschaftlichem Engagement.

Technikbegeisterung im Einsatz

Zum Beispiel Tobias Vester. Der Chef der Veprotec Automation GmbH aus Zell unter Aichelberg strahlt über das ganze Gesicht, als er die Halle des Technischen Hilfswerks THW in Göppingen aufschließt: „Sie werden gleich sehen, warum das so viel Spaß macht“, sagt der 46-Jährige. Und in der Tat, die 21 Fahrzeuge, alle blitzblank und neu bis sehr neu, lassen das Herz jedes Technikbegeisterten höherschlagen. Erst recht, wenn man weiß, was hinter dem Fahrerhäuschen montiert ist. Das reicht von der mobilen Küche über die fahrbare Werkstatt bis zu Kranarmen.

Diese Technikbegeisterung hat Vester bereits mit elf Jahren zum THW gebracht, als bei einer Infoveranstaltung in der Schule der Funke übersprang. Sie sorgte aber auch dafür, dass es keine Frage war, was er nach der Schule machen würde, nämlich ­Ingenieur- wesen mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik an der FH Esslingen studieren und 2014 sein Unternehmen für Steuerungstechnik gründen.

In all diesen Jahren blieb er dem THW treu, „nur als ich 2014 mein Unternehmen gründete, da habe ich ein Jahr ausgesetzt. Das war zeitlich dann doch schwierig“, erzählt er. Kein Wunder, denn zwischen 400 und 800 Stunden investiert er jährlich in sein ehrenamtliches Engagement. Dazu kommen Wochenend-Lehrgänge und ­natürlich die Einsätze.

Viele der nunmehr 35 Jahre war Vester als Helferwerber, Fachberater und Öffent­lichkeitsreferent eingesetzt. Was dabei etwas zu kurz kam: das Doing, also genau das, weswegen er das Ehrenamt einst angetreten hatte. Deswegen von seiner Führungsposition in die Logistik: „Vom Schreibtisch hinter das Steuer, da hat man mehr Abwechslung.“ Und am Schreibtisch sitzt er ja schon im eigenen Betrieb…“

Lösungen für Probleme, die eigentlich unlösbar sind

Welcher Einsatz hat ihn am meisten abverlangt? „Da würde ich zwei nennen, einmal das Hochwasser vor zwei Jahren hier in der Region, das hat mich emotional schon sehr mitgenommen. Man musste Lösungen finden für Probleme, die eigentlich unlösbar waren. Und von der Dimension her war es sicher die ­Katastrophe im Ahrtal.“ Wenn er weiter nachdenkt, fällt ihm noch der Einsatz in Liberia ein, wo das THW nach dem ­Bürgerkrieg eine Generatorenwerkstatt aufbaute: „Danach weiß man viel mehr zu schätzen, was man zu Hause hat!“

Für die ehrenamtliche Arbeit beim THW können sich Arbeitnehmer freistellen lassen, wofür der Staat den Ausfall übernimmt. „Trotzdem sieht man das als ­Arbeitgeber oft erst einmal nicht so ­positiv, aber wenn der Kollege dann zum Beispiel mit einem Schweißerschein zurückkommt, dann profitieren beide“, hat Vester festgestellt. Er persönlich ist als Selbständiger ohnehin flexibler, kann sich manchen Termin so legen, dass es passt, „aber das Unternehmen hat natürlich Priorität!“

Kontakte vom Altenpfleger bis zum Arzt, vom Rohrreiniger bis zum Apotheker

Neben dem Spaß, was bringt das Engagement noch? Vesters Liste jedenfalls ist lang. Sie beginnt damit, dass er schon relativ jung lernen konnte, Menschen zu führen, Entscheidungen zu treffen und in Krisensituationen ruhig zu bleiben. Und viele Dinge, die er in seinem eigenen Betrieb braucht, lernte er schon beim THW kennen, zum Beispiel zum Thema Arbeitsschutz, Gefahrstoffe oder Gesundheitsschutz. Denn, so hat Vester festgestellt, „die meisten Regeln, die in Wirtschaftsbetrieben gelten, gelten auch beim THW“.

Was ihm aber ganz besonders gefällt ist die Tatsache, dass er sich mit Menschen auf Augenhöhe austauscht, mit denen er sonst kaum Berührungspunkte hat, vom Altenpfleger bis zum Arzt, vom Rohrreiniger bis zum Apotheker. Und natürlich: „Man tut was Gutes für die Gesellschaft und hat noch Spaß dabei!“ Und, in Zeiten des Fachkräftemangels nicht zu unterschätzen, er konnte einen THW-Kollegen als Mitarbeiter gewinnen.

