© Snap Studios
Stuttgarter Fotostudio findet Rezept für die Nachfolge
23.Juni 2026 | 5 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Nachfolge |Autor: Walter Beck
Als er sich zur Übergabe entschloss, hatte Pfisterer sein Studio schon fast 40 Jahre erfolgreich geführt. Nach der Lehre bei einem der bekanntesten Food-Fotografen Deutschlands im bayerischen Füssen und nach einem preisgekrönten Abschluss an der Hamburger Meisterschule wagte er 1984 den Schritt in die Selbstständigkeit. Gleich auf Anhieb gewann der Endzwanziger damals den Lebensmittelkonzern Knorr als größten Kunden. Vom ursprünglichen Sitz in Bietigheim verlegte Pfisterer sein Unternehmen zunächst nach Ludwigsburg. 2010 fanden die Snap Studios schließlich ihren heutigen Platz auf 1000 Quadratmetern in Stuttgart-Hallschlag.
Pfisterer wusste früh, dass die Nachfolge nicht innerhalb der Familie stattfinden würde. Mit 12 und 17 Jahren sind seine Kinder noch jung, der ältere Adoptivsohn hat sich für eine Karriere in der Finanzwelt entschieden. „Ich würde niemals von meinen Kindern erwarten, dass sie die Firma übernehmen“, sagt Pfisterer. „Zur Selbstständigkeit gehört ein innerer Drang – den kann man nicht verordnen.“
Damit war der Blick frei für eine Lösung außerhalb der Familie. Und die lag nahe. Johanna Gollob trug bereits Verantwortung, führte die Mietstudios und kannte Betrieb, Kunden und Kostenstrukturen aus dem Effeff. Die Nachfolge war kein Experiment – sondern die Konsequenz einer jahrelangen Zusammenarbeit.
Es sollte ein Abschied ohne Hintertür sein
Eigentlich sollte die Übergabe schrittweise erfolgen. Doch kleine Unternehmen funktionieren anders als Konzerne. Mit vier Mitarbeitern, kurzen Wegen und eng verzahnten Aufgaben ist ein Nebeneinander von Alt und Neu schwer durchzuhalten. Hinzu kam Pfisterers private Situation: der Tod der Mutter, ein pflegebedürftiger Vater.
„Ich war ein viertel Jahr kaum im Betrieb – das geht in solch einem Unternehmen schlicht nicht“, sagt Pfisterer. Die Entscheidung fiel deshalb klar und schnell: Übergabe in einem Schritt. Rückblickend hält er das für goldrichtig. „Sonst würde ich wahrscheinlich heute noch wie mit Pattex an meinem Stuhl kleben.“
„Wer nicht kompromissfähig ist und nicht nach einer tragfähigen Lösung sucht, muss dabei zusehen, wie sein Lebenswerk kaputtgeht“
Senior-Unternehmer Walter Pfisterer
Für Johanna Gollob kam der Zeitpunkt nicht zu früh. Mit 42 Jahren fühlt sie sich gut gerüstet. „Der Zeitpunkt ist bei einer Übernahme entscheidend“, sagt sie. „Man braucht genug Erfahrung, um Risiken einschätzen zu können – und gleichzeitig genug Energie, um Neues anzustoßen.“ Entscheidungen trifft sie weniger aus dem Bauch als ihr Vorgänger, dafür strukturierter. Der Betrieb bleibt, der Führungsstil verändert sich.
Eine solche Übergabe funktioniert nicht ohne gegenseitiges Entgegenkommen. „Wer nicht kompromissfähig ist und nicht nach einer tragfähigen Lösung sucht, muss dabei zusehen, wie sein Lebenswerk kaputtgeht“, sagt Pfisterer. Er hat sich bewusst zurückgezogen – und hält Distanz.
Zusammenarbeit statt Zwist – nur so funktioniert der Übergang
Dass ihm das gelingt, liegt auch daran, dass der Abschied kein Stillstand ist. Mit Ende 60 hat Pfisterer erneut gegründet: ein Catering-Unternehmen, in dem der bekennende Bewunderer des Gastro-Kritikers Wolfram Siebeck seine alte Leidenschaft für hochwertige Lebensmittel auslebt. Das Unternehmertum hat ihn nicht losgelassen – nur die Bühne hat gewechselt.
Die Snap Studios gehen ihren Weg unter neuer Leitung weiter. Nicht als Bruch, sondern als Übergang mit klarer Zuständigkeit. Die Nachfolge ist gelungen, weil beide Seiten den richtigen Moment erkannt haben. Und weil ein günstiges Geschick zu Hilfe kam. Pisterer: „Wir haben jede Menge Glück gehabt!“
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