© IHK/Maga
Startup-Geschichten: Back dir deine Zukunft
18.Sep. 2026 | 6 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Start-Ups |Autor: Dr. Annja Maga
© Maga/IHK
GenZ, das sind doch die, die selbstbewusst behaupten, dass sie für das Konzept Arbeiten nicht geschaffen sind…, oder? Melina Zaiser, Jahrgang 2007, nerven solche Sprüche. Die junge Startup-Frau ist der lebende Beweis dafür, dass das ein Vorurteil ist.
Im August 2025 wurde die junge Frau aus Köngen volljährig. Im selben Monat meldete sie ihre erste Firma an: „Vorher hätte ich zum Familiengericht gemusst, das wollte ich mir nicht antun“, lächelt sie.
Dann ging sie gleich in die Vollen: Sie kaufte einen PKW-Verkaufsanhänger und baute ihn in Eigenleistung zu einer fahrbaren Küche um. Herzstück und ihr ganzer Stolz ist der Holzbackofen. „Das ist ja ein Lebewesen“, lächelt sie und tätschelt das 300 Grad heiße Gerät liebevoll, als wir sie am letzten Schultag vor dem Mörike-Gymnasium in Esslingen treffen.
Gleich werden Lehrer und Schüler auf den Hof stürmen und sich die leckeren Dätscher schmecken lassen, die im Ofen brutzeln. Das Thermometer zeigt 38 Grad – auf dem Pausenhof, nicht neben dem Ofen. Doch Zaiser können Hektik und Hitze nichts anhaben. Nur die Ponyhaare auf der Stirn kräuseln sich etwas.
Ihr eigener Schulschluss liegt gerade mal fünf Wochen zurück: Anfang Juli machte sie am Agrarwissenschaftlichen Gymnasium in Nürtingen Abitur. Zum Zeitpunkt der Firmengründung hatte sie also gerade die zwölfte Klasse hinter sich. Woher nahm sie die Zeit? „Als ich auf die Fritz-Ruoff-Schule gewechselt bin, hatte ich G9 statt G8“, erzählt sie, „da hatte ich genug Zeit“.
Zum Glück musste sie mit der Planung der eigenen Firma nicht bei null beginnen, denn mit Geschäftsideen befasste sich Zaiser, seit sie 13 Jahre alt war: „Da habe ich meinen ersten Businessplan geschrieben.“ Eine Gänsekükenzucht war ihre erste Idee.
Überhaupt die Landwirtschaft. Ihre Eltern betreiben nebenberuflich eine kleine Brennerei in Köngen. Tochter Melina fand das schon immer faszinierend, „weil man zugucken kann, wie etwas entsteht, „das einen Mehrwert hat“.
Viele Ideen tüftelte sie in ihrem Kinderzimmer aus. Mit jeder wurde der Businessplan besser. Ihr Lieblingscoach und schärfster Kritiker dabei: der Papa. Genauso wie Mutter und Oma unterstützt er den Selbständigkeitsdrang seiner Tochter von Anfang an.
Das ist ja ein Lebewesen!
Melina Zaiser über ihren Holzbackofen
Wichtiges Thema bei den Vater-Tochter-Gesprächen war das Startkapital. Zaiser trug Prospekte aus und half in einer Metzgerei aus. Den Verdienst legte sie klug an. Für einen professionellen Verkaufswagen reichte das trotzdem nicht. Da half das Darlehen der Eltern. Wohlgemerkt ein Darlehen: „Das muss ich zurückzahlen!“
Auf die Idee mit dem Holzofen kam sie, weil ihre Eltern selbst einen besitzen. Die Rezepte für die Dinkedätscher, die Hefeteigschnecken, das Brot und die „Weckla“, die sie darin backt, hat sie selbst entwickelt. Ebenso die Ofengerichte wie Haxen oder Pulled Pork. Wichtig ist der jungen Frau, dass regionale Zutaten verwendet werden und die Gerichte „live“ gebacken werden. Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass Zaiser den – nach ihrem Rezept gefertigten Teig – von einem Esslinger Bäcker bezieht.
„Zaisbeck“ wie auf dem Wagen zu lesen ist, steht auf Märkten aber auch bei Firmenfeiern oder Familienfesten. Man kann ihn schon für kleine Runden buchen, wenn man seinen Gästen Erlebnisgastronomie mit echtem Holzfeuer bieten möchte.
Klingt alles nach einer streng fokussierten Jung-Unternehmerin ohne Freunde und Hobbys. Das Gegenteil ist der Fall: Zaiser ist von einer so ansteckenden Lebensfreude, dass sie nicht nur ihre Freunde, sondern auch den kleinen Bruder für ihre Ideen begeistert. Die halfen und helfen nicht nur beim Ausbau des Wagens, sondern auch beim Backen und Verkaufen.
Sogar Zeit für ihr ehrenamtliches Engagement als Jungscharleiterin bringt die junge Frau noch auf. Und immer ist es dasselbe Thema, das sie bewegt: einen Mehrwert zu schaffen, der Menschen Freude bringt.
Um das Geschäft auf dauerhafte Füße zu stellen, hat die 19-Jährige sich nach dem Abi erst einmal ein Gap-Jahr genommen, bevor sie im September 2027 eine Metzgerlehre beginnen wird. Danach würde sie gern studieren, um in Sachen Marketing, Vertrieb und Prozessoptimierung top zu sein. Und dann? „Mal sehen, auf jeden Fall will ich bei den Leuten sein und etwas aus meinem Leben machen.“
Und während man ins wohl klimatisierte Büro zurückfährt, den Geschmack eines Versucherles noch auf der Zunge, da denkt man sich so: „GenZ, das kann ja doch was werden“.
Dr. Annja Maga ist Redateurin von Magazin Wirtschaft und Mawi-on
Sie wollen ein Startup gründen? Die IHK Region Stuttgart hilft Ihnen: Was ist zu beachten, wenn Sie ein Unternehmen gründen wollen?
Gefällt Ihnen unser Artikel?
Seite teilen