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Wie eine Ausbildung Philipp Schindler zum Unternehmer machte
25.Juni 2026 | 6 Min. Lesezeit | Ausbildung, Gesichter der Wirtschaft, Start-Ups |Autor: Dr. Annja Maga
Theoretisch wissen es alle: Eine Berufsausbildung ist eine gute Basis für eine berufliche Karriere. 86 Prozent aller 14- bis 25-Jährigen stimmte dem beispielsweise zu, als sie von der Bertelsmann-Stiftung kürzlich repräsentativ dazu befragt wurden. Wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben, schreiben sich dann aber doch viele lieber an einer Uni ein.
Vielleicht liegt das daran, dass es nicht genug sichtbare Vorbilder dafür gibt, was man mit einer guten Ausbildung erreichen kann. Vorbilder wie Philipp Schindler.
Erst Realschule dann Ausbildung
Nach der Realschule startete der Nellinger eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei einem Händler für Computer-Spiele. Dort bekam er schnell Verantwortung für die Filiale – und Spaß machte das Thema dem jungen Mann natürlich auch. Ab den 10er- Jahren wurden Games nicht mehr im Einzelhandel verkauft. Der Laden schloss. Doch für Schindler war das kein Problem. Quasi sofort wurde er von Lidl übernommen. „Das war aber eine ganz andere Baustelle, weil ich kaum Kundengespräche hatte“, erinnert er sich. Die vermisste er so sehr, dass er nach einem halben Jahr zu Vodafone nach Stuttgart wechselte.
Chef: "Mach den Handelsfachwirt"
Sein dortiger Chef sah sein Potenzial und ermutigte ihn, den Handelsfachwirt und den Ausbilderschein zu machen – beides bei der IHK. Zudem übernahm Schindler zusammen mit zwei Kolleginnen die Leitung von insgesamt zehn Shops.
„Da habe ich einen Geschmack bekommen, was alle möglich ist“, erinnert sich der 35-Jährige. Konkret: Er begann ein Fernstudium in BWL. Parallel wechselte er zu einem Personaldienstleister, wo er die Lohn- sachbearbeitung übernahm, und dann zu Mercedes.
Ein Bezahlarmband für Obdachlose
Das „Geschmack“ verschwand nicht, im Gegenteil: Als Schindler den Bachelor in der Tasche hatte, reizte ihn ein neuer Gedanke – nicht der nach dem Master, sondern der nach Selbständigkeit. Eine Idee hatte er auch schon: Ein Bezahlarmband für Obdachlose, damit man ihnen bargeldlos spenden kann: „Ich muss so oft sagen, sorry, ich habe kein Kleingeld dabei“, erklärt Schindler seine Motivation. Die Idee fand Anklang bei vielen relevanten Playern bis hin nach Berlin. Doch letztlich war das Projekt rechtlich nicht realisierbar.
Auf seine nächste Geschäftsidee kam Schindler wieder aus eigener Erfahrung: Um seinen Alltag bewusster zu gestalten, hatte er sich schon ausführlich mit gesunder Ernährung beschäftigt. Besonders angetan hatten es ihm die Shots, die er sich auf dem Entsafter herstellte, den er bei seiner Schwiegermutter aus dem Keller geholt hatte: „Die taten mir so gut, dass ich sie gern auch anderen anbieten wollte.“
Säfte ganz ohne Zusätze
Der Clou seiner Säfte besteht darin, dass sie ganz ohne Zusätze auskommen – nur Gemüse und Obst im Verhältnis 80:20. Vor allem aber sind sie nicht durch Hitze pasteurisiert, was den Vitaminen zusetzt. Doch wenn man die Säfte verkaufen will, müssen sie haltbar sein.
Auf der Suche nach einer passenden Methode entdeckte Schindler das Schockfrosten, bei dem die Säfte mit hohem Tempo auf minus 50 Grad gefroren werden. Er fand sogar ganz in der Nähe einen Dienstleister, der das anbot, nämlich Briem in Filderstadt.
Was folgte, kennt jeder Gründer: Businessplan, Bankengespräch etc. – immer beraten durch IHK und Sparkasse. So kam er auch auf die Idee, das notwendige Kapital über ein „cooles Förderprogramm“ der MBG zu besorgen, ein Mikro-Mezzanin.
Vrots=„Vegetable ready-to-use shots“
Am 1. Juli 2025 gründete Philipp Schindler die Vrots e.K, wobei Vrots für „Vegetable ready-to-use shots“ steht. Ein halbes Jahr später waren die ersten 1200 Flaschen in vier Geschmacksrichtungen verkaufsfertig. Viele lieferte er als Testprodukte an Co-Working-Spaces und an eine Kantine. Die übrigen verkaufte er über Social Media und auf dem Wochenmarkt.
Allerdings musste der Gründer schon bald den Lieferanten wechseln, weil Briem das Verfahren einstellte. Mit einem norddeutschen Lohnabfüller fand der Gründer aber einen Produzenten, der ihm das gesamte Doing abnimmt – von der Ernte bis zur Logistik. So kann er sich, ähnlich wie Red Bull, ganz auf Marketing und Absatz konzentrieren. Allerdings: statt schockgefrostet kommen die Säfte nun hochdruckpasteurisiert daher. Aber auch das geht vitaminschonend ohne Erhitzen. Mittlerweile sind die Säfte auch bio-zertifiziert.
Als geborener und gelernter Verkäufer hat Schindler keine Scheu, seine Produkte den großen Supermarkt- und Drogeriemarktketten vorzustellen. Mit durchaus positivem Feedback: „Ich soll erst mal laufen
lernen. Dann darf ich mich gern wieder melden“, lautete das Ergebnis.
Die IHK ist die erste Adresse in Sachen Ausbildung und Gründungsberatung in der Region Stuttgart.
Dr. Annja Maga,
IHK-Redakteurin Magazin Wirtschaft und Mawi-on
annja.maga@stuttgart.ihk.de
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