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Neustart mit Helm und Köpfchen: Fahrradhelme aus Freiberg am Neckar
08.Juni 2026 | 5 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Nachfolge |Autor: Walter Beck
Als die KED Ahead GmbH nach der Corona-Krise in Insolvenz ging, hätte dies leicht das Ende des mehr als 30 Jahre alten Familienunternehmens sein können – wenn nicht ein Trio von jungen Unternehmern die Gelegenheit genutzt und den Freiberger Hersteller von Fahrradhelmen auf die Erfolgsspur zurückgeführt hätte. „Für uns war es die Gelegenheit“, sagt Victor Borsche (32), der mit seinem Bruder Louis und seinem Studienfreund Jonas Japing seit dem vergangenen Jahr die neue Spitze bildet. Wenn das Unternehmen aus Freiberg am Neckar heute als einziges noch Fahrradhelme in Deutschland produziert, ist dies den drei nahezu gleichaltrigen Nachwuchsunternehmern zu verdanken.
Unter Radlern hat KED Ahead einen Namen. Der Kinderhelm „Meggy“ war lange Zeit der meistverkaufte Kinderhelm und wird seit Anfang des Jahrtausends in Freiberg produziert. Drei Viertel ihres Sortiments stellt die Firma dort auf eigenen Maschinen her. „Unsere Fertigungstiefe liegt bei 95 Prozent“, verrät Victor Borsche nicht ohne Stolz. „Das erlaubt uns eine außergewöhnliche Produktvielfalt, Schnelligkeit und Flexibilität.“
Eine Fertigungstiefe, die ihresgleichen sucht
Als Ausgangsmaterialien werden Granulate aus sechs verschiedenen Kunststoffen verarbeitet, dazu zahlreiche Farbpigmente, um eine Vielzahl an Farbvarianten herzustellen. Kleinteile, zum Beispiel für Verriemung und Verstellsystem des Helms, fertigt KED Ahead im Spritzguss selbst. Die Helmschalen werden auf Digital- und Siebdruckmaschinen bedruckt und anschließend maschinell in Form gezogen. Der Kern schließlich, der zur Stoßdämpfung dient, wird im Schäumverfahren aus EPS-Schaumstoff produziert. Lediglich Textilteile wie den Riemen, den Insektenschutz oder die Innenpolster kauft das Unternehmen von einem Hersteller aus Italien.
„Nur besonders aufwändige Helme mit zusätzlichen Features lassen wir in Asien fertigen“, sagt Borsche. Wegen des hohen Handarbeitsanteils sei die Produktion am Heimatstandort nicht wirtschaftlich. Solche Sonderausstattungen sind etwa Magnetverschlüsse, verstellbare Visiere oder das technisch ausgefeilte „Boa“-Verstellsystem. Sonst aber lässt Borsche nichts auf den Standort Deutschland kommen. „Wir haben alles in einem Haus, setzen Produktänderungen superschnell um und liefern Ersatzteile in Rekordzeit.“
Nach zwei Jahrzehnten erhält "Meggy" ein Lifting
Das danken ihnen die vielen Fahrradfachhändler, vorwiegend in Deutschland aber auch in anderen europäischen Ländern sowie Japan. Sie sorgen für 70 Prozent der Umsätze. Der Rest wird mit dem neu eingerichteten Online-Shop erwirtschaftet, der schnell wächst.
Damit KED Ahead weiter in Freiberg produzieren konnte, musste jedoch kräftig investiert werden. So wurden neue Schäum-Maschinen angeschafft, die nach dem moderneren und stärker automatisierten In-Mold-Verfahren arbeiten. Dem Paradeprodukt Meggy verpasste das neue Führungstrio nach zwei Jahrzehnten ein neues, frischeres Design, reduzierten das Gewicht und erhöhten Sicherheit und Komfort. Die Gestaltung übernahm Cousin Mirko Borsche, ein bundesweit bekannter Designer. Und das Kapital lieferte Vater Christian, der lange Erfahrung als Multigründer hat und nun Mehrheitsgesellschafter von KED Ahead ist.
Ein Familienunternehmen wie aus dem Bilderbuch war KED Ahead freilich schon seit den Anfängen vor 36 Jahren in einer Freiberger Garage. Die Gründerfamilie Knauer führte den Betrieb viele Jahre erfolgreich. Als während Corona die Nachfrage nach Fahrradhelmen explodierte, erweiterte das Unternehmen stark – wie so mancher in der Branche. Und wie andere auch wurde es vom anschließenden Markteinbruch hart getroffen. Es folgte die Zahlungsunfähigkeit und der Eigentümerwechsel.
Im Ringen um Verbesserung darf man nie ruhen
„Produkte und Fertigung ständig zu verbessern, ist absolut essenziell“, sagt Victor Borsche. Zurzeit werden in Freiberg Fahrradhelme auf der Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt. Die Einzelteile werden nicht geklebt oder verschweißt, sondern verschraubt. Dadurch lassen sie sich leichter auseinanderbauen und recyclen. Am Ende ist es wohl der Wille zur Veränderung, der aus einer Krise eine Erfolgsgeschichte macht.
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