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Neue Plattform bringt Anbieter und Kunden im Maschinenbau zusammen
10.Juli 2026 | 5 Min. Lesezeit | Digitalisierung & KI, Gesichter der Wirtschaft, Start-Ups |Autor: Dr. Annja Maga
Großraumbüros sind moderne Mittel der Effizienz: Im Idealfall sparen sie nicht nur Platz, sondern erleichtern auch durch kurze Wege und Mithören den Austausch untereinander.
Dass sie die Wiege von Startups sind, ist hingegen eher ungewöhnlich. Aber irgendwie auch naheliegend, denn wenn man mit vielen Kollegen auf engstem Raum zusammensitzt, findet man automatisch heraus, wer auf derselben Wellenlänge liegt. In der Mittagspause sitzt man dann zusammen. Dabei stellt man fest, dass einen dieselben Probleme und Ideen umtreiben – und nach und nach entsteht dabei eine Geschäftsidee.
So haben zumindest Luca Bruzzese, Daniel Sachs und Aaron Stark bei dem Messgerätespezialisten Keyence in Leinfelden-Echterdingen zusammengefunden. Der 27-jährige Daniel Sachs arbeitete nach seiner Ausbildung in der Versicherungsbranche mit anschließendem IHK-Fachwirt bei der japanischen Firma, Bruzzese (33) und Stark (28) nach ihrem BWL-Studium – alle drei im technischen Betrieb.
„Sehr, sehr viele Kunden haben wir in der Zeit verloren, weil sie mangels Aufträgen insolvent wurden“, erzählt Stark. Um ihren Kunden zu helfen und um nicht noch mehr davon zu verlieren, sprachen sie sich untereinander ab: „Ich habe jemanden, der sucht dringend einen Maschinenbauer mit einer bestimmten Expertise. In Deinem Gebiet gibt es doch so eine Firma. Können wir die beiden nicht zusammenbringen?“ „Super-happy“, seien beide Seiten dann gewesen, erinnert sich Sachs.
Dass Aufträge ausbleiben, liegt nach Erfahrung der drei auch an Google und Co.: „Viele Firmen googeln einfach oder benutzen sogar noch alte Listen, wenn sie einen Lieferanten suchen“, erzählt Bruzzese. In den Suchmaschinen stoßen sie dann oft zuerst auf asiatische Firmen, die sich besser präsentieren, eventuell sogar billiger sind, aber nicht immer von guter Qualität.
Dass das tatsächlich so ist, wurde noch deutlicher, als alle drei jungen Männer nach einer Umstrukturierung 2024 zu neuen Arbeitgebern wechselten.
Ihren freundschaftlichen Kontakt setzten Bruzzese, Sachs und Stark fort, und sie tauschten sich auch weiterhin aus, wenn ein Kunde einen Maschinenbauer suchte. Oft konnten sie weiterhelfen, allerdings sozusagen „offline“ und auf Zufallsbasis.
So entstand die Idee, eine Plattform zu etablieren, die das gesamte Procedere professionalisiert. Eine Plattform, auf der die Maschinenbauer ihre spezielle Kompetenz vorstellen und die Kunden ihre detaillierten Wünsche hochladen. KI matcht dann und schlägt dem potenziellen Kunden bis zu fünf passende Anbieter vor. Da lässt sich gut vergleichen und das in jeder Hinsicht günstigste Angebot auswählen.
Kommt ein Vertrag zustande, erhält die Plattform zwischen drei und neun Prozent der Auftragssumme als Provision – je nach Auftragsvolumen.
Anfang 2026 war es so weit: unter dem sprechenden Namen MaschinenBauConnect ging die Plattform online. Damit alles formell seine Richtigkeit hat, gründeten die drei ehemaligen Kollegen eine UG, „aber das Ziel ist eine GmbH“, wie Bruzzese erzählt. Abends und an den Wochenenden arbeiten sie daran, meistens virtuell von zu Hause aus. Doch inzwischen gibt es auch eine feste Büroadresse in Waiblingen.
Bisher haben die Gründer ihre Firma bei Cluster-Initiativen, Messeauftritten und Business Angels vorgestellt. Als versierte Vertriebler haben sie aber auch keine Scheu vor Kalt-Akquise.
Der Lohn der Mühe: Die ersten 25 Maschinenbauer registrierten sich schon bis Anfang Mai. Bis Ende Juni sollen es 100 aus der gesamten DACH-Region sein. Später sollen Unternehmen aus ganz Europa dazu kommen.
Die drei Gründer haben dabei gute Argumente, denn wer sich registriert, kann eigentlich nur gewinnen: Ein Risiko gibt es nicht, schließlich müssen sie keine Geschäftsgeheimnisse verraten. Außerdem werden sie und ihre Leistung nach außen sichtbar, und das kostenlos. Gezahlt wird erst, wenn ein Auftrag zustande kommt.
Solche Plattformen gibt es schon für einzelne Branchen wie Laser oder 3-D. Im Maschinenbau sind die drei nach eigenen Marktrecherchen die ersten. Beste Voraussetzung, für diese Branche das zu werden, was Check24 für den Alltagsgebrauch ist. Der heimische Maschinenbau mit seinen hunderttausenden von Mitarbeitern würde es ihnen jedenfalls danken,
Die IHK ist die erste Adresse in Sachen Ausbildung und Gründungsberatung in der Region Stuttgart.
Dr. Annja Maga,
IHK-Redakteurin Magazin Wirtschaft und Mawi-on
annja.maga@stuttgart.ihk.de
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