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Unternehmensnachfolge: Stabwechsel im Doppelpack
18.Aug. 2026 | 16 Min. Lesezeit | Nachfolge |Autor: Walter Beck
© Krauss Kommunikation GmbH
um Beispiel Claudia und Ralf Krauß. Einerseits sind die beiden Agentur-Chefs aus Herrenberg in ihren 50ern und haben zwei erwachsene Söhne, die für eine Nachfolge in Frage kämen, andererseits haben sie letztes Jahr selbst ein Unternehmen übernommen.
Aber der Reihe nach: 1998 – da war das Internet noch eine Randerscheinung und Social Media völlig unbekannt – gründete das Ehepaar Krauß die heutige Krauss Kommunikation GmbH. Mit einem „Marketingstudium in den Rippen“ wollten die beiden Kommunikation besser machen.
In den Nuller-Jahren wurden die „Kundschaft und die Familie größer“: 2001 kam Sohn Niklas auf die Welt, 2004 sein Bruder Lars. Während die Familienplanung damit abgeschlossen war, wuchs die Agentur weiter. Im Jahr 2019, als die Firma in Herrenberg ganz neu baute, waren es schon zwölf Mitarbeiter. Heute sind es 30.
Erfahrungen in einem anderen Unternehmen gesammelt
Der Neubau in Herrenberg war auch der Startschuss zu einer Neuaufstellung der betrieblichen Organisation mit dem Ziel, dass die Firma nicht mehr ausschließlich an die Person der beiden Chefs gebunden war. Fast gleichzeitig startete Niklas sein duales Studium „International Business“ – allerdings nicht in der elterlichen Firma, sondern bei einem großen Softwareanbieter: „Ich wollte wissen, wie‘s anderswo zugeht“, erklärt er. Denn wie es bei Krauß Kommunikation läuft, das „kannte ich seit ich laufen kann“, wie er erzählt. Doch der Vater muss da unbedingt etwas richtigstellen: „Du hast davon gehört!“
Zwei Dinge verdeutlicht die kleine Szene: Die Eltern möchten zeigen, dass eine Nachfolge „kein Automatismus ist“ und dass Familie und Geschäft zwei unterschiedliche Sphären sind. Das spürt auch Niklas, der seit einem Jahr als Kundenberater im Unternehmen tätig ist: „Ich habe zwar einen guten Draht zu den Chefs, dass es meine Eltern sind, spielt im Job aber keine Rolle“, erzählt er.
„Ich habe zwar einen guten Draht zu den Chefs, dass es meine Eltern sind, spielt im Job aber keine Rolle.“
Junior-Unternehmer Niklas Krauß
Familie Krauß hat mit der Gratwanderung zwischen privat und geschäftlich inzwischen Erfahrung, denn Sohn Lars absolvierte sogar seine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print im elterlichen Betrieb. „Große Balance ist da nötig gewesen“, erinnert sich die Mutter, die auch seine offizielle Ausbildungsleiterin war: „Er war Azubi und nicht Sohn“, sagt sie und fügt zufrieden hinzu: „Das haben wir souverän durchgeführt.“ Nun arbeitet der 22-Jährige in der Softwareentwicklung im elterlichen Betrieb als Werkstudent, wenn es sein Studium „Werbung und Marktkommunikation“ an der HdM zulässt.
Wie es weitergeht? Ein Herzenswunsch wäre es, dass die Söhne das Ruder übernehmen, oder? „Ich will es einen Traum nennen. Alles andere würde die Kinder unter Druck setzen“, sagt Claudia Krauß. „Ist angekommen!“ ruft da Sohn Niklas.
Noch besteht kein Entscheidungsdruck, doch in vier Jahren, „wenn die Sechs näher rückt“, wollen die Chefs wissen, ob es eine familieninterne Nachfolge gibt. Schließlich mache es einen großen Unterschied, ob die nächste Generation in eine Firma hineinwächst oder ob jemand von außen übernimmt.
Übernimmt ein Familienmitglied oder ein Externer?
Wie es ist, als externer Nachfolger ein Unternehmen zu übernehmen, das weiß Familie Krauß seit letztem Jahr ganz genau. 2025 wurde ihr eine Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Miet-Webseiten zum Kauf angeboten. Besonders bemerkenswert an dem Angebot war der große Kundenkreis. Alles ging rasend schnell, so schnell, dass auf eine Due-Dilligence-Prüfung verzichtet wurde und auch sonst kaum Zeit blieb, das Geschäftsmodell genau zu analysieren: Ende Mai wurde der Vertrag unterschrieben, am 1. Juli gehörte das Unternehmen bereits zu Krauss.
