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Pendler müssen sich auf noch mehr Ungemach einstellen.

Noch mehr S-21-Baustellen als im Rekordjahr 2025

22.Jan. 2026 | 10 Min. Lesezeit | Mobilität, Standort |
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Pendler und die Wirtschaft in der Region Stuttgart müssen sich 2026 auf weiteres Ungemach einstellen, denn das Jahr bringt eine neue Zunahme an Baustellen in und um Stuttgart. Das stellt vor allem die Logistikbranche und Unternehmen mit Kundenverkehr vor erhebliche Herausforderungen.
S-Bahn-Chef Dr. Mathias Glaub © S-Bahn Stuttgart
S-Bahn-Chef Dr. Mathias Glaub

Auf ein für Pendler und die regionale Wirtschaft schlimmes Jahr 2025 folgt ein noch schlimmeres 2026. Anders lässt sich der Satz, mit dem sich Matthias Glaub zitieren lässt, nicht interpretieren: „Bisher war 2025 bei der S-Bahn das Rekordjahr an Baustellen. Solange bis Stuttgart 21 und der digitale Knoten in Betrieb gehen, wird das Baustellenpensum noch weiter steigen“, sagt der bei der DB Regio zuständige Vorsitzende der Geschäftsleitung der S-Bahn-Stuttgart.

Neuer Zeitplan für Bahnhofsöffnung erst zur Jahresmitte

Eigentlich sollte Stuttgart 21 von Dezember 2026 an schrittweise in Betrieb gehen. Doch neue technische Probleme mit dem Digitalen Knoten Stuttgart haben bekanntlich diesen Zeitplan gekippt. Der bundesweite Netzfahrplan 2027 wird nun weiterhin auf Basis des alten Kopfbahnhofs geplant. Für die Region bedeutet das: Die Übergangsphase verlängert sich – und mit ihr die Belastung durch Sperrungen, Umleitungen und Ersatzverkehre. Erst Mitte des Jahres will die Bahnspitze sich zu einem neuen Zeitplan für die Öffnung äußern.  

Schon 2025 markiert einen historischen Höchststand. Nach Angaben der Deutschen Bahn summierten sich die Baustellen in der Region Stuttgart auf 3662 Baustellentage – noch einmal 140 mehr als im ohnehin schon außergewöhnlichen Jahr 2024. Allein bei der S-Bahn führten die Bauarbeiten zu rund zwei Millionen ausgefallenen Zugkilometern.

Citytunnel wird im Sommer erneut gesperrt

2026 dürfte diese Entwicklung nochmals an Dynamik gewinnen. Parallel zur Modernisierung bestehender Strecken laufen die hochkomplexen Vorarbeiten für die neue digitale Leit- und Sicherungstechnik. Gleichzeitig müssen bestehende Netze saniert werden, um den Sanierungsstau der vergangenen Jahre aufzulösen. Die Bahn spricht von der „komplexesten Inbetriebnahme eines Eisenbahnknotens in Europa in den vergangenen Jahrzehnten“.

Sperrungen auf den S-Bahn-Strecken 2026

Besonders spürbar wird das erneut auf der zentralen Lebensader des Regionalverkehrs: der S-Bahn-Stammstrecke. Im Sommer 2026 soll der Citytunnel zwischen Hauptbahnhof (tief) und Vaihingen erneut gesperrt werden, um die digitale Technik zu installieren. Schon in den vergangenen Jahren hatte diese Maßnahme erhebliche Auswirkungen auf Pendlerströme, Umstiege und Reisezeiten. Für viele Unternehmen in der Region bedeuten die geplanten Arbeiten eine erneute Bewährungsprobe bei Arbeitszeiten, Schichtplanung und Erreichbarkeit von Standorten.

