© SAM-Dimension
Mit KI-Drohnen gegen Unkraut auf dem Acker
24.Feb. 2026 | 8 Min. Lesezeit | Aus den Unternehmen, Innovation, Klimaschutz |Autor: Walter Beck
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Die Drohne rauscht in 60 Metern Höhe über das Weizenfeld. In einer Stunde schafft sie 60 Hektar. Was sie dabei sieht, überblickt kein Landwirt: jeden einzelnen Distelsämling, jeden Ampfer, jeden Löwenzahn – kaum fingernagelgroß. Das Stuttgarter Startup SAM-Dimension hat ein System entwickelt, das Unkraut kartiert, bevor es zum Problem wird. Die Technik dahinter: Sechs Kameras in einem Gehäuse, eine Drohne, Objekterkennung mit künstlicher Intelligenz.
Diese Kombination schafft, woran andere scheitern – sie ersetzt das großflächige Spritzen mit Herbiziden durch punktgenaue, gezielte Anwendung. „Unser Ziel ist es, Pflanzenschutzmittel intelligent und möglichst sparsam einzusetzen“, sagt Mitgründer Dr. Robin Mink (37).
60 Hektar pro Stunde bei 1,6 Millimeter Bodenauflösung – die Stuttgarter sind die ersten, die das können. Ihre Technik rechnet sich nicht nur in hochpreisigen Sonderkulturen wie Obst, sondern zielt auf die großen Flächen: Weizen, Mais, Raps, Zuckerrüben. Dort, wo es um hunderte von Hektaren geht. Wenn wir Präzision nur dort einsetzen, wo die Flächen klein sind, verpassen wir den eigentlichen Hebel“, so Mink.
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50 bis 96 Prozent weniger Herbizid-Einsatz
Die Sechser-Kamera wiegt fünf Kilo, man braucht also eine größere Drohne. Dafür arbeitet sie elfmal schneller als eine Einzelkamera. Die Auflösung bleibt hoch genug, um Unkräuter im Keimblattstadium zu identifizieren. Dann können Landwirte gezielt spritzen, in niedriger Dosierung, nur dort, wo Unkraut steht. Das Ergebnis: 60 bis 96 Prozent weniger Herbizide – das kommt der Umwelt ebenso zugute wie dem Geldbeutel des Landwirts. Denn bei Disteln im Zuckerrübenacker kostet die flächige Behandlung schon mal 40 Euro pro Hektar.
Auch die Kulturpflanzen profitieren – weniger Chemie bedeutet weniger Stress, mehr Ertrag. „Jede eingesparte Fahrt und jeder nicht gespritzte Quadratmeter zahlt sich am Ende doppelt aus – ökologisch und ökonomisch“, sagt Mink.
Gezieltes Spritzen schont Umwelt und Budget
Zur Technik gehört mehr als die Kamera. Ein KI-System erkennt Wildkräuter – bei manchen bis zur Art. Die Software erstellt aus den Aufnahmen eine digitale Verbreitungskarte, maschinenlesbar. Diese „Spot-Spray Map“ landet im Bordcomputer der Feldspritze. Beim Ausbringen wird dann nur gesprüht, wo die Karte Unkraut zeigt. Seit einem Jahr verkauft SAM-Dimension die Hardware an Kunden in Deutschland, aber auch in Tschechien, Frankreich, Spanien, Portugal, Polen und Litauen.
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Gegründet hat Mink das Unternehmen 2020 gemeinsam mit Dr. Alexander Linn (34). Beide stammen aus Landwirtsfamilien und wurden an der Uni Hohenheim promoviert. Zunächst boten sie die Unkraut-Kartierung als Dienstleistung an. Unterstützt von der L-Bank, Business Angels und einem Agrarinvestor finanziert sich die Firma seit zwei Jahren aus eigenen Erträgen. Ziel ist es, vom Dienstleister zum Systemlieferanten zu werden.
Einsatz bald auch im Naturschutz?
14 Mitarbeiter hat SAM-Dimension derzeit, noch im Frühjahr sollen es 20 werden. Die Pläne reichen weit: Gras-Unkräuter im Getreide erkennen, die den Kulturpflanzen ähneln. Giftpflanzen im Grünland identifizieren – Stechapfel, Jakobskreuzkraut –, damit kein Vieh vergiftet wird. Neophyten wie Erdmandelgras aufspüren, bevor sie sich ausbreiten.
Im Naturschutz laufen Forschungsprojekte mit dem Fraunhofer-Institut und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb: Kartierung von seltenen Ackerwildkräutern im Bio-Landbau. Das KI-Training ist aufwändig – seltene Pflanzen liefern wenig Daten. Im Grünland wird es noch schwerer: grün in grün, die Drohne muss tiefer fliegen, die Auflösung noch präziser sein.
Die Software soll außerdem noch tiefer in die Maschinensysteme integriert werden – momentan läuft die Datenübertragung noch per USBStick. Hierzu arbeitet SAM-Dimension mit bekannten Landmaschinenherstellern wie Horsch, Hardi, Amazone, John Deere und Agrifac zusammen. Die Technik überzeugt, die Auszeichnungen häufen sich. Jetzt muss der Markt folgen – und die ersten Kunden zeigen: Er tut es.