Paul Lambert mit Fanschal: Beim Fußballverein SV Göppingen steht der Unternehmer nicht nur als Sponsor, sondern auch als Vorsitzender in der Verantwortung. © Bernhard Widmann
Paul Lambert mit Fanschal: Beim Fußballverein SV Göppingen steht der Unternehmer nicht nur als Sponsor, sondern auch als Vorsitzender in der Verantwortung.

Unternehmertum und Teamgeist auf und neben dem Platz

Auch Paul Lambert hat schon einen guten Mitarbeiter über sein eigenes Ehrenamt gefunden. Der Chef der Göppinger Lambert GmbH, deren Marktschirme nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Wien oder London auf Wochenmärkten stehen, wurde gefragt, ob er einem Fußballer aus Heidenheim eine Lehrstelle geben könne. „Das habe ich gern gemacht, denn Sportler sind teamorientiert, ehrgeizig und halten sich an Regeln“, erzählt der 52-Jährige. Bis heute ist der ehemalige Azubi eine wertvolle Bereicherung des 45-köpfigen Lambert-Teams.

Fußball, das kennt Lambert schon seit Kindesbeinen, und zwar aus einer ganz und gar ungewöhnlichen Perspektive: Bei Heimspielen des Göppinger SV wurde der Werbespruch der elterlichen Firma in der Spielpause verlesen. Lambert hat ihn noch im Ohr: „Ob Sonne oder Regen, ohne ­Lambert-Schirme geht’s daneben“.

Den Grundstein legten das Elternhaus und die Bundeswehrzeit

Als die eigenen beiden Söhne im Kicker-Alter waren, stand Paul Lambert wieder am Wochenende am Spielfeldrand. Über den Freundeskreis, der sich so ergab, wuchs er ins Vereinsleben hinein. Als der Vorstand altershalber aufhörte, wurde Lambert gebeten, die Nachfolge anzutreten, und er willigte ein.

Ist er mit dem Betrieb nicht ausgelastet? Da muss Lambert lachen: „Schon!“ Doch sich für das Gemeinwohl einzusetzen, das liegt ihm nun mal am Herzen. Den Grundstein dafür legten das Elternhaus und später die Bundeswehrzeit. Dort, so erinnert er sich, lernte er den Wert von Disziplin, Kameradschaft, Anstrengungs- bereitschaft bis an die körperliche Leistungsgrenze kennen, vor allem aber „das Gefühl, dass man einen Dienst an seinem Land leistet“.

Das setzt er nicht nur für den Fußball­verein ein, sondern auch als Gemeinderat in Göppingen. Wie ist er dazu gekommen? Auch das geht auf ein Jugenderlebnis ­zurück: „Ein ,alter weißer Mann‘ sagte nach einer Diskussion zu mir, reden könnt ihr, aber umsetzen, das ist etwas Anderes.“ Weil ihm „unser tolles Land“ am Herzen liegt und er einsah, dass man etwas dafür tun muss, trat er in verschiedene Wirtschaftsverbände ein. 2007 schließlich wurde er gefragt, ob er nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle. Das erste Mal klappte es noch nicht, aber seit 2012 ist er nun eines der 40 Mitglieder.

Sieben der 40 kommen aus der Wirtschaft. Macht es einen Unterschied, ob man als Beamter, Angestellter oder eben als Unternehmer im Kommunalparlament mitredet? „Einige haben schon weniger Zukunftsängste, dass die Weltwirtschaft stärker werden kann als wir“, hat er festgestellt. Und nicht immer sei es allen ganz klar, dass das, was ausgegeben wird, erst einmal erwirtschaftet werden müsse. Trotzdem: „Wir finden immer gute Mehrheitsentscheidungen“, freut er sich.

Nützt sein politisches Engagement auch dem Unternehmen? „Eher weniger“, ist Lambert überzeugt. Schließlich ist sein Markt Deutschland und Kern-Europa. „Da ist die Lokalpolitik der Kreisstadt Göppingen dann doch weniger im Fokus“, lächelt er.

Philipp Falser mit Bibel im Theater: Zwischen Bühne, Gemeinde und Ehrenamt verbindet der Kommunikationstrainer Glauben, Sprache und Kultur. © Bernhard Widmann
Philipp Falser mit Bibel im Theater: Zwischen Bühne, Gemeinde und Ehrenamt verbindet der Kommunikationstrainer Glauben, Sprache und Kultur.

Bühne frei für Engagement

Philipp Falser treffen wir im Kunstdruck Central Theater in Esslingen. Das ist ein freies Theater, das das älteste Kino Süddeutschlands bespielt. Getragen wird es von einem Verein. Intendant und Vorstand: Philipp Falser. Ehrenamtlich.