SSB legen Arbeiten in die Ferien

Parallel dazu plant auch die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ein intensives Baujahr. Zwölf größere Maßnahmen stehen 2026 an, überwiegend verbunden mit Schienenersatzverkehr. Die SSB bündelt ihre Arbeiten gezielt in Ferienzeiten, Nächten und Wochenenden, um den Berufsverkehr möglichst zu schonen. Dennoch lassen sich Einschränkungen im Stadtgebiet nicht vermeiden. „Die Bauarbeiten sind Voraussetzung dafür, dass die Stadtbahnen auch künftig zuverlässig fahren können“, betont eine Sprecherin der SSB. Kurzfristige Verschiebungen seien kaum möglich, da viele Maßnahmen über Jahre hinweg vorbereitet – und mit anderen Baumaßnahmen koordiniert werden.

Durchaus kritisch sieht die Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS),  Cornelia Christian, in Personalunion stellvertretende Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses der Region Stuttgart, die aktuelle Entwicklung: „Der VVS wünscht sich verlässliche Klarheit darüber, wann der neue Bahnhof tatsächlich in Betrieb gehen kann.“ Dieses Signal durch die DB InfraGo sei nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für Verkehrs- und Wirtschaftsunternehmen in der Region essenziell. Sie brauchten jetzt Planungssicherheit – „und zwar auf Basis realistischer, belastbarer Aussagen“.

VVS-Geschaeftsführerin Cornelia Christian © Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart
VVS-Geschaeftsführerin Cornelia Christian

Allerdings fügt Cornelia Christian auch hinzu: „Große Infrastrukturprojekte sind immer eine Investition in die Zukunft dieser Region. Die Modernisierung – mit einem zukunftsfähigen Bahnhof und neuen Strecken mit modernster Technik – wird unseren Standort langfristig stärken.“ Ein leistungsfähiger, pünktlicher und attraktiver ÖPNV sei ein „wesentlicher Wettbewerbsfaktor für Fachkräfte, Unternehmen und die gesamte Wertschöpfungskette“.

VVS-App soll in Echtzeit informieren

Der VVS tue alles Denkbare, um die Situation für die Kunden so erträglich wie möglich zu gestalten: Christian: „Als VVS vernetzen wir nicht nur alle ÖPNV-Partner in der Region. Wir stellen auch sicher, dass Fahrgäste jederzeit aktuelle Informationen zu Alternativen erhalten, wenn es zu Einschränkungen kommt.“ Dazu habe der VVS die App „VVS Mobil“ im vergangenen Jahr vollständig überarbeitet. Sie biete nun Echtzeitdaten, Alternativrouten und eine transparente Übersicht über aktuelle Einschränkungen.

Auf der neu gestalteten Webseite fänden Kundinnen und Kunden eine übersichtliche Baustellenkarte, die insbesondere Pendlern Planungssicherheit gebe. Darüber hinaus empfiehlt Cornelia Christian, multimodale Angebote stärker zu nutzen: Der VVS-Radroutenplaner etwa unterstützte all diejenigen, die die herausfordernde Situation sportlich nehmen und bei passendem Wetter einen Teil ihrer Pendlerstrecke mit dem Rad zurücklegen möchten. Für Unternehmen könne es hilfreich sein, ihre Mobilitätskonzepte stärker an diese flexiblen Möglichkeiten anzupassen.

Das Ziel: Ein stabileres, leistungsfähigeres Netz

So belastend die Situation im Alltag aktuell auch ist – langfristig, so betont die Deutsche Bahn, verfolgten die Verkehrsunternehmen ein klares Ziel: ein stabileres, leistungsfähigeres Netz mit weniger Störungen im Regelbetrieb. Der Preis, den die Menschen in Stuttgart und der Region dafür in diesem Jahr zahlen müssen, ist aber hoch.  Für den Wirtschaftsstandort bleibt es auch 2026 eine Herausforderung, den ÖPNV trotz der Dauerbaustelle Stuttgart 21 mit vertretbaren Fahrzeiten wettbewerbsfähig zu halten.   

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