3 Personen tuscheln im Hintergrund, vorn steht eine unglücklich guckende Frau © getty images
„Was die wieder von sich gegeben hat…“ – wenn Kollegen hinter dem Rücken tratschen, ist das sehr belastend.

Mobbing am Arbeitsplatz stoppen – Strategien für Unternehmen

14.Jan. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Fachkräfte, Rat & Tat |
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Gerüchte streuen, ausgrenzen, bloßstellen – Mobbing am Arbeitsplatz hat viele Gesichter und kann in Teams genauso wie von Führungskräften ausgehen. Damit Betroffene Unterstützung erhalten und Unternehmen vorbeugen können, ist rechtzeitiges Handeln entscheidend. Unser Artikel zeigt, wie Beschäftigte Mobbing melden, Führungskräfte eingreifen und Betriebe eine Kultur des Respekts und der Prävention etablieren können.

Oft geht Mobbing zunächst von einer Einzelperson aus. Diese schikaniert eine andere Person mit dem Ziel, sie mit allen Mitteln auszuschließen beziehungsweise loszuwerden.

Wenn Worte verletzen: Die vielen Gesichter von Mobbing

Mobbing geschieht über einen längeren Zeitraum. Im Verlauf schließen sich häufig weitere Personen an. Dabei kann es sich um Angriffe innerhalb eines Teams handeln. Die Aggressionen können aber auch von der Führungskraft ausgehen. Mobbing kann psychisch stattfinden, etwa durch Bloßstellen, Demütigen oder Drangsalieren. Die Gewalt kann aber auch weiter eskalieren, und es kann zu körperlichen Übergriffen oder Belästigung kommen.

Mobbing ist ein gruppendynamischer Prozess und wird durch bestimmte Konstellationen gefördert. Begünstigend wirkt beispielsweise, wenn die Beteiligten Teil eines festen Teams sind, in dem personelle Wechsel aus unterschied­lichen Gründen nicht oder nur ein­geschränkt möglich sind. Ausgangspunkt kann etwa ein schwelender Konflikt sein, wobei dieser nach und nach in den ­Hintergrund gerät und stattdessen die betroffene Person Zielscheibe für verschiedenste Schikanen und Herabsetzungen wird. Betroffene sollten es unverzüglich im Betrieb melden, wenn sie erkennen, dass sie gemobbt werden. Ihre Ansprechpersonen sind Vorgesetzte oder Kontaktpersonen wie der Betriebsarzt, die Interessenvertretung oder die Personalabteilung. Hier sollten sie Unterstützung bekommen, denn Arbeitgeber sind grundsätzlich ihren Beschäftigten gegenüber zur Fürsorge verpflichtet.

Nicht schweigen – so können Betroffene handeln

Damit die Betroffenen plausibel aufzeigen können, dass sie gemobbt werden und wer dafür verantwortlich ist, empfiehlt es sich ein Mobbing-Tagebuch zu führen. Darin sollten die Vorfälle detailliert protokolliert werden.

Sehr oft erfahren Führungskräfte eher spät von Mobbing in ihren Reihen. Der Prozess ist dann schon fortgeschritten, der Handlungsbedarf akut. Deshalb müssen sie sich rasch einen Überblick verschaffen: Wer ist der Täter oder die Täterin? Wer ist von den Schikanen betroffen? Wichtig ist schließlich, klare Grenzen zu setzen, sich eindeutig zu positionieren und das Mobbing zu unterbinden. Außerdem sollten die Arbeitsbedingungen hinterfragt werden: Warum kam es zu einem Machtgefälle, welches das Verhalten begünstigt hat? Warum fällt es erst jetzt auf? Wie können Arbeitsbedingungen verändert werden, damit es nicht erneut zu Mobbing kommt?

Was muss auf betrieblicher Ebene getan werden, um Mobbing entgegenzuwirken?
Betriebe sind klar in der Pflicht. Sie ­müssen dafür sorgen, dass Anfeindungen und Einschüchterungen gar nicht erst auftreten. Ansatzpunkt kann eine Gefährdungsbeurteilung insbesondere in Hinblick auf psychische Belastung sein: Sind Rollenverteilungen klar definiert, sind Arbeitsabläufe transparent und ist die Arbeitsmenge angemessen?

Gemeinsam gegen Ausgrenzung: Verantwortung liegt beim Betrieb

Von großer Bedeutung sind Betriebs­klima und Umfeld. Menschen, die beabsichtigen, eine unliebsame Person zu mobben, werden in einer kollegial ­geprägten Umgebung wenig Rückhalt ­finden. Deshalb sollten Betriebe gemeinsam mit den Beschäftigten Regeln des kollegialen, respektvollen Miteinanders festlegen. Das kann ein Verhaltens- und Wertekodex sein, zu dem sich alle bekennen und der im Alltag auch gelebt wird. Bewährt haben sich auch Dienst- beziehungsweise Betriebsvereinbarungen. Diese sollten immer wieder in Erinnerung gebracht werden. Das kann online geschehen, aber auch in Teamsitzungen oder Mitarbeitergesprächen. Auch ein Aushang kann effektiv sein.

Es empfiehlt sich auch, Maßnahmen für den konkreten Umgang mit Mobbing zu definieren, eine Art Handlungsleitfaden. So kann im Fall der Fälle schnell reagiert werden. Sinnvoll ist außerdem, im ­Betrieb über interne oder externe ­Beratungs­- möglichkeiten und Beschwerdestellen zu informieren.

Stefan Boltz
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
www.dguv.de

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