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Technologietransfer: So kommen Innovationen vom Labor in den Markt
02.Sep. 2026 | 22 Min. Lesezeit | Innovation |Autor: Walter Beck
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Noch immer ist es so, dass viel zu viele Entwicklungen in der Schublade verschwinden,“ sagt Markus Kaden. Das sollte mit den Ergebnissen, die er mit seinem Kollegen Marvin Schneider am DLR in Stuttgart-Vaihingen erarbeitet hatte, auf keinen Fall geschehen. „Wir wollten unbedingt sehen, wie unsere Entwicklung in den Markt kommt.“
Deshalb haben Kaden und Schneider vor gut sechs Jahren alles auf eine Karte gesetzt: Ihr Startup MSquare entwickelt und produziert intelligente Heiz- und Reparaturtechnologien für Faserverbund- und Leichtbauteile. Begleitet wurde die Gründung durch das Transferprogramm des DLR, finanziert vom Impuls- und Vernetzungsfonds (IVF) der Helmholtz-Gemeinschaft, sowie von den Business Angels Region Stuttgart und der Kreissparkasse Esslingen. „Wir waren eines der ersten Startups aus dem DLR in diesem Programm“, sagt Kaden.
„Noch immer ist es so, dass zu viele Entwicklungen in der Schublade verschwinden.“
Startup-Unternehmer Markus Kaden
Heute verdient MSquare gutes Geld – mit Kunden wie Airbus, Lufthansa Technik oder den Windkraft-Konzernen Nordex und Enercon. Zum Portfolio gehören Induktionsheizungen, mit denen sich Bauteile kontrolliert und energieeffizient erwärmen lassen. Die Kunden nutzen die Technologie, um Rotorblätter, Flugzeugkomponenten oder Composite-Bauteile zu fertigen und zu reparieren.
Ein Beispiel: Schäden an Rotorblättern von Windenergieanlagen werden meist mit einem speziellen Kunstharz ausgebessert, das im Normalfall ein bis zwei Tage aushärten müsste, bevor die Anlage wieder in Betrieb gehen kann. Wird die Schadstelle mit Heizmatten gezielt erwärmt, lässt sich die Standzeit auf zwei bis acht Stunden reduzieren, erklärt Kaden. „Bei einer Windenergieanlage mit einem Megawatt Leistung kann sich die Ersparnis auf über 1000 Euro summieren.“
Der nächste Schritt soll gemeinsam mit Industriepartnern getan werden
War die Windenergie anfangs der wichtigste Einsatzbereich, hat sich das Verhältnis mittlerweile gedreht. 70 Prozent der Umsätze erzielt das Startup jetzt mit Kunden aus der Luft- und Raumfahrt – einer Branche mit deutlich anspruchsvolleren Standards. Zum Beispiel müssen Reparaturen hier im Vakuum bei Temperaturen um 180 Grad durchgeführt werden. Kein Problem für Kaden, Schneider und ihre mittlerweile 16 Mitarbeiter, die sich an ihrem neuen Standort Sindelfingen auf 1600 Quadratmeter mehr als verdoppelt haben.
Und neue Entwicklungsschübe stehen bevor: Bei neuen Flugzeuggenerationen hoffen sie, ihre Technologie auch in der Serienfertigung zu etablieren. Schon jetzt liefert MSquare seine Technologie an Kunden weltweit – etwa in Australien, Südafrika, Chile, Indien und den USA. Für den nächsten Entwicklungsschritt setzt Kaden auf die Zusammenarbeit mit Industriepartnern. Diese könnten neue Technologien schneller in die Anwendung bringen.
Die günstige Verkehrslage spricht für den Standort in der Region Stuttgart
„Unser DLR-Netzwerk ist eine große Hilfe“, sagt auch Lukas Werling von der Firma ISPTech aus Ludwigsburg. „Man kennt die Akteure der Branche und erhält Unterstützung bei der Präsentation auf Luft- und Raumfahrt-Kongressen.“ Das Unternehmen ist ebenfalls eine Ausgründung des Forschungszentrums und ging vor drei Jahren an den Start – damals noch am Standort Lampoldshausen im Kreis Heilbronn, wo das DLR unter anderem Antriebe für Ariane-Trägerraketen testet.
