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Die perfekt gebundenen farbigen Schleifen sind ein Markenzeichen von Ulrike Maurer.

Ideen für den Einzelhandel: Kleine Schokoladen-Kette

28.Mai 2026 | 6 Min. Lesezeit | Aus den Unternehmen, Gesichter der Wirtschaft, Standort |
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Schokoladenmanufaktur, Pralinen, Regionalität und Unternehmertum: Ulrike Maurer aus Winnenden erzählt ihre Erfolgsgeschichte zwischen Handwerkskunst, nachhaltiger Produktion und mehreren Standorten in Fellbach und Esslingen.

Für die IHK-Serie ´Ideen für den Handel` können Sie mich nicht als Beispiel nehmen“, sagt Ulrike Maurer gleich bei der Begrüßung: „Bei mir ist nämlich alles von selbst gekommen.“ Damit meint die Chocolatière mit Meisterbrief ihre Schokoladenmanufaktur mit ­Läden in Winnenden, Esslingen und Fellbach sowie einem Onlinehandel. Mehr als 50 Schokoladensorten mit so verheißungs­vollen ­Namen wie „Meeresbrise“ „Tatkraft“ oder „Lebensfreude“ gibt es da zu kaufen. Dazu Pralinen und jetzt – bei unserem Besuch kurz vor Ostern – jede Menge Schokohasen.

Doch wenn man Maurer so wuseln sieht, in ihrer Schokoladenküche, sie beobachtet beim Kommissionieren und schließlich an ihrem Stand auf der Fellbacher Genussmesse, dann wird klar: Nichts kam von selbst. Alles ist das Ergebnis ­harter Arbeit und großer Leidenschaft. Ist es also schwäbische (oder weibliche) ­Bescheidenheit wenn sie behauptet, alles sei ihr zugefallen?

Confiserie in Winnenden

Was Maurer meint, versteht man, wenn man ihre Geschichte erfährt: „Meine Kita war die Backstube“, erzählt sie und meint die bekannte Familienbäckerei. Nach ihrer Ausbildung übernahm sie die Pralinenproduktion nach alten Familienrezepten und 1993 das neu eröffnete
Ladengeschäft am Winnender Markt.

2016, da waren die beiden Söhne schon erwachsen, bot sich die Möglichkeit, ­einen Laden in der Fellbacher Markthalle zu eröffnen. Der Standort erwies sich dann zwar als ungünstig, weil der Schoko­ladenduft zwischen all dem Fisch und Knoblauch unterging. Aber aufgeben kam nicht in Frage: Ulli`s Confiserie bezog einfach einen neuen Laden.

Vor zwei Jahren erfuhr Maurer, dass das alteingesessene Süßwarengeschäft Haaga in Esslingen altershalber schließen würde. „So einn Laden darf man doch nicht unter­gehen lassen!“, sagte sie sich und ­telefonierte lange mit dem Besitzer. Das Resultat: Sie übernimmt Haaga. Doch als alles in trockenen Tüchern schien, traten technische Probleme auf, die nicht so schnell zu beheben waren. Was tun? Schließlich war die Ware für das bevorstehende Weihnachtgeschäft schon bestellt.

Esslinger Hutladen wird Schokoladengeschäft

Wieder kam die Lösung quasi von selbst: Auf dem Weg zurück zum Auto fiel Maurer der schöne alte Hutladen auf der Esslinger Brücke auf, der schon eine Weile leer stand. Kurz entschlossen mietete sie ihn – inklusive der historischen Einrichtung.

Die Leitung vertraute sie ihrer ehema­ligen Auszubildenden an. Initiativbewerbungen von Verkäuferinnen trudelten – man ahnt es – von selbst ein: Der QR- Code am Schaufenster genügte. Seither geben sich Esslinger und Touristen die Klinke in die Hand.

Meine Kita war die Backstube.

Da hatte Maurer schon beschlossen, nicht länger nur den Verkauf zu organisieren, sondern ihren Meisterbrief wieder zu nutzen, um selber bei der Produktion ihres Sortiments Hand anzulegen. Sie flieste den Raum hinter dem ­Laden in Winnenden, schaffte ­Maschinen an und produziert seither ihre Pralinen und Schokolade in der eigenen Manufaktur.

Also wirklich „alles von selbst gekommen“? Wohl eher das Glück der Tüchtigen! Günstige Gelegenheiten sind schließlich das eine, sie zu ergreifen und zum Erfolg zu führen, die wahre Herausforderung.
Wobei harte Arbeit allein nicht ausreicht, wenn das nicht stimmt, was man heute Mindset nennt. Bei Ulrike Maurer ist es der Wunsch, den Kunden einen Genuss zu bieten, der zu ihrer Lebensfreude beiträgt. Dazu gehört die Überzeugung, in so schwierigen Zeiten wie den heutigen etwas anzubieten, was Sicherheit und Trost schenkt, weil es schon immer so war. Ein Symbol dafür sind die bunten Schleifen, mit denen Maurer jede ­Packung verschließt, jeden Osterhasen verziert: Sie müssen immer exakt gleich aussehen.

Regionale und nachhaltige Produkte verwendet

Ein bisschen dazu beitragen, dass die Welt ein besserer Ort wird, das will Maurer aber nicht nur mit den leckeren Pralinen und der liebevollen Verpackung, sondern auch dadurch, dass sie möglichst regionale und nachhaltige Produkte verwendet. Der Eierlikör in den Ostereiern kommt beispielsweise aus Bergelen. Die Kuvertüre, die Basis all ihrer Produkte, kommt aus der Schweiz und wird aus fair gehandeltem Kakao aus ökologischem Anbau hergestellt. Produziert werden die süßen Schätze ausschließlich in Winnenden und ausschließlich in Hand-
arbeit.

Ist es nicht wahnsinnig anstrengend, zusätzlich zur Produktion und zur betrieblichen Organisation einer Firma mit 20 Mitarbeitern auch noch die Filialen selbst beliefern zu müssen? „Nein“, sagt Ulrike Maurer, „der Abstand tut mir sogar gut. Während der Fahrt kann ich nachdenken und Dinge im Kopf ordnen.“

Wenn sie dann in den Läden ankommt, atmet sie erst einmal tief durch: Schon der Duft nach Schokolade macht glücklich.

Dr. Annja Maga, Redakteurin Magazin Wirtschaft und Mawi-on
annja.maga@stuttgart.ihk.de

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