Warum der Verkäufer es so eilig hatte, wurde nach der Übernahme schnell klar: Zwar war der Kundenstamm wirklich beachtlich, man stieß aber auf „prekäre Systeme, die wir nicht für möglich gehalten hätten“. Die Grundidee, eine eingeführte Marke weiterzuführen, ließ sich nicht verwirklichen – zumal den Kunden der Markenname egal war.
Statt einer schnellen Migration mussten erst einmal alle Kunden kontaktiert werden, ob sie nicht auf das weitaus hochwertigere Angebot von Krauss wechseln wollten. Für die, die das annahmen, musste die Website völlig neu aufgesetzt werden. „Knackig“ sei das gewesen, „aber wir haben das gemeistert“, freut sich Ralf Krauß und erzählt, dass nun, zehn Monate später, die Firma vollständig in die fünf Geschäftssäulen von Krauß integriert ist. Das hat sich gelohnt: „Wir haben Stabilität gekauft, denn unsere Kundenbasis hat sich deutlich verbreitert“, erklärt Claudia Krauß.
In der Krise müssen Verkäufer ihre Preisvortsellungen reduzieren
Beste Voraussetzungen für eine Nachfolgeregelung also. Was heutzutage gar nicht mehr so selbstverständlich ist, folgt man Wolfgang Stumpp. Er muss es wissen, denn seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet der Wirtschaftsprüfer aus Weinstadt Unternehmensübergaben. Seither habe sich viel geändert. Wie in vielen Bereichen, so markierte auch hier Corona einen Einschnitt, auch wenn die Pandemie nicht die Ursache war: Kamen Verkäufer früher oft mit überzogenen Preisvorstellungen, weil sie von der steuerlichen Gleichung 13,5 x Gewinn ausgegangen waren, so ist das in der derzeitigen Krise keine Option mehr. „13,5 x null ist null“, formuliert es Stumpp ganz ohne Beschönigung: „Viele die zu mir kommen, brauchen eigentlich einen Sanierer“, bedauert er.
Überhaupt habe sich das gesamte Business von einem Verkäufermarkt in einen Käufermarkt gedreht. Dies gelte gerade für seine Kernklientel, das sind Firmen mit 10 bis zu 100 Mitarbeitern. Hinzu komme, und das betreffe gerade auch die familieninterne Nachfolge, die „Unmöglichkeit des Wirtschaftens, weil gerade Chefs kleiner Unternehmen, die nichts delegieren können, am Bürokratiewust ersticken“.
„Die Erfahrung aus über 50 Transaktionen zählt viel in unserer Branche, zudem gehören die allermeisten Übergeber meiner Generation an.“
Nachfolgeberater Wolfgang Stumpp
Immerhin, seinen eigenen Sohn Christoph schreckt das nicht ab: Der 34-Jährige ist gerade dabei, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Allerdings, das machen beide im Gespräch deutlich, geht es nicht um einen Übergang von heute auf morgen. Konkret sieht das so aus, dass sich Wolfgang Stumpp zwar immer mehr aus dem operativen Geschäft zurückzieht, wenn es um Verträge und Verhandlungen geht, ist er aber weiterhin dabei. Er erklärt das mit dem Senioritätsprinzip: „Die Erfahrung aus über 50 Transaktionen zählt viel in unserer Branche, zudem gehören die allermeisten Übergeber meiner Generation an.“
Für andere Kunden wiederum ist es ein Vorteil, dass sie nun mit einem jungen Gesprächspartner zu tun haben. So ist Christoph Stumpp in die Kooperationsberatung für etablierte Mittelständler und Startups eingestiegen. „Wenn ich da käme, würden alle denken, was will denn der Dinosaurier hier“, lächelt der Vater. Auch hat der Sohn die Recherche auf ein neues Level gebracht und KI eingeführt. Kurz, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Generationen macht es möglich, das „Business so weiterzuentwickeln, dass es sich durchsetzt, auch in schwierigen Zeiten“, freuen sich Vater und Sohn.
Die familiäre Nachfolge kam eher unerwartet
Christoph Stumpp ist studierter Wirtschaftswissenschaftler. Das Geschäft kennt er von Kindesbeinen an, denn er ist in dem Haus aufgewachsen, in dem sich die Firmenbüros bis heute befinden. Trotzdem hatte er eigentlich nie den Gedanken, die Nachfolge anzutreten. Nach dem Studium war er darum zunächst in einer mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. „Richtung Steuern oder Richtung Projektgeschäft, das war für mich die Frage“, erzählt er. Nach einer „Findungszeit“ entschied er sich schließlich für das Projektgeschäft und die Stumpp Unternehmerberatung GmbH.
