Pascal Koch (li.) und David Frey mit dem Modell ihres Roboters „Mintrop“ im Böblinger Gründerzentrum „AI xpress“. © IHK Region Stuttgart
Pascal Koch (li.) und David Frey mit dem Modell ihres Roboters „Mintrop“ im Böblinger Gründerzentrum „AI xpress“.

Preisgekröntes Startup will Rohstofferkundung revolutionieren

03.Feb. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Digitalisierung, Innovation, KI, Start-Ups |
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Die Imensus GmbH will die Rohstofferkundung ins KI-Zeitalter führen. Beim Startup-Pitch der IHK-Bezirkskammer Böblingen haben die Gründer die Jury überzeugt.

Als die Kieler Geophysiker Pascal Koch und Olav Cornelius Ende 2023 ihre Kisten in den Transporter luden, ließen sie eine Top-Hochschule hinter sich. Was sie fanden: einen Ort, an dem technische Ideen schnell zu realen Projekten werden. Mit ihrer Mischung aus Industrie, Forschung und kurzen Wegen bot die Region Stuttgart genau das Richtige für das Gründerduo, aus dem mittlerweile ein Quartett geworden ist: Juan de Freitas und David Frey, beide aus dem Bereich Luft- und Raumfahrttechnik, haben das Team rund um die innovative Rohstofferkundung verstärkt.

Teil dieses Ökosystems ist auch die IHK. Auf der Pitch-Night der Bezirkskammer Böblingen im vergangenen Oktober überzeugten die Gründer die Jury und machten ihr Startup mit einem Schlag im Kreis potenzieller Partner und Investoren bekannt. Sein erstes Jahr hat das Startup mit Mitteln ihrer Heimatuniversität Kiel sowie aus dem Accelerator-Programm ESA-BIC finanziert, das von der IHK Reutlingen verwaltet wird.

Imensus arbeitet an einem Problem, das die Rohstoffbranche seit Jahrzehnten plagt: Die Suche nach dringend benötigten Rohstoffen wie Eisen, Nickel, Kobalt, Lithium oder seltenen Erden ist ein aufwändiges und personalintensives Geschäft. Menschen stapfen über unwegsames Gelände, bepackt mit hunderten von Sensoren, die sie auf vielen Quadratkilometern verteilen.

Vision vom selbstständigen Untergrund-Scout

Diese so genannten Geophone fangen künstlich erzeugte seismische Schwingungen auf und funken die Signale an die Zentrale. Die Auswertung erlaubt Schlüsse auf die Beschaffenheit des Untergrunds – und damit auf potenzielle Rohstoffvorkommen.

Kann man diese mühsame und manchmal gefährliche Arbeit nicht auch einem Roboter aufbürden, der mit KI-Unterstützung selbstständig arbeitet? Das fragten sich Pascal Koch und Olav Cornelius, als sie bei einer Studentenparty an ihrer Kieler Universität miteinander ins Gespräch kamen. „Ursprünglich hatten wir dabei an Raumfahrtmissionen gedacht“, sagt Koch. Etwa auf dem Mond, wo man keine Trupps von studentischen Hilfskräften umherschicken kann. „Bald haben wir aber begriffen, dass unsere Idee auch auf der Erde enorme Vorteile bringt.“ Dies war die eigentliche Geburtsstunde von Imensus.

Generalprobe in den Anden

Gemeinsam entwickelten die Gründer das Geophon weiter und bauten nebenbei zu Anschuungszwecken das Modell eines solchen Roboters. Dreimal so groß soll die spätere Einsatzversion sein, die 2027 in einem Pilotprojekt an einer Goldmine in Peru erprobt werden soll. Der dortige Betreiber ist so interessiert, dass er bei guten Ergebnissen eine mögliche längerfristige Partnerschaft in Aussicht stellt. Nach einer Auswertungs- und Validierungsphase rechnen die Gründer mit dem Markteintritt 2028. Das Marktpotenzial sei riesig, sagt Koch. Weltweit werden im Bergbau pro Jahr drei Billionen Dollar umgesetzt. 247 Milliarden sind es allein in Europa – mit steigender Tendenz. Denn der EU-Critical-Raw-Materials-Act verpflichtet Europa dazu, bis 2030 mindestens zehn Prozent seines Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst zu fördern.

Da kommt eine Methode wie gerufen, mit der man die Erkundung nicht nur schneller und sicherer, sondern auch deutlich billiger abwickeln kann: Durch ihre Entwicklung, so versichern die Imensus-Gründer, könnten bis zu 40 Prozent der Kosten gespart werden.

Für den Start der Pilotphase in diesem Jahr wollen die Gründer ihr Team auf elf Mitarbeiter vergrößern. Auch die Finanzierung wird auf eine breitere Basis gestellt: Über Förderungen, Banken und Investoren soll zunächst eine Million Euro eingeworben werden. Pascal Koch: „Unser Ziel ist es, mit unserer Technologie in engem Austausch auch mit deutschen Bergbauunternehmen ein führender Anbieter im Bereich automatisierte Exploration zu werden.“

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