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Paals Position: Unternehmen brauchen Handelspolitik mit klarem Kompass!
15.Mai 2026 | 7 Min. Lesezeit | Außenwirtschaft, Gesichter der Wirtschaft, Politische Forderungen, Standort |Autor: Walter Beck
Handelsabkommen eröffnen Chancen – und schaffen Vertrauen
Unsere Unternehmen brauchen Planbarkeit statt politischer Zickzacklinien. Wer im internationalen Wettbewerb bestehen will, darf nicht darauf warten, dass andere den Takt vorgeben.
Als IHK-Organisation haben wir immer deutlich gemacht: Offene Märkte sind die Grundlage unseres Wohlstands. Zwei Drittel der baden-württembergischen Industrieproduktion gehen heute bereits in den Export. Gerade der Mittelstand, der das wirtschaftliche Rückgrat unserer Region bildet, ist auf faire Regeln, schnelle Verfahren und internationale Standards angewiesen. Handelsabkommen schaffen solche Rahmenbedingungen – und sie schaffen Vertrauen. Sie eröffnen Chancen, die ein einzelnes Unternehmen allein kaum erschließen kann.
Gleichzeitig nehmen protektionistische Tendenzen in Europa zu. Die Debatte über eine „Buy-European“-Politik klingt vertraut und politisch bequem, aber sie führt in die falsche Richtung. Baden-Württemberg lebt von Weltoffenheit, Innovation und internationalem Austausch. Wer Mauern baut, schadet am Ende sich selbst. Unsere Unternehmen brauchen Wettbewerb – aber einen fairen, keinen künstlich verengten Binnenmarkt. Abschottung wäre ein Rückfall in überholte Denkmuster, den wir uns weder wirtschaftlich noch technologisch leisten können.
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Vorausschauende Handelspolitik ist ein Stabilitätsanker
Darauf kommt es jetzt an: Die EU muss Selbstbewusstsein und Offenheit zusammenbringen. Sie hat das Gewicht, internationale Standards zu setzen und Partnerschaften aktiv zu gestalten. Jedes neue Abkommen stärkt unsere Lieferketten, schafft Investitionssicherheit und eröffnet Spielräume für Zukunftstechnologien – von klimafreundlichen Antrieben bis zur digitalen Industrieproduktion. In einer Welt zunehmender Blockbildungen ist eine vorausschauende Handelspolitik ein geopolitischer Stabilitätsanker.
Die Rückmeldungen aus unseren Mitgliedsunternehmen sind eindeutig: Der globale Wettbewerb wird härter, Lieferketten bleiben verletzlich, technologische Sprünge verlangen Agilität. Deshalb dürfen wir nicht stehen bleiben. Handelsabkommen sind kein technisches Detail, sondern strategische Zukunftsinstrumente – gerade für Regionen, die stark in Forschung, Produktion und Export eingebunden sind. Wer heute neue Märkte erschließt, sichert die Innovationskraft von morgen.
Die Zukunftsfähigkeit unserer Region beruht auch auf der EU
Hinzu kommt: Unsere Unternehmen investieren massiv in Transformation – in nachhaltige Produktion, neue Antriebe, digitale Prozesse. Diese Investitionen rechnen sich nur, wenn die Absatzmärkte breit genug sind. Eine verlässliche EU-Handelspolitik ist deshalb direkter Bestandteil der industriellen Modernisierung. Sie schafft die Rahmenbedingungen, damit neue Technologien skalieren können und nicht in regulatorischen Sackgassen stecken bleiben. Für viele Betriebe ist klar: Ohne offenen Zugang zu internationalen Märkten wird Transformation zum Risiko statt zur Chance.
Für die Region Stuttgart gilt: Unsere Industrie braucht verlässlichen Zugang zu dynamischen Wachstumsmärkten. Die europäische Handelspolitik ist deshalb nicht abstrakte Diplomatie, sondern handfeste Standortpolitik – für Baden-Württemberg, für unsere Unternehmen und für die Zukunftsfähigkeit unserer ganzen Region. Darauf sollten wir unseren handelspolitischen Kompass ausrichten.