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Helena Wieland zeigt ein Turbanhandtuch.

StartUp sagt Haarbruch adé

05.Jan. 2026 | 5 Min. Lesezeit | Aus den Unternehmen |
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Sie hatte jahrelang Frizz und Haarbruch – und fand weder im Drogerieregal noch im Internet eine Lösung. Warum eine Unternehmerin aus Geislingen daraufhin ein völlig neues Material entdeckte, internationale Partner überzeugte und mit 55 ein nachhaltiges StartUp gründete – eine Geschichte über Hartnäckigkeit, Innovation und schönen Schlaf.

Helena Wieland hat die Haare schön. Das war nicht immer so. Jahrelang litt die Frau aus Geislingen an Haarbruch und Frizz. Und obwohl das nach Studien fast die Hälfte aller Frauen betrifft, fand sie kein Mittel dagegen: Nicht in der Abteilung für Haarpflegeprodukte und auch nicht im Internet. Da werden zwar allerlei Hauben und Kissenbezüge angeboten, doch entweder sind sie aus Polyester oder aus Seide.

Beides kam für Wieland nicht in Frage: „Bei Polyester schwitzt man und es ist Plastik pur, und wie Seide hergestellt wird, aus Raupen, die lebendig gekocht werden, da kann ich nicht dahinter ­stehen“, erzählt sie.

Bei ihrer Recherche stieß sie auf eine ­Expertin aus Bayern, die sie mit der japanischen Asahi Kasei zusammenbrachte. Die stellt als einzige Firma weltweit Bemberg Cupro her. „Ein hammertolles Material“, ist Wieland begeistert. Es sei nicht nur glatter als jede Seide und verursache deshalb so gut wie keine Reibung – es wird auch aus Baumwoll-Linter gewonnen, den feinen Fasern, die bei der Baumwollverarbeitung übrig bleiben. Hinzu kommt, dass es in einem „Closed Loop“, einem geschlossenen Kreislauf produziert wird. Am Ende des Lebens­zyklusses lässt es sich sogar kompostieren.

Als Wieland das für sie perfekte Material gefunden hatte, begann das ­Designen. „Das war schon eine Master-Aufgabe! Sehr, sehr viel Prototypen habe ich mit Schneiderinnen entwickelt, bis wir das perfekte Bonnet hatten, das nicht drückt und nicht rutscht“, erinnert sie sich.

Asahi Kasei hat in Mailand eine Niederlassung. Dort stellte Wieland ihr Projekt vor, denn das Material kann man nicht einfach so kaufen. Die Japaner fanden die Idee cool und stellten den Kontakt zu der Firma im türkischen Bursa her, die ihr Cupro weiterverarbeitet.

Auch dort stieß Wieland auf Begeisterung und war auch selber begeistert – von der hypermodernen Fabrik und vom freundlichen und hilfsbereiten Team. Zusammen spezifizierten sie das Material und wählten drei Farben. Die Türken sicherten ­Wieland zu, den Stoff exklusiv für sie zu produzieren und die Produkte auch zu nähen. „Die beliefern ­Firmen wie Balenciaga – dagegen sind wir winzig klein“, staunt sie.

Diese Zusage war dann der Punkt, wo sie sich entscheiden musste, „mache ich es oder mache ich es nicht“, erzählt Wieland. Einerseits sei sie schon 55, ­anderseits nicht der Typ, der in dem ­Alter schon an die Rente denke. Doch wie schwer es ist, eine Firma aufzubauen, „durch- und auszuhalten“, das wusste die gelernte Bürokauffrau von „Nachtwaechter“. So heißt das Unternehmen, das ihr Mann vor zehn Jahren gründete und das inzwischen erfolgreich Anti-Schnarch-Equipment verkauft.

Einen entscheidenden Schritt brachte der Gang zur IHK. „Die Beraterin Stefanie Suppan hat meinen Businessplan wirklich gründlich analysiert und mir ein super Feedback gegeben“, erzählt Wieland dankbar. Klar wurde aber auch, dass Startkapital nötig sei, nachdem die Entwicklung vollständig selber finanziert war.

Die IHK vermittelte einen Termin bei der L-Bank. Eigentlich super, doch die Gesprächspartner waren beides Männer…
Es half, dass einer der Banker das Pro­blem von seiner Frau kannte, und auch die Sparkasse fand das Konzept schlüssig. „Aber den letzten Schritt muss man allein gehen!“, war Wieland klar. Und: Trotz perfekter Planung, ein Risiko bleibt.

Ein Markteintritt ist heute dank Internet und Social Media vielleicht leichter als früher, aber es kommen viele Kosten auf einen zu, mit denen man erst einmal gar nicht rechnet: „Hier eine App, da eine App, Anzeigen schalten – da kommt eins zum anderen“, erzählt Wieland. Auch hat sie ein kleines Video- und Fotostudio eingerichtet und beschäftigt eine Vollzeitkraft, um auf Social Media präsent zu sein.

Um möglichst viel selber machen zu können, absolvierte Wieland parallel zur Gründung eine halbjährige KI-Weiter­bildung. Das macht ihren Arbeitseinsatz effizienter. Seit Oktober ist Qupro nun auf dem Markt. Neben den Bonnets gibt es ­Kissenbezüge, Scrunchies und Turban-Handtücher.

Noch viel mehr Ideen hat die Gründerin, zum Beispiel für Neurodermitis-Patienten oder Babys. Schon jetzt kommen jeden Tag Bestellungen über Amazon, „obwohl wir preislich im Premiumsegment liegen“. Besonders stolz ist sie, die sehr strengen Aufnahme­bedingungen für den Avocado-Store ­geschafft zu haben.

Dr. Annja Maga, Redaktion Magazin Wirtschaft

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