Mittlerweile hat ISPTech seinen Sitz im ehemaligen Mann+Hummel-Areal in Ludwigsburg. Beim Standortwechsel in die Region Stuttgart spielte vor allem die günstigere Verkehrslage für die Kunden und mittlerweile rund 50 Mitarbeiter eine Rolle, wie Werling erklärt. Das Unternehmen entwickelt und produziert innovative Antriebssysteme für Raumfahrzeuge – von kleinen „CubeSats“ bis hin zu großen Satelliten, Raumkapseln und Landeeinheiten. Es setzt dabei auf leistungsstarke, kostengünstige und zugleich nachhaltigere Antriebstechnologien auf Basis ungiftiger Treibstoffe – so etwa so genannte HyNOx-Antriebe für kleine Satelliten sowie die HIP-11-Technologie für größere Raumfahrzeuge, das hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid und einen ionischen Flüssigtreibstoff nutzt.
Mehrere europäische Venture-Capital-Fonds sowie das DLR sind am Unternehmen beteiligt, Einnahmen kommen aus Forschungs-Förderprojekten und zunehmend auch aus Aufträgen der Raumfahrtindustrie „Wir arbeiten unter anderem mit großen europäischen Satellitenherstellern zusammen“, sagt Werling. Der 40-Jährige hat am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) Maschinenbau studiert und genau wie sein Mitgründer Felix Lauck später am DLR über Satellitenantriebe promoviert. Jetzt ist er stolz, den anhaltenden Boom der Raumfahrt mitgestalten zu können: „Das war mein Traum von Kindesbeinen an.“
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MSquare in Sindelfingen und ISP-Tech in Ludwigsburg sind nicht untypisch. Viele neue technologische Verfahren kommen über forschungsbasierte Startups in den Markt. Laut Deutschem Patent- und Markenamt haben hierzulande 398 Startups Patente angemeldet, davon sind 367 mit öffentlichen Forschungseinrichtungen verbunden.
Das meiste Risikokapital kommt von außerhalb Europas
Eher die Ausnahme ist, dass die beiden Startups in unserem Beispiel durch deutsche und europäische Investoren finanziert werden. Rund 60 Prozent des Kapitals europäischer Startups kommen nämlich von außerhalb der EU – meist aus den USA aber auch aus kleinen innovativen Nationen wie Israel.
Mangel an Risikokapital wird in fast allen Studien zum Technologietransfer als ein wesentlicher Grund angegeben, warum es bei uns in Deutschland oft so lange dauert, bis mit Patenten Geld verdient wird – und warum die eigentliche Wertschöpfung dann oft anderswo stattfindet. Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben das mittlerweile erkannt, durchforsten Projekte und Abschlussarbeiten nach vermarktungsfähigen Ideen und fördern Ausgründungen in der Frühphase zunehmend auch finanziell.
Forschungseinrichtungen beteiligen sich direkt an Ausgründungen
Über die Helmholtz-Gemeinschaft mit ihren Partnern aus Forschungszentren und Hochschulen werden seit Jahrzehnten Unternehmen bei der Markteinführung innovativer Produkte unterstützt. Das DLR beteiligt sich zudem selbst als Coinvestor gemeinsam mit anderen Kapitalgebern mit bis zu 500.000 Euro direkt an vielversprechenden DLR-Ausgründungen. Zusätzlich hat sich das Forschungszentrum im Frühjahr 2026 am Technologie-Transfer-Fonds (TT49) beteiligt, der gezielt in Startups aus renommierten deutschen Forschungseinrichtungen investiert.
Bei speziellen Matching-Events wie dem „Investor Day“ bringt man zudem Investoren und Gründungsteams zusammen. „Wenn das DLR selbst als Investor auftritt, zeigt das anderen Investoren, dass wir an die Zukunftsfähigkeit der Technologie glauben“, erklärt Oliver Miedaner, Leiter Wirtschaftskooperationen für die Region Süd-West beim DLR. „Das hilft unseren Ausgründungen, auch größere Finanzierungsrunden erfolgreich abzuschließen.“
Manch einer will auch einfach nur forschen
Doch es liegt nicht immer nur am Geld, wenn sich herausragende Wissenschaftler mit der Kommerzialisierung ihrer Erfindungen schwertun. „Es gibt bei uns viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gute Ideen haben, aber einfach nur forschen wollen, und es gibt andere, die sich gern selbstständig machen würden, aber bei der Entwicklung eines passenden Geschäftsmodells Unterstützung brauchen“, sagt Dr. Anke Kovar, Leiterin der DLR-Standorte Süd-West. Deshalb unterstützen Startup-Coaches Ausgründungsteams dabei, aus einer Forschungsidee ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln und Partner und Investoren zu finden. Startups nutzen dabei Technologien aus der DLR-Forschung als Lizenznehmer – die Patente selbst bleiben beim Forschungszentrum. „Das ist eine zwingende Voraussetzung, damit wir weiter forschen können“, erklärt Miedaner.
