Mehr als 200 Gäste kamen zum Frühjahrsempfang in das GARP Bildungszentrum Nürtingen. © Fotografie Ebinger
Mehr als 200 Gäste kamen zum Frühjahrsempfang in das GARP Bildungszentrum Nürtingen.

Unternehmen haben den Drive: „Da draußen gibt es Leute, die glauben an uns!“

07.Mai 2026 | 6 Min. Lesezeit | Politische Forderungen, Standort |
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Wir bleiben unternehmerisch“ – dieses Motto hat die IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen für ihren Frühjahrsempfang gewählt – und will damit der anhaltenden Kleinmütigkeit in der Gesellschaft, auch unter Unternehmern, etwas entgegensetzen. „Der Ton ist seit langem so negativ“, erklärt Bezirkskammerpräsidentin Vanessa Bachofer. „Da dachten wir es reicht jetzt.“
Leitender Geschäftsführer Christoph Nold, Präsidentin Vanessa Bachofer und Moderator Niklas Ehrentreich (v.l.) © Fotografie Ebinger
Leitender Geschäftsführer Christoph Nold, Präsidentin Vanessa Bachofer und Moderator Niklas Ehrentreich (v.l.)
Gründerinnen und Gründer erfolgreicher Startups berichteten von ihren Erfahrungen. © Fotografie Ebinger
Gründerinnen und Gründer erfolgreicher Startups berichteten von ihren Erfahrungen.

Unternehmertum, so Bachofer, bedeute zuallererst, eine Lösung für ein Problem zu finden, nicht mit Karl Valentin zu klagen: „Die Zukunft war früher auch besser.“ Die IHK helfe den Unternehmen nach Kräften, sich dem Strukturwandel und dem globalen Gegenwind entgegenzustellen, ergänzte Christoph Nold, leitender Geschäftsführer der Bezirkskammer. Als aktuelles Beispiel nannte er ein gemeinsames Projekt der IHK mit dem Landkreis Esslingen, um die Verwaltungsverfahren zu verschlanken und die Entscheidungsprozesse über Bauanträge zu beschleunigen.

Beeindruckende Erfolgsgeschichten aus dem Landkreis

Zu dem Frühjahrsempfang im Nürtinger GARP-Bildungszentrum waren rund 250 Gäste aus der regionalen Wirtschaft, aus beruflichen Schulen, IHK, Landes- und Kommunalpolitik gekommen. Sie erlebten eine spannende Diskussion mit drei Unternehmerinnen und Unternehmer, die im Landkreis beeindruckende Erfolgsgeschichten seit ihrer Gründung bzw. Firmennachfolge geschrieben haben. Niklas Ehrentreich moderierte das Gespräch souverän.

Die Beispiele des Abends hätten gezeigt, so Bachofer, „was aus einer Idee entstehen kann, wenn unternehmerische Beharrlichkeit, ein funktionierendes Ökosystem und ein tragfähiges Netzwerk zusammenwirken“.

In einem „verlassenen Betonbunker“ mit 1800 Quadratmetern im Wald bei Leinfelden-Echterdingen hat Jessica Göthel, den Waldgasthof Schmellbachtal aufgebaut. Hierfür hatte die Gründerin mitten in der Corona-Krise ihre sichere Stelle bei Mercedes Benz aufgegeben. „Die Banken haben nicht juhu geschrien“, erinnert sich Göthel. Aber: „Sie haben uns trotzdem finanziert.“ Dieses Vertrauen sei für das Land und die Region typisch, glaubt die Power-Unternehmerin: „Manchmal muss man einfach machen. Da draußen gibt es Leute, die glauben an uns!“.  Mittlerweile ist der Waldgasthof ein florierender Gastronomiebetrieb mit 60 Mitarbeitern und einem zweiten Standort.

Bürokratie würde Startup-Gründung heute unmöglich machen

Das Ökosystem aus vielen Unternehmen, Startups, Banken und nicht zuletzt der IHK mit  kurzen Wegen zwischen den Akteuren finde man anderswo so nicht, pflichtete Christian Planck bei. Der Geschäftsführer der PolyMedics Innovations GmbH in Kirchheim unter Teck bedauert es deshalb, dass ihn die Bürokratie in der EU und Deutschland zunehmend zwingt, die Zulassungen für neue Produkte, etwa künstliche Haut für Transplantationen, in den USA zu beantragen. Die Anforderungen der europäischen Medizinprodukteverordnung MDR seien mittlerweile so hoch, dass er sein Unternehmen unter diesen Voraussetzungen heute nicht mehr gründen könnte. Dennoch, so Planck,  hätten die Unternehmen der Region nach wie vor „den Drive“: „Jeder einzelne hier verkörpert das.“

„Die besten Ansprechpartner sind hier“, so auch Stefan Eberhard. Geschäftsführer der Energiehelden Academy GmbH in Plochingen, einem Unternehmen, das Handwerker im Umgang mit Solaranlagen weiterbildet. Die Energiehelden kooperieren mit der IHK und mit vielen Bildungseinrichtungen in der Region. „Es hat sich gelohnt, hier zu gründen“, sagt Eberhard.

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Das Gitarren-Duo Danny Li Hughes unterhielt die Besucherinnen und Besucher.

„Was wir hier richtig gut können, ist Netzwerken“, so Präsidentin Bachofer abschließend. „In vielen anderen Ländern Europas gibt es das nicht in dieser Form.“ Jedoch brauche es auch bei Unternehmerinnen und Unternehmern manchmal mehr Biss und mehr Mut. „Es liege zudem sehr viel privates Kapital herum und niemand macht was damit“, bedauerte die Präsidentin. Ein investitionsfreundlicheres Klima könne das ändern: „Vielleicht gelingt uns dann nicht nur die Innovation, sondern wir schaffen es mithilfe privater Investitionen auch mal bis zur Marktreife.“

Die wirksame Umsetzung innovations- und wirtschaftsfreundlicher Rahmenbedingungen , so waren sich auf dem Podium alle einig, sei der Prüfstein für die neue Landesregierung.  „Eine Gründung muss nicht Wochen und Monate dauern“, so Bachofer unter Beifall. „Die im Koalitionsvertrag ausgerufenen 48 Stunden sind ein ambitioniertes, gutes Ziel. Das werden wir einfordern und unterstützen.“ Die Gäste diskutierten anschließend noch lange über die Denkanstöße und die mitreißenden Impulse der Gründerinnen und Gründer.  

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