Auch der Vater hatte mit einer familiären Nachfolge nicht gerechnet, das nicht einmal gewollt. „Irgendwann ist gut, dann mache ich zu“, dachte er sich. Jetzt freut er sich doch, dass es weitergeht und empfindet es als „Privileg, dass ich mich stufenweise zurückziehen kann“.
Sich in absehbarer Zeit ganz zurückzuziehen, das ist auch der Plan unseres nächsten Gesprächspartners. Er ist gerade 60 geworden, hat also bis dahin noch ein paar aktive Jahre vor sich. Die möchte er für den Übergang nutzen: „Die meisten Käufer sind daran interessiert, dass das Management noch drei bis fünf Jahre nach der Übergabe im Geschäft bleibt“, weiß er und ergänzt: „Ich bin also nicht früh dran, sondern genau richtig“.
„So ein Übergabeprozess ist sehr komplex. Das überfordert die Skills, die man so hat“
Annonymer Besucher einer IHK-Nachfolgeveranstaltung
Warum wir seinen Namen nicht nennen? Er hat gerade erst mit der Nachfolgersuche begonnen. Diskretion ist da oberstes Gebot. Kennengelernt haben wir ihn, weil er eine IHK-Veranstaltung zum Thema besuchte.
Das Unternehmen, das er veräußern will, hat er selbst erst vor sechs Jahren gekauft. Genauer gesagt, die eine Hälfte, denn die andere blieb im Besitz der Gründerfamilie. Damals, mit Mitte 50, hatte unser Kontakt ein langes Berufsleben mit Geschäftsreisen in alle Welt hinter sich und wollte etwas kürzertreten. Klar war auch, dass er „so grob zehn Jahre“ Unternehmer bleiben wollte. Danach würde „unabwendbar der nächste Lebensabschnitt anstehen“. Das Jahrzehnt wollte er nutzen, um den Betrieb weiterzuentwickeln, auch wertmäßig.
Aber warum dann die IHK-Veranstaltung zur Nachfolge? Schließlich ist die Erfahrung aus der eigenen Übernahme doch noch relativ frisch? „So ein Übergabeprozess ist sehr komplex. Das überfordert die Skills, die man so hat“, erklärt er. An den IHK- Veranstaltungen schätzt er nicht nur die konkreten Tipps, sondern auch, dass er dort Kontakte zu Leuten knüpfen kann, die den Prozess unterstützen können: „Auch wenn ich es schon mal gemacht habe, die machen es regelmäßig.“
Ein Investor steht vor der Tür und das Ruhestandsprogramm steht schon fest
Drei Varianten von Nachfolge kommen für ihn in Frage: ein Finanzinvestor, ein Marktbegleiter, der eine vertikale Integration anstrebt, oder ein Manager, der die Position als geschäftsführender Gesellschafter anstrebt – so wie er 2020 selbst. Zu beiden Letzteren hat er auch schon Ideen, wer Interesse haben könnte. Interessanterweise habe sich aber auch schon ein Investor bei ihm gemeldet. Zeitfenster? „Das kann schnell gehen, ich spreche von Monaten.“
Wird es ihm leidtun, wenn er eines Tages den Schlüssel übergibt? „Ich bin eher der Zahlenmensch“, erklärt er. Und überhaupt, das Ruhestandsprogramm steht schon fest: „Segeln gehen“.
Ob Andreas Braun wohl auch eines Tages den Schlüssel übergeben und dann Segeln gehen wird? Schließlich blickt auch er auf eine lange Berufserfahren in der Industrie zurück. Als er sich 2023 beruflich umorientieren musste, beschloss der studierte Wirtschaftsingenieur, Unternehmer zu werden. Über die IHK-Nachfolgebörse Nexxt-Change stieß er auf die CS Beschaffungsservice in Fellbach. Das Unternehmen unterstützt Firmen bei der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen jeglicher Art nach dem Ein-Kreditor-Modell.
Kontakt über die IHK-Nachfolgebörse Nexxt-Change
Die CS-Gründerin hatte aus Altersgründen einen Nachfolger gesucht, der das Geschäft auf breitere Füße stellt. „Alles hat gepasst“, erinnert sich Braun. Als erstes wandelte er die Einzelfirma in eine GmbH um und stellte Mitarbeiter ein. Zusammen digitalisierten sie das Geschäftsmodell. Um das Geschäftsfeld zu verbreitern, klickte er sich weiterhin regelmäßig durch die Angebote auf Nexxt-Change. Und dabei ist ihm „Wasni entgegengesprungen“.