Für das DLR ist das Thema Technologietransfer so wichtig, dass es 2020 sogar einen eigenen Vorstandsbereich eingerichtet hat. Dabei geht es nicht nur um Ausgründungen, sondern auch um die Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen. „Ein wichtiger Schwerpunkt ist es, mehr Kontakte auch zu kleinen und mittleren Unternehmen aufzubauen“, sagt Kovar. „Viele Mittelständler hatten früher noch nicht auf dem Schirm, dass wir etwas für sie tun können.“ Aber seit viele Unternehmer die Luft- und Raumfahrt als Alternative zur Autoindustrie entdeckt haben, komme man bei Veranstaltungen besser miteinander ins Gespräch – zum Beispiel bei der IHK.
„Bei Netzwerktreffen ergeben sich sehr
Stefan Prakesch, Inhaber der Umwelttechnik-Firma
oft interessante Kontakte.“
Aris in Wernau
Kleine und mittlere Unternehmen sollten versuchen, auf Veranstaltungen und Netzwerktreffen den Kontakt zu Wissenschaftlern zu suchen, findet auch Stefan Prakesch. Der 59-jährige Chef der Aris GmbH in Wernau beteiligt sich gerne an Forschungsnetzwerken des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM), sofern das Thema einen Berührungspunkt mit seinem Geschäft hat – dem Regenwasser-Management und der Reinigung schwach belasteter Abwässer.
ZIM-Netzwerke werden meist auf Initiative von Stiftungen oder Förderberatungsunternehmen eingerichtet, die dann versuchen, Unternehmen und Wissenschaftler an einen Tisch zu bringen. „Dabei ergeben sich sehr oft interessante Kontakte“, weiß Prakesch. „Selbst dann, wenn das eigentliche Thema erst nicht so vielversprechend erscheint.“
Bei einem Treffen sollte es zum Beispiel um die Entfernung von Stickstoff aus Boden und Grundwasser gehen. Prakesch kam jedoch mit Dr. Jamal Sarsour vom Deutschen Institut für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf über ein ganz anderes Thema ins Gespräch. Beide dachten darüber nach, wie sich die Wiederaufbereitung von so genanntem Grauwasser verbessern lässt. Grauwasser ist leicht belastetes Abwasser, etwa aus der Dusche oder aus Waschmaschinen, das nach entsprechender Reinigung für die Toilettenspülung, zur Gartenbewässerung oder zum Waschen wiederverwendet werden kann, und macht 50 bis 80 Prozent der häuslichen Abwässer aus.
Neue Anlage erzielt gleiche Leistung – und ist 40 Prozent kleiner
Normalerweise bestehen Grauwasser-Reinigungsanlagen aus einem so genannten Wirbelschicht-Bioreaktor, in dem das Abwasser belüftet und durch die Aktivität von Bakterien gereinigt wird, und aus einer Membran zur anschließenden Filtration und Sterilisation. Die Anlagen nehmen viel Raum in Anspruch und können leicht beschädigt werden, wenn falsche Substanzen ins Abwasser gelangen. Dies setzt ihrem Einsatz in Schulen, Mietshäusern und Unternehmen bisher enge Grenzen.
Im Rahmen eines ZIM-Förderprojekts entwickelten Prakesch und Sarsour eine neuartige Grauwasseraufbereitung, in der die reinigenden Bakterien auf einer dreidimensionalen Struktur siedeln. Die Sterilisation erfolgt über UV-Strahlung. Dadurch kann mit einer rund 40 Prozent kleineren Anlage die gleiche Reinigungsleistung erreicht werden. Der Wartungsaufwand ist deutlich geringer und die Anlage wird überdies deutlich flacher und wartungsärmer. Dadurch kann sie selbst auf bislang ungenutzten Flächen wie Tiefgaragendächern oder Fassaden installiert werden.
