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Anton Kismann am Start zum nächsten Patienten.

Startup-Geschichten: Eine Branche mit Zukunft

19.Feb. 2026 | 5 Min. Lesezeit | Aus den Unternehmen, Start-Ups |
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„Macht nichts, das Geschäft geht uns nicht aus.“ Mit diesem Satz begrüßt Anton Kismann in Eislingen – und trifft damit den Nerv einer Branche mit Zukunft. Doch hinter dem schnellen Erfolg seines neu gegründeten Pflegedienstes steckt mehr als nur ein guter Ruf. Zwischen 30.000 Euro Startinvestition, Hürden bei der Zulassung und skeptischen Bankgesprächen kämpfte sich der 30-Jährige durch ein echtes Henne-Ei-Problem. Jetzt. nur wenige Monate nach dem Start, versorgt sein Team bereits 70 Patienten – und denkt längst größer.

„Macht nichts, das Geschäft geht uns nicht aus“, sagt Anton Kismann, als wir für unsere aktuelle Startup-Geschichte ein paar Minuten zu spät in seinem Büro in Eislingen eintreffen. Klar, Pflegedienste sind eine Branche mit Zukunft. Erst recht im ländlichen Raum, wo sich die weiten Fahrten für große Anbieter oft nicht rechnen. Kismann, gelernter Altenpfleger mit „allen Fortbildungen, die es so gibt“ und langjähriger Erfahrung in verantwort­licher Position, stieß mit seiner Neugründung also in eine Marktlücke.

Doch wer jetzt denkt, er musste nur ein Auto leasen, ein Firmenschild draufkleben und los ging‘s, der irrt, und zwar gewaltig. Um einen Pflegedienst mit den Kassen abrechnen zu können, braucht man nämlich ein Institutionskennzeichen (IK). Das gibt es wiederum nur, wenn man mit unterschriebenen Arbeitsverträgen nachweisen kann, dass man mindestens drei Fachkräfte in Vollzeit beschäftigt.

De facto bedeutet das, dass man bis zur Zulassung schon Gehälter zahlen muss – ohne einen Cent einzunehmen. Und weil der 30-Jährige sein Unternehmen so digital wie möglich aufstellen wollte, musste er für die Software plus IT-Ausstattung 30.000 Euro berappen. Wer hat mit 30 solch ein Polster auf der hohen Kante? Eben!
Kismann brauchte also einen Geldgeber, wofür die ­L-Bank zuständig ist. Bedingung ist, dass man ­einen belastbaren Business-Plan vor­weisen kann.

Hier kommt Katrin ­Kümmerle ins Spiel. ­Die Unternehmensberaterin, die schon einige Gründungen begleitet hat, kannte Kismann um zwei Ecken. Sie half ihm beim Aufstellen des Businessplans, mit dem ­beide zur Hausbank gingen, die für die Ausreichung der L-Bank-Kredite zuständig ist. Kümmerle „staunte Bauklötze“ als der Bankberater in Anbetracht der Anfangsinvestitionen meinte, „da können Sie ja gleich Insolvenz anmelden“.

Ein Henne-Ei-Problem, denn ohne Geld kein Unternehmensstart und ohne Unternehmensstart kein Geld! Die Lösung: eine GmbH, in die Kümmerle mit 30 Prozent einstieg. Gebürgt wurde privat.

Am 15. Juli war dann endlich der Gewerbeschein da – und die ersten fünf Kunden: „Die hatten extra auf uns gewartet“, erzählt Kismann, denn sie kannten ihn bereits aus seiner vorherigen Tätigkeit.

Der Rundumblick, den er als Angestellter mit Führungsverantwortung in Heimen und im Pflegedienst gewonnen hatte, war es auch, der ihn bewog, ein eigenes ­Unternehmen zu gründen: „Wenn ich das alles für andere schaffe, dann kann ich es auch für mich selbst“, sagte er sich.

Die zwölf Mitarbeiter und 70 Patienten, die er ein reichliches halbes Jahr nach ­Firmengründung schon hat, reichen ihm dabei längst nicht aus: „Wir haben bei der GmbH-Gründung gleich ganz groß gedacht“, erzählt er und spricht von einer Residenz, einem Altenheim oder Betreutem Wohnen. Das alles kann er sich für die Zukunft vorstellen.

Die Kunden gehen jedenfalls so wenig aus wie die Arbeit. Schon jetzt erhält das junge Unternehmen „verzweifelte Anrufe von Angehörigen oder Krankenhäusern, die dringend Betreuung suchen“. Die Flyer und die Kennenlern-Anrufe in Praxen der Umgebung wären also gar nicht nötig. Überhaupt hat der Name „Kismann“ rund um Eislingen in der Branche einen guten Klang, denn auch seine Mutter und seine Frau sind in der Altenpflege tätig.

Kismann ist Altenpfleger mit Leib und Seele – schon seit er in der 9. Klasse ein Praktikum machte: „Ich arbeite gern mit Menschen, und jeder Tag ist anders“, erklärt er. Allerdings bringt die Eigenschaft als Chef es mit sich, dass er die eigentliche Pflege nur noch betreibt, wenn er für ­einen Mitarbeiter einspringt.

Trotz aller Anfangsprobleme: Die Bilanz kann sich sehen lassen: am 1. Januar 2025 begannen die Planungen, am 1. Juli war Notartermin und nach vier Monaten bereits der Break Even erreicht. Und nicht nur Chef und Patienten sind zufrieden, sondern auch der medizinische Dienst, der gerade da war: „Er hat alles sehr gelobt“, berichtet Kismann stolz.n sind oft die besten Unterstützer – auch für Ihre betriebliche Ausbildung.

DR. ANNJA MAGA
IHK Region Stuttgart

Hier erfahren Sie, wie die IHK Region Stuttgart Sie bei der Unternehmensgründung unterstützt

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