Broterwerb des studierten Rhetorik- und Sprechtrainers ist das Kommunikationstraining, das vor allem Kanzleien, aber auch Behörden, Krankenhäuser und Sozialberatungen buchen um zu üben, wie man kommuniziert, „dass am Ende beide Seiten besser rauskommen als sie gestartet sind“. IHK-Mitglied ist Falser über die Straku-Festivals, das sind Feste mit einem Mix aus innovativen Straßenkünstlern, renommierten Artisten und ambitionierten Newcomern. In sieben Städten in der Region finden sie mittlerweile statt.

Man sollte meinen, die drei Themen reichen für einen proppenvollen Terminkalender. Doch nicht für Falser. Zusätzlich engagiert er sich in der katholischen Kirchengemeinde St. Paul in Esslingen, denn „der Glaube ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens, da muss ich was tun“, begründet es der 31-Jährige.

Bei der Überlegung, welches Engagement in der Gemeinde am besten zu seinen Fähigkeiten passt, lag der Lektorendienst auf der Hand, also der Vortrag der Lesungen und der Fürbitten während des Gottesdienstes. Schließlich ist Sprache das Lebensthema von Falser, seit er als Kind aus Südtirol nach Esslingen kam und sich in einem völlig neuen Dialekt zurechtfinden musste.

Seine Zuwanderungserfahrung gibt er auch an Geflüchtete weiter, denen er die Regeln für die richtige Aussprache der deutschen Standardsprache nahebringt. Außer­dem ist er in St. Paul als Firm-­Katechet und beim vierzehntägigen Streaming des Gottesdienstes gefragt. Ach ja, im BKU, dem Bund katholischer Unternehmer ist er auch noch engagiert.

Wie bringt er all dieses Engagement zeitlich mit seinem Unternehmertum zusammen? „Das kann man nicht so beziffern, aber klar, das ist sehr zeitintensiv und ein klassisches Wochenende habe ich nicht“, erzählt Falser. Aber das ist es ihm wert: „Die Verbindung und das Zusammengehörigkeitsgefühl mit Menschen über so viele Grenzen hinweg, zum Beispiel politische Überzeugung, Herkunft, Bildung, Alter, das findet man nur im Ehren­amt“, ist er überzeugt.

Wobei Falsers Ehrenamt nicht nur in der Tätigkeit an sich besteht, sondern er sich zumindest im ­Theater auch „als Katalysator für andere Ehrenamtliche“ versteht. Bis auf zwei FSJ-ler sind alle Mitstreiter nämlich ebenfalls pro bono tätig. Das erfordert große Übersicht und perfekte Organisation. Für den Dienst an der Theater-­ kasse gibt es zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe mit um die 50 Namen. So findet sich für jede Veranstaltung jemand, ohne dass Einzelne überlastet sind.

Ehrenamt funktioniert nur, wenn man auch mal nein sagt

Das kommt dem Trend entgegen, dass sich viele Menschen heute lieber projektbezogen ­engagieren, statt regelmäßige Termine wahrzunehmen. Ehrenamt, so Falser, müsse sich darauf einstellen. Er sieht aber noch zwei weitere Pro­bleme, die Menschen das Engagement verleiden. Das eine: zu viel Verantwortung ohne hauptamt­liche Rückendeckung: „Da muss man sagen, stopp, denn Ehrenamt darf niemals eine hauptamtliche Stelle ersetzen.“ Noch schwieriger sei der gerade in Zeiten knapper Kassen verbreitete Gedanke, „das könnte doch eine ehrenamtliche Gruppe übernehmen“.

Ehrenamt funktioniert aber auch nur, wenn man sich nicht überrollen lässt, auch mal „nein“ sagt. Bei Falser war es so weit, als man ihn bat, für den Kirchengemeinderat zu kandidieren. „Das macht jetzt meine Verlobte“, lächelt er.

Dr. Matthias Klöpfer und Benjamin Brosi mit Urkunde: das Unternehmen wurde als besonders ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet.
Dr. Matthias Klöpfer und Benjamin Brosi mit Urkunde: das Unternehmen wurde als besonders ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet.

Verantwortung fördern – Ehrenamt möglich machen

Auf Dr. Matthias Klöpfer sind wir gekommen, weil die Klöpfer GmbH & Co. KG aus Winnenden-Birkmannsweiler dieses Jahr als „ehramtsfreundliches Unternehmen in ­Baden-Württemberg“ ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung wird jährlich vom Land Baden-Württemberg verliehen und richtet sich an Unternehmen, die ihren Beschäftigten etwa durch flexible Arbeitszeiten oder Freistellungen den Rücken freihalten, wenn diese Verantwortung bei der Feuerwehr, beim Malteser Hilfsdienst, dem THW oder anderen Organisationen des Bevölkerungsschutzes übernehmen.