Seit 2024 ist die Entwicklung marktreif und die neuartige Anlage arbeitet im Demonstrationsbetrieb. Für Stefan Prakesch ist es allerhöchste Zeit, dass sich die Grauwassernutzung auch in Baden-Württemberg endlich durchsetzt. „Anderswo ist man schon viel weiter. Je etwa ein Viertel unserer Anlagen installieren wir in London und Berlin, aber auch in Frankreich und Polen ist das Interesse groß.“
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Der Anstoß kam von Polar- und Meeresforschern
In einem ganz ähnlichen Bereich ist Wolftechnik Filtersysteme tätig. Das Familienunternehmen mit gut 40 Mitarbeitern in Weil der Stadt hat sich auf technisch anspruchsvolle Filtrations- und Fluidtechniklösungen für industrielle Prozesse spezialisiert und wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Die Kunden kommen aus der Chemie-, Automobil- und Lebensmittelindustrie, der Umwelt- und Automatisierungstechnik sowie aus Zukunftsfeldern wie Flüssigkeitskühlung, Rechenzentren und Ladeinfrastruktur.
Vor ein paar Jahren staunte Inhaber und Geschäftsführer Peter Krause nicht schlecht über eine Anfrage aus Helgoland. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung wollte die Verbreitung von Mikroplastik in den Ozeanen untersuchen – und benötigte geeignete Spezialfilter, die es so noch nicht gab.
In Zusammenarbeit mit den Helgoländer Wissenschaftlern sowie Professor Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen entwickelte Wolftechnik ein mehrstufiges Filtersystem aus Edelstahl, das die Probe nicht durch eigenen Kunststoffabrieb verfälscht und Mikroplastik verschiedener Größenklassen zuverlässig auffängt. Zugleich wurde ein passender Probenahme-Standard definiert.
„Das ist mehr als ein Prestige-Objekt“, versichert Krause. „Es bietet uns ganz konkreten wirtschaftlichen Nutzen.“ Das Institut hat die neue Probenentnahmetechnik nämlich nicht nur auf seinen Polarschiffen installiert, sondern erwägt auch, Kreuzfahrtschiffe weltweit damit auszustatten. Auf diese Weise hoffen die Wissenschaftler, ein umfassendes Bild über die Belastung der Meere mit Mikroplastik zu erhalten.
Erfolgreiche Projekte machen Unternehmen in der Wissenschaft bekannt
Dass sich Wolftechnik mit der Kooperation einen Namen gemacht hatte, wirkte als Türöffner bei anderen Forschungseinrichtungen, die sich mit Mikroplastik beschäftigen. So entwickelt das Unternehmen derzeit gemeinsam mit dem Institut für Sensor- und Aktor-Technik der Hochschule Coburg ein System zur Abscheidung von Mikroplastik aus dem Ablauf von Waschmaschinen – damit soll schon an der Quelle verhindert werden, dass die umweltschädlichen Partikel aus Synthetik-Kleidung überhaupt in die Abwässer gelangen. Werden die im Rahmen eines ZIM-Projektes beantragten Mittel bewilligt, haben Krause und seine Forschungspartner zweieinhalb Jahre Zeit, um zu einem marktfähigen Produkt zu gelangen.
„Technologietransfer heißt für uns auch, neue Anwendungen so in die Praxis zu bringen, dass sie robust, wirtschaftlich und für den Anwender nachvollziehbar sind“, fasst Krause zusammen. Wichtig ist ihm dabei, dass sein Unternehmen viele Innovationen auch ohne Forschungspartner auf den Markt bringt – so etwa eine „smarte Filterbox“, die Daten aus dem Filterbetrieb visualisierbar, auswertbar und speicherbar macht. Oder die Reinigung der so genannten „Schlickermasse“ zur Beschichtung von Elektrodenbändern bei der Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien.
Derzeit beschäftigen sich Krause und seine Leute mit einem weiteren Zukunftsfeld: Reinstwassergewinnung für die Elektrolyse. Grüner Wasserstoff entsteht, indem Wasser mithilfe erneuerbarer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Für diesen Prozess benötigen Elektrolyseure Wasser von sehr hoher Reinheit.
Manchmal kommen beide Innovationspartner aus der Wirtschaft
Nicht immer braucht es also die Expertise von Partnern aus der Wissenschaft, damit ein kleines oder mittleres Unternehmen wirklich innovative Produkte auf den Makt bringt. Dass die SAS-Tec-GmbH in Markgröningen heute mehr als 80 Prozent ihrer Produkte mit hochdämpfendem Polyurethan-Schaum aus Pflanzenölen herstellt, ist der Zusammenarbeit mit einem familiengeführten Kunststoffhersteller aus Baden-Württemberg zu verdanken.
