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Startup-Geschichten: Bezug zum Zug
12.Mai 2026 | 5 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Start-Ups |Autor: Dr. Annja Maga
Heutzutage sitzt man ja oft länger im Zug als geplant und vom Fahrplan versprochen. Da möchte man es doch zumindest bequem und sauber haben. Bequemlichkeit versprechen die Kopfkissen, die in den ICEs an den Sitzen befestigt sind. Aber sauber? Wenn schon zahllose Reisende vor einem dort gesessen haben?
Das Problem plagte auch Stefan Hoeflich. Jeden Tag pendelt er von Stuttgart nach Mannheim. „Einfach unappetitlich fand
er das“, erzählt seine Frau Johanna. Sie konnte das verstehen, weil sie früher selbst oft pendeln musste. Das Paar surfte im Internet – da musste es doch etwas zu kaufen geben. Aber Fehlanzeige!
Alle machen KI, Ihr macht Kissenbezüge!
Weil Johanna Hoeflich einen Nähkurs absolviert hatte, als die beiden Kinder klein waren, kam sie auf die Idee, selbst eine Lösung zu entwickeln. Die nächsten Tage konnte man ihren Mann im Mannheim-ICE beobachten, wie er die Kissen vermaß. Wie reagierten die Mitreisenden? „Erstaunlicherweise haben sie höchsten mal geguckt. Aber so früh morgens, da macht jeder sein Ding“, erzählt Johanna Hoeflich.
Anhand der ermittelten Maße entwickelte die 41-Jährige abends Schnittmuster auf den Zeichenblöcken der Kinder. Die Prototypen, die daraus entstanden, unterzog Stefan Hoeflich morgens dem Praxistest. Wie bei Chanel wurde es dann die Nummer fünf, die „Version Spannbettlaken“.
Bei Treffen mit Freunden und Bekannten gaben Hoeflichs die Story zum Besten. Doch zu ihrer Überraschung ernteten sie nicht nur die erwarteten Lacher, sondern jede Menge Bestellungen. „Das könnten andere Leute auch gut finden“, sagten sie sich. So entstand die Geschäftsidee.
Lange grübelten die Stuttgarter über den passenden Namen für ihr Produkt. Etwas wie „zu Hause“, „gemütlich“, „hygienisch“ sollte man damit verbinden. Bis ihnen aufging, dass die Produktbezeichnung eigentlich schon der ideale Name ist: „Be-zug“. Im November 2025 gründeten sie das Unternehmen beZUG UG. Selbst Nähen, das kam nicht in Frage. Deshalb suchten sie nach einer deutschen Lohnnäherei. Doch alle, die sie anfragten, hatten monatelange Wartezeit. Schließlich wurden sie in Tschechien fündig.
Damit Nachahmer nicht auf dumme Gedanken kommen, hat die junge Firma ein Gebrauchsmuster für „waschbare, wiederverwendbare Bezüge für ICE-Kissen“ offiziell angemeldet.
Johanna Hoeflich hat Wirtschaftswissenschaften in Hohenheim studiert. Seit 15 Jahren arbeitet sie im Marketing: „Das ist zwar die Maschinenbau- und Elektro-technikbranche, aber Marketing ist Marketing“, erklärt sie.
Erst startete Hoeflich mit einer Google-Kampagne, die jedoch nicht so gut lief. „Aber jetzt sind wir auf LinkedIn und das kommt erstaunlich gut an“, erzählt die Gründerin. Viele Kommentare verzeichnen ihre Posts, fast ausschließlich positive. „Alle machen KI, Ihr macht Kissenbezüge“, gefiel ihr besonders. Und noch besser findet sie, dass viele der Kommentare Verkäufe generieren.
Inzwischen hat die Gründerin Bahnhofsbuchhandlungen angeschrieben, die ja meist Reisezubehör im Sortiment haben. Ihr Wunsch wäre, wenn größere Firmen den Bezug als Give-Away in großer Stückzahl ordern würden. Von einem Beratungsunternehmen, das schon das nächste Weihnachten im Blick hat, wurde sie bereits kontaktiert.
Noch gibt es nur eine Farbe, ein neutrales Grau. Eine zweite soll hinzukommen. Das will aber gut überlegt sein: aus den 100 Metern – das ist die Mindestabnahmemenge für den Stoff – werden 500 Bezüge genäht. Die wollen erst einmal verkauft werden. Da alles selbst finanziert ist, muss die Investition gut überlegt werden. Aber natürlich wäre es ein Traum, irgendwann einmal davon leben zu können und das Unternehmen vielleicht sogar an die Kinder weiterzugeben. Dann sind die Züge aber hoffentlich wieder pünktlich!
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