Wasni war 2015 von Daniel Kowalewski gegründet worden. Auch er war vorher „ganz normal“ in der Industrie tätig gewesen. Doch nach einem FSJ, bei dem er mit Kindern mit Behinderung arbeitete, konnte er sich nicht mehr vorstellen, „in ein normales Business“ zurückzukehren. Seine Idee: Eine Firma zu schaffen, die die Lücke zwischen Werkstätten und „normalen“ Betrieben schließt, also wo Menschen mit Einschränkung eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt finden, die sie weder unter- noch überfordert.
Er gründete eine gemeinnützige GmbH für die Produktion von Hoodies und Shirts aus nachhaltiger Baumwolle – alles made in Germany, genauer gesagt, made in Esslingen. Aus dem Nichts baute er Wasni auf. Der Name ist eine Zusammenziehung der Anfangsbuchstaben des Firmenmottos „Wenn anders sein normal ist“.
Ein neuer Chef sollte der Firma wieder mehr Schub geben
Doch die Firma kosteten den Gründer sehr viel Energie, Zeit und Herzblut. Und auch Kowalewski setzt darauf, dass neue Besen gut kehren, sprich, dass ein neuer Chef der Firma einen neuen Schub verleihen würde. Deswegen die Nexxt-Change-Anzeige, die Andreas Braun „ansprang“. Das ist umso bemerkenswerter, da dieser schon seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte und eigentlich kürzertreten wollte. Doch die Wasni-Idee habe „gleich sein Herz angesprochen“. Gerüstet fühlte er sich auch deshalb, weil er in seiner „Industriezeit“ Textilmaschinen auf der ganzen Welt verkauft hatte.
Er überlegte lang, besprach sich mit seiner Frau und verhandelte mit Kowalewski. Mitte 2025 war man sich einig, im Oktober war Braun schon alleiniger Geschäftsführer. Teil der Abmachung war, dass Kowalewski „so lange wie es der Firma guttut“ unterstützt und berät. „Das funktioniert sehr gut, weil wir beide dieselbe Einstellung haben“, freut sich Braun.
Wie erhofft hat Braun gleich neuen Schwung ins Unternehmen gebracht. Er investierte ins Marketing, in den Webauftritt, in neue Schnitte und Modelle und – als Herzstück – in einen „Hoodiekonfigurator“. Alles Schritt für Schritt, denn „wir sind eine gGmbH, wir schwimmen nicht in Geld und Kapazitäten“.
Ein Traum erfüllt sich: Die Nachfolge sichert das Unternehmen
Kunden sind zu 60 Prozent Privatleute, die sich ihr Hoodies und Sweatshirts selbst designen können und dabei aus mehr als 30 Farben und zahlreichen Schnittvarianten wählen können. Hat jemand extra lange Arme oder breite Schultern, wird das berücksichtigt, denn die kleine Firma ist nach wie vor eine Manufaktur und will das auch bleiben. Es gibt aber auch viele Kunden, die in den kleinen Laden in der Mettinger Straße kommen, und es gibt Unternehmen, die Wert auf ökologische und nachhaltige Teamkleidung legen und diese bei Wasni bestellen.
Hat der Doppelnachfolger noch Träume? Ja, drei: Er wünscht sich, dass noch mehr Menschen auf Wasni aufmerksam werden, weil das Team und das Konzept dies verdienen. Außerdem möchte er noch viele Arbeitsplätze für Menschen mit Einschränkung schaffen und wenn „jemand zukünftig von Hoodies spricht, soll er Wasni sagen – wie Tempo und Taschentücher“.
Für Gründer Daniel Kowalewski und die Mitarbeiter ist bereits jetzt ein Traum in Erfüllung gegangen: Das mit viel Einsatz und Herzblut gegründete Unternehmen blüht weiter und die Arbeitsplätze bleiben erhalten.
Schließich hat jeder Unternehmer den Traum, dass sein Lebenswerk erhalten bleibt, und die Arbeitnehmer wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz. Damit beides gelingt, ist viel sorgfältige Vorbereitung und auch ein Quäntchen Glück vonnöten. Auf jeden Fall hilft Ihnen Ihre IHK mit zahlreichen Veranstaltungen, Kontakten und Beratungen. Nehmen Sie gern Kontakt auf zu unseren Nachfolgeberatern.
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