MINT-Nachwuchs fördern: Wie ein Stuttgarter Robotik-Team die Fachkräfte von morgen entwickelt

15.Juli 2026 | 5 Min. Lesezeit | Digitalisierung & KI |
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Technisches Know-how, Teamarbeit und Praxiserfahrung: Das Stuttgarter Robotik-Team „Robotic Tech Frox“ zeigt, wie MINT-Förderung zur Fachkräftesicherung beiträgt. Mit Erfolgen bei internationalen Wettbewerben sammeln Schülerinnen und Schüler früh Kompetenzen, die in Industrie, IT und Automatisierung dringend gefragt sind.

Eine Reise nach Kanada, neun Tage internationaler Wettbewerb – und mittendrin ein Team aus Stuttgart: Acht Schülerinnen und Schüler des Königin-Katharina-Stift-Gymnasiums haben sich mit ihrem Robotik-Team „Robotic Tech Frox“ auf der internationalen Bühne behauptet. Für die Wirtschaft ist das Engagement der Jugendlichen weit mehr als ein Schulprojekt: Es zeigt beispielhaft, wie die Fachkräfte von morgen schon heute gefördert werden.

Kompetenz aus dem Klassenzimmer

Die Arbeit erfolgt im Rahmen einer schulischen AG, die weit über den Unterricht hinausgeht. „Wir treffen uns fast täglich, auch in den Pausen“, berichtet der 15-jährige Karl. Dabei erwerben die Jugendlichen Fähigkeiten, die in der Wirtschaft gefragt sind: technisches Know-how, Teamarbeit, Organisation und eigenständiges Problemlösen.

Internationale Teilnahme

Im Wettbewerb der First Tech Challenge auf dem Canada Cup traten insgesamt 79 Teams gegeneinander an. Die Aufgabe: Ein selbst entwickelter Roboter musste auf einem 13,4 Quadratmeter großen Spielfeld autonom und ferngesteuert Bälle („Artifacts“) einsammeln und gezielt in Ziele („Goals“) befördern.

Innerhalb von nur drei Monaten entwickelte das Team seinen Roboter völlig eigenständig – von der Konstruktion mit 3D-Programmen über die Elektronik bis hin zur Software.

Doch der Blick geht über das Spielfeld hinaus: Die internationale Teilnahme bringt dem Team nicht nur Erfahrung, sondern auch Sichtbarkeit. Gleichzeitig zeigt sich ein strukturelles Defizit: In Deutschland fehlt bislang eine eigene Liga. Für Qualifikationen müssen die Teams deshalb ins Ausland ausweichen. Ein Ziel von „Robotic Tech Frox“ ist es, langfristig eine deutsche Wettbewerbsstruktur aufzubauen.

Praxis statt Theorie

Bemerkenswert ist vor allem: Spezielle Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung. „Wir sind dem, was im Informatikunterricht gemacht wird, weit voraus“, sagt der 15-jährige Kilian.

Diese praktische Erfahrung macht den entscheidenden Unterschied. Während viele Jugendliche nach dem Schulabschluss noch unsicher sind, entwickeln die Mitglieder des Robotik-Teams früh klare berufliche Perspektiven. So möchte Catalina (17) später Lehrerin im MINT-Bereich werden, während Karl bereits seine Zukunft in der Softwareentwicklung sieht.

Für Unternehmen ist die Entwicklung entscheidend: Junge Talente sammeln früh Praxiserfahrung und orientieren sich gezielt in technischen Berufsfeldern. Genu hier liegt der Schlüssel zur Fachkräftesicherung: „Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen kommt man direkt in Kontakt mit Betrieben und lernt den Arbeitsalltag kennen – das macht auch Lust auf ein Praktikum“, erzählt Catalina.

Warum Unternehmen profitieren

Für Unternehmen ist die Unterstützung solcher Projekte daher mehr als gesellschaftliches Engagement – sie ist eine Investition in die eigene Zukunft. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten bereits heute mit Technologien und Methoden, die in Industrie, IT und Automatisierung gefragt sind.

Wer Projekte wie „Robotic Tech Frox“ unterstützt, fördert nicht nur Bildung, sondern sichert sich frühzeitig Zugang zu potenziellen Fachkräften. Die Jugendlichen sammeln praxisnahe Erfahrungen, entwickeln technische Kompetenzen und orientieren sich beruflich – oft lange bevor sie den Arbeitsmarkt betreten. Damit entstehen klare Vorteile: früh geförderte Talente, praxisnah ausgebildeter Nachwuchs und direkte Kontakte zu motivierten zukünftigen Mitarbeitenden.

Aus Eigeninitiative entstanden

Das Projekt existiert seit 2013 und wurde ursprünglich von Schülerinnen und Schülern selbst initiiert. Heute umfasst es fünf Teams mit jeweils acht Mitgliedern aus den Klassenstufen 9 bis 12.

Die Organisation liegt zu großen Teilen in den Händen der Jugendlichen selbst – von der technischen Entwicklung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Lediglich organisatorische Aufgaben wie Wettbewerbsanmeldungen oder Reisebuchungen übernimmt eine Lehrkraft.

Finanziert wird das Projekt überwiegend durch Sponsoren. Diese Unterstützung ist entscheidend, da Materialkosten und internationale Wettbewerbe hohe Kosten verursachen. In Deutschland ist die Förderung bislang jedoch begrenzt – auch, weil vergleichbare Projekte noch wenig verbreitet sind.

Victoria Stickel ist DH-Studentin bei der IHK Region Stuttgart

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