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KI, Klassenzimmer und die Frage nach der Zukunft des Lernens

20.Mai 2026 | 7 Min. Lesezeit | Fachkräfte |
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Im Rahmen der IHK-Reihe Schulleitung trifft Wirtschaft diskutierten im IHK-Haus in Stuttgart Vertreterinnen und Vertreter allgemeinbildender und beruflicher Schulen sowie Wirtschaftsvertreter über die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) im Schulalltag. Der Fokus lag auf der Frage, wie junge Menschen heute eigentlich lernen und wie sich Schulen darauf einstellen sollten.
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Das Ziel der neuen Veranstaltungsreihe umrissen IHK-Vizepräsident Dr. Thorsten Pilgrim und stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Andrea Bosch: Schule und berufliche Realität dürfen sich nicht auseinanderentwickeln.
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„KI wird bleiben und uns alle transformieren“, so die Botschaft von Professor Karl-Heinz Gerholz, Wirtschaftspädagoge von der Universität Bamberg.

Wie lernen junge Menschen heute eigentlich? Wie können und müssen sich Schulen darauf einstellen? Und wie kann eine Ausbildung aussehen, damit sie zu dieser Generation passt und die jungen Menschen erreicht? Um genau solche Fragen ging es bei der Auftaktveranstaltung der neuen IHK-Reihe „Schulleitung trifft Wirtschaft“ im  IHK-Haus im Stuttgart.

Vertreterinnen und Vertreter allgemeinbildender und beruflicher Schulen trafen dort auf Einladung der IHK auf Wirtschaftsvertreter – bewusst im kleinen Rahmen und mit viel Raum für Diskussionen. Im Mittelpunkt des ersten Abends stand ein Thema, das aktuell omnipräsent ist: Künstliche Intelligenz im Schulalltag.

„Wir arbeiten eigentlich alle am gleichen Ziel“, sagte IHK-Vizepräsident Thorsten Pilgrim zur Begrüßung. Schule und berufliche Realität dürften sich nicht auseinanderentwickeln. Junge Menschen müssten nicht nur auf einen konkreten Beruf vorbereitet werden, sondern auf eine Arbeitswelt, die sich ständig verändert. Lebenslanges Lernen werde deshalb immer wichtiger.

Die neue Veranstaltungsreihe, so erläuterte Andrea Bosch, Abteilungsleiterin Berufliche Bildung und Fachkräfte sowie stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK, soll künftig zweimal im Jahr stattfinden und Schulen sowie Wirtschaft enger vernetzen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, Digitalisierung und KI brauche es einen direkten Austausch darüber, welche Kompetenzen junge Menschen künftig wirklich benötigen.

Alle müssen lernen KI sinnvoll einzusetzen

Den fachlichen Impuls des Abends lieferte Professor Karl-Heinz Gerholz von der Universität Bamberg. Seine Botschaft war klar: KI sei keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern werde Schule, Lernen und Arbeitswelt dauerhaft verändern. „KI wird bleiben und uns alle transformieren“, sagte der Wirtschaftspädagoge. Statt die Technologie als Bedrohung zu sehen, müsse man lernen, sinnvoll mit ihr umzugehen.

Gleich zu Beginn demonstrierte Gerholz, wie schnell sich mit KI Inhalte erstellen lassen: Ein Lernvideo mit einem digitalen Avatar hatte er nach eigenen Angaben in nur 30 Sekunden produziert. Genau darin liege das Potenzial – KI könne Lehrkräfte entlasten und Prozesse deutlich effizienter machen.

Dabei machte der Professor aber auch deutlich: KI könne zwar Muster erkennen, Daten analysieren und Inhalte generieren – menschliche Fähigkeiten wie Empathie, Kreativität oder gesunder Menschenverstand blieben trotzdem unverzichtbar. Die Zukunft liege deshalb in einer engen Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI.

Reicht künftig Wissen – oder zählt der Umgang damit?

