Unterricht fürs Leben – und eine Chance für Unternehmen

23.Juli 2026 | 6 Min. Lesezeit | Ausbildung, Gesichter der Wirtschaft |
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Vom Blick durch die rosarote Brille kann bei Ludwig Thiede keine Rede sein – auch wenn Rosa die Corporate-Design-Farbe seines Unternehmens ist. Der Jungunternehmer weiß sehr genau, wo die Reise hingehen soll. Mit seinem Team und dem ehrenamtlichen Angebot LifeTeachUs will er das Bildungssystem neu denken und revolutionieren.
© LifeTeachUs
Anka Ebel engagiert sich ehrenamtlich bei LifeTeachUs. „Ich möchte den kommenden Generationen etwas geben, worüber ich mich selber sehr gefreut hätte“, sagt sie.

Die Leidenschaft dazu hat der studierte Kommunikationswissenschaftler. „Bildung ist für mich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Doch noch immer hängt sie stark vom Elternhaus ab – und das benachteiligt viele Jugendliche erheblich. Das will ich ändern.“ Die Idee zu seinem Social Start-up up hatte er bereits während seiner eigenen Schulzeit. Wie viele andere fühlte er sich unzureichend auf das echte Leben vorbereitet. Den Mut zur Gründung von LifeTeachUs fasste er 2021. Mit der Unterstützung von Freunden, „die verrückt genug waren“, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Eine Million ausgefallene Schulstunden

Die Idee: Ausgefallene Schulstunden sinnvoll mit Inhalt zu füllen und Menschen aus ihrem Leben erzählen zu lassen, und dabei Jugendlichen wertvolle Impulse zu geben. Ob es dabei um Ausbildung, Karrierewege, Gesundheitsthemen oder auch Scheitern geht – völlig egal. Wichtig für Thiede sind echte Menschen, die aus dem echten Leben berichten und somit den Jugendlichen echte Tipps mitgeben können.

Immerhin fallen laut Deutschem Lehrerverband wöchentlich rund eine Million Schulstunden aus. Also Raum genug für die gemeinnützige Organisation und seine LifeTeacher diesen mit Leben zu füllen.

Eine davon ist LifeTeacherin Anka Ebel. Die Tourmanagerin aus Stuttgart ist seit 2025 dabei und hat bisher zwei Einsätze in ihrem vollgepackten Terminkalender unterbringen können. „Das flexibelste Ehrenamt der Welt“ ermöglicht ihr, Lifesessions nur dann anzunehmen, wenn es auch wirklich zeitlich passt. „Ich hätte mir für meine Schulzeit gewünscht, dass sie mich mehr aufs Leben und die breiten Möglichkeiten vorbereitet.“

Außerdem hat die lebhafte Tourmanagerin im Gymnasium den Blick auf den Ausbildungsbereich vermisst. Im Fokus der Berufsorientierung stand das Studium, dabei gebe es doch noch so viel mehr berufliche Wege. Sie gibt ihren jungen Zuhörerinnen und Zuhörern den Rat, sich in unterschiedlichen Bereichen auszuprobieren. Und zwar am besten mit ganz vielen Praktika in verschiedenen Branchen.

„Ich möchte den kommenden Generationen etwas geben, worüber ich mich selber sehr gefreut hätte, deswegen mache ich den ehrenamtlichen Job als LifeTeacherin“, sagt Anka Ebel. Für mehr Chancengleichheit und eine stabile Demokratie. Durch ihre Mutter kam sie schon früh mit Kunst und Kultur in Berührung. Ihr sei aber auch bewusst, dass vor allem Kinder aus sozialen Brennpunkten diese Privilegien nicht haben. „Als Sozialstaat würde ich mir wünschen, dass das Konstrukt von LifeTeachUs auch bei Entscheiderinnen und Entscheidern der Politik ankommt. Damit wir aktiv soziale Gerechtigkeit und Sicherheit weiter voranbringen“, so Ebel.

Wie funktioniert das Leben?

Wie funktioniert Freundschaft, wenn es mal schwierig wird? Wie mache ich eine Steuererklärung? Oder eben, was macht eine Tourmanagerin eigentlich so? Die Themen, die die LifeTeacher sich vornehmen können, sind vielfältig. Für die Zukunft wünscht Anka Ebel sich mehr Sichtbarkeit für weibliche Vorbilder. Und Vorstandsvorsitzende oder Frauen aus handwerklichen Berufen, die sich als LifeTeacher engagieren und vor allem Mädchen zeigen „Schau mal, all das ist auch für dich möglich!“

Unternehmen profitieren durch Bildungspartnerschaften

Nicht nur Schülerinnen, Schüler und Schule profitieren von den LifeTeachern, sondern laut Gründer Thiede auch die Unternehmen, mit denen die Organisation partnerschaftlich zusammenarbeitet. „Bildung ist einer der wichtigsten Bereiche, die wir als Land haben. Gerade in Zeiten, in denen es viele Herausforderungen gibt. Viele Unternehmen wollen sich sozial engagieren. Oft fehlen jedoch die passenden Strukturen oder Mittel dazu.“ Hier setzt das Konzept der Bildungspartnerschaften an: Unternehmen können sich unkompliziert einbringen, indem sie Mitarbeitende als LifeTeacher in die Schulen entsenden. So übernehmen sie gesellschaftliche Verantwortung und machen ihre Branche sichtbar.

Zu Beginn hat das Team ehrenamtlich gearbeitet und eigenes Kapital investiert. Inzwischen wird die gemeinnützige Organisation durch Spenden finanziert. Ziel war und ist es gemeinnützig zu sein und nicht gewinnorientiert zu arbeiten. In der heutigen Zeit eine Einstellung, die viele nicht verstehen können und den Haken bei der ganzen Sache suchen. Aber vielleicht gibt es den einfach nicht. Auch wenn man die rosarote Brille absetzt.

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