Zum Beispiel Benjamin Brosi. Der stellvertretende Betriebsleiter am Klöpfer-Standort Marbach-Rielings­hausen ist Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Großbottwar. Wenn es dort brennt, muss er im Ernstfall alles stehen und liegen lassen – natürlich in Absprache mit den Kollegen. Sein Chef steht voll dahinter und stellt Brosi nicht nur für solche Einsätze frei, sondern auch für Schulungen.

Marbach-Rielingshausen, das ist einer der imposanten Steinbrüche, die Klöpfer zur Rohstoffgewinnung und als Produktionsstätten für Qualitätsbaustoffe nutzt. Hier dürfen aber auch Malteser, Rettungshundestaffeln, Feuerwehren und die DLRG für Einsätze üben – unentgeltlich.

Das Engagement hat Tradition im Hause Klöpfer: „Meine Eltern haben es mir vorgelebt und mich schon als Kind überall mit hin geschleift“, erinnert sich Sohn Matthias. Doch schwäbisch bescheiden hätten die Eltern wenig Aufhebens darum gemacht. „Aber als Unternehmer hat man auch eine Vorbildfunktion“, sagt der aktuelle Chef. Deswegen habe er sich um die Landes-Auszeichnung beworben.Im Gegensatz zu früher sei es nämlich in­zwischen „politisch gelernt“, den Staat als Dienstleister zu betrachten, der zu liefern habe. Getreu dem Motto „ich zahle Steuern, das steht mir zu“. Eine ehrliche Ansprache seitens der Politik wünscht sich der promovierte Jurist, damit sich „das Mindset ändert“. Etwa so, wie es der legendäre US-Präsident John F. Kennedy einst formulierte: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst.“

Deswegen findet Klöpfer ein verpflichtendes Dienstjahr für Jugend­liche gut. „Das war früher ein Mit­glieder-Magnet für THW & Co.“, erinnert er sich, und auch Mitarbeiter Brosi bestätigt, dass der Zivildienst sein Denken über gesellschaftliches Engagement geprägt habe.

Der Sinn für das Gemeinwohl sollte schon im Kndergarten geschärft werden

Ebenso wichtig wäre es nach Ansicht von Matthias Klöpfer, wenn schon im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule mit der Sensibilisierung für das Gemeinwohl begonnen würde. Zum Beispiel beim Kuchenverkauf – nicht für einen Ausflug oder ähn­liches, sondern für einen guten Zweck. Und „wenn sich jeder Bürger eine halbe Stunde pro Woche engagieren würde, würde das schon viel bringen: Gemeinschafts- gefühl, aber auch ein Bewusstsein dafür, dass man die eigene Anspruchshaltung in Frage stellt.“

Eine halbe Stunde – da liegt Klöpfer aber erheblich drüber. Sein Engagement ist so vielfältig, dass es den Rahmen sprengen würde, hier alles aufzuzählen: CVJM, Musikverein, Obst- und Gartenbauverein, um nur einiges zu nennen. Gerade erfordert der Kultur- und Heimatverein Birkmannsweiler besonders viel Aufmerksamkeit – wegen des „Wahnsinnsprojekts Backhäusle“, das das ganze 2500-Seelen-Dorf auf die Beine gebracht hat.

27 Millionen Deutsche engagieren sich im Ehrenamt

Das Backhäusle, das früher in jeden Ort gehörte, soll wieder ein Treffpunkt werden, an dem Jung und Alt, Familien, Freunde, Schüler, Vereine bis hin zum Kinder­garten zusammenkommen. Klöpfer selbst setzte mit seinen fünf- und sechsjährigen Kindern Randsteine, stellte Baugerät zur Verfügung und trug auch finanziell etwas bei. Für eine Samstagsschicht beim Backhäuslefest hat er sich auch schon eingetragen – für 21.45 Uhr. Früher ging nicht, weil er an dem Tag außerdem als Hauptsponsor und Organisator beim Rielingshäuser Steinbruchlauf „Rocks& Run“ zugunsten des örtlichen Handballvereins und des Evange­lischen Kindergartens engagiert ist. „Das muss ich noch meiner Frau erklären…“

Fast 27 Millionen Menschen ab 14 Jahren in Deutschland sind ehrenamtlich engagiert, hat das Frei­willigensurvey für das Jahr 2024 ermittelt. Davon investieren fast 20 Prozent mehr als sechs Stunden pro Woche in ehrenamtliches Engagement – so wie die vier vorgestellten Unternehmer.

Laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung schaffen diese 27.000.000 zusammen einen Gegenwert von jährlich 32 Milliarden Euro. Bleibt eigentlich nur, einfach mal „danke!“ zu sagen, danke all denen, „die unser Land jeden Tag – und jeder auf seine Weise – ein Stück besser machen.“

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