SAS-Tec lässt bei Partnern in Lettland, Ungarn und Indonesien so genannte Protektoren herstellen, das sind Schutzelemente, die am Körper getragen oder in Kleidung integriert werden, um Verletzungen bei Stürzen oder Aufprällen zu reduzieren.
Technologietransfer: Forschung trifft Mittelstand
Die IHK Region Stuttgart unterstützt Unternehmen bei der ersten Einordnung von Forschungs-, Entwicklungs- und Technologietransfer-Vorhaben. Gemeinsam lässt sich klären, welche Kompetenzen benötigt werden und welche Hochschulen, Forschungsinstitute, Labore, Netzwerke oder Unternehmen als Partner infrage kommen. Je nach Fragestellung gibt die IHK zudem Hinweise zu Fördermöglichkeiten und weiteren Anlaufstellen.
Mehr Info und Unterstützung zum Technologietransfer bei der IHK Region Stuttgart
Holger Hertneck, der das Unternehmen gemeinsam mit Firmengründer Helmut Faidt führt, sieht SAS-Tec als den „Ferrari“ der Branche. Beliefert werden rund 2000 Kunden aus 70 Ländern mit rund 1000 verschiedenen Produkten. Den Schwerpunkt bilden Hersteller von Motorradkleidung – Hertneck arbeitete selbst viele Jahre für die Stuttgarter Fachzeitschrift „Motorrad“. Daneben werden aber nahezu alle Sportarten mit Protektoren versorgt – von Mountainbike über Ski und bis zu Rugby und Kite-Surfen. Auch im Arbeitsschutz, in der Medizin und beim Militär sind die Produkte der Markgröninger gefragt.
Für Schutzelemente gibt es einen riesigen Markt
Holger Hertneck ist stolz darauf, die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe gemeinsam mit einem Lieferanten aus eigener Kraft geschafft zu haben – keine geringe Leistung für ein Unternehmen mit zehn Millionen Euro Jahresumsatz und einer Handvoll Beschäftigter. Trotzdem verschmäht er durchaus nicht die Zusammenarbeit mit Experten aus der Forschung.
Das zeigt die Zusammenarbeit mit Professor Jörg Fehr vom Institut für Technische und Numerische Mechanik (ITM) an der Universität Stuttgart im Rahmen des Forschungsprojekt „Sicheres Motorrad“. Darin wurde untersucht, welches Potenzial so genannte auxethische Materialien für den Einsatz in Protektoren haben. Das sind speziell geformte Gitter- oder Wabenstrukturen, die sich beim Dehnen ungewöhnlich verhalten, weil sie sich quer zur Belastungsrichtung ausdehnen statt zusammenzuziehen. Dadurch können sie Aufprallkräfte besonders gut aufnehmen und verteilen.
„Es war von vorneherein klar, dass das nichts für den Massenmarkt ist“, sagt Hertneck. Dafür sind auxethische Strukturen zu teuer, da sie praktisch nur durch 3-D-Druck hergestellt werden können. „Interessant ist der Einsatz aber in der Medizin, im Rennsport, oder bei Sicherheitskräften und Militär.“ Hüftprotektoren sowie Hand- und Knöchelschützer für geschiente Gliedmaßen verkauft das Unternehmen in sechsstelligen Stückzahlen.
„Das kostet nicht viel Geld, macht uns bekannt und die Leute freuen sich“
Holger Hertneck, von der Markgröninger SAS-Tec GmbH über die Förderung von Master- und Doktorarbeiten
Einige Forschungsprojekte hat SAS-Tec immer laufen – manchmal länger angelegte Förderprojekte, manchmal Master- oder Doktorarbeiten. Auch wenn dabei nicht immer etwas Verwertbares herauskommt, engagiert sich Hertneck hier gern. „Das kostet nicht viel Geld, macht uns bekannt und die Leute freuen sich.“ Nur um die Bürokratie sollen sich die Projektpartner kümmern: „Als kleines Unternehmen haben wir nicht die Zeit, aufwändige Forschungsanträge zu bearbeiten.“
Das dürfte allen innovativen Unternehmern so gehen, die wir in unserem Artikel vorgestellt haben. Sie wissen aber auch: Ohne die Begegnung von Wissenschaft und Wirtschaft würden viele Innovationen nie entstehen.
Walter Beck ist Redaktionsleiter von mawi-on und Magazin Wirtschaft.