Besonders intensiv diskutiert wurde an diesem Abend eine provokante Frage: Welche Grundfähigkeiten brauchen junge Menschen künftig überhaupt noch? Wenn die KI Texte zusammenfasst, Fremdsprachen übersetzt oder Rechenaufgaben löst – welche Rolle spielen dann klassische Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen? Gerholz plädierte dafür, digitale Grundfähigkeiten stärker mitzudenken. Schülerinnen und Schüler müssten lernen, KI kritisch zu hinterfragen und sinnvoll einzusetzen – statt sie einfach nur als „Antwortmaschine“ zu nutzen.

Denn genau darin sieht der Wissenschaftler aktuell eine große Gefahr: Viele Jugendliche übernehmen KI-Ergebnisse ungeprüft. Das könne langfristig zu einem Verlust eigener Fähigkeiten führen – dem sogenannten „Deskilling“. KI müsse deshalb eher als Sparringspartner verstanden werden: als Werkzeug, mit dem man gemeinsam arbeitet, diskutiert und Lösungen entwickelt.

Gerholz forderte zudem, dass Lehrkräfte stärker als Vorbilder auftreten sollten. Viele Jugendliche lernten den Umgang mit KI derzeit vor allem über Social Media – deutlich seltener über die Schule.

Lernen funktioniert heute anders

Spannend wurde es immer dann, wenn es um die Lerngewohnheiten der jungen Generation ging. Laut Gerholz wachsen heutige Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in einer realen und digitalen Welt auf. Das beeinflusse auch ihr Lernverhalten. Die Generation Z und Alpha arbeite häufig nicht mehr linear, sondern springe zwischen verschiedenen Informationskanälen hin und her. Kurze Aufmerksamkeitsspannen, schnelle Feedbacks und digitale Kommunikation prägten den Alltag. Lernen finde oft kollaborativ und virtuell statt.

Für Schulen bedeute das jedoch eine große Herausforderung. Unterricht müsse stärker in kleineren Einheiten gedacht werden, schnelleres Feedback bieten und digitale Werkzeuge sinnvoll integrieren. „Microlearning“ und moderne Lernformate könnten dabei helfen, junge Menschen besser zu erreichen.

Zwischen Begeisterung und Sorge

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven auf KI und Digitalisierung teilweise noch sind.

Mehrere Schulleitungen warnten davor, dass bei aller Begeisterung wichtige Grundlagen verloren gehen könnten. Wer Ergebnisse von KI nicht mehr selbst überprüfen könne, verliere wichtige Kompetenzen im logischen Denken und Einschätzen. Gerade das Basiswissen sei aber weiterhin entscheidend.

Auch das Thema Smartphone-Nutzung sorgte für Diskussionen. Während manche Schulen bewusst stärker auf Einschränkungen setzen, plädierte Gerholz dafür, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Regeln zu entwickeln, statt nur zu verbieten. Medienkompetenz entstehe nicht automatisch durch Verbote, sondern durch einen reflektierten Umgang mit den vorhandenen Möglichkeiten.

Schulleitungen gewinnen mehr Zeit für Menschen

Ein weiterer Aspekt des Abends: KI könne nicht nur im Unterricht helfen, sondern auch Schulleitungen entlasten. Viele Verwaltungs- und Kommunikationsaufgaben ließen sich automatisieren. Die gewonnene Zeit könne dann stärker in das investiert werden, was KI nicht ersetzen könne: Beziehungsarbeit.

Genau darum ging es letztlich auch bei der neuen Veranstaltungsreihe der IHK: Menschen zusammenzubringen, Perspektiven auszutauschen und gemeinsam über die Zukunft von Bildung und Arbeit nachzudenken.

Denn eines wurde an diesem Abend deutlich: Die Frage ist längst nicht mehr, ob KI Schule und Ausbildung verändert – sondern wie Schulen und Unternehmen diesen Wandel gemeinsam gestalten.

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