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Im Auftrag der Wirtschaft: Axel Kunkel

08.Apr. 2026 | 13 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Standort |
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Seit einem Jahr ist Axel Kunkel ehrenamtlich Präsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Versicherungsmaklers ist einer, der lieber anpackt als abwartet, lieber zuhört als lautstark protestiert – und der sich mit spürbarer Überzeugung für die Unternehmen in seiner Region einsetzt. Ein Porträt über einen Präsidenten, der Netzwerke liebt, politische Beharrlichkeit für nötig hält und montagabends mit seiner Frau im Chor singt.
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Die Führung der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg (von links): Vizepräsidentin Birgit Werner-Walz, Präsident Axel Kunkel, Geschäftsführerin Sigrid Zimmerling und Vizepräsident Jens Kenserski.

Die Montagabende sind blockiert. Aus gutem Grund. Dann geht Axel Kunkel zur Chorprobe. „Ohne Singen kann ich nicht leben“, sagt er und strahlt. Gemeinsam mit seiner Frau, mit der er seit 29 Jahren liiert ist steht der 45-Jährige dann bei den Abendsternen Ludwigsburg im Probenraum. „Das ist auch unsere Ehezeit“, sagt Kunkel. Auf vieles andere hat er in den vergangenen Monaten weitgehend verzichtet. Freizeit zum Beispiel. Doch der Montagtermin bleibt – wenn auch nur irgendwie möglich – unangetastet.

Axel Kunkel hat vor einem Jahr ein Ehrenamt übernommen, das Zeit, Energie und Haltung verlangt: Er ist Präsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg. Ein bis zwei Tage pro Woche investiert er nach eigenen Worten dafür – zusätzlich zu seinem Beruf als Geschäftsführer der Daiss Versicherungsmakler GmbH in Freiberg am Neckar. „Aber es ist gut investierte Zeit“, sagt er. „Wenn ich so ein Amt mache, dann möchte ich auch wirklich mit Herzblut dahinterstehen – und nicht schieben und delegieren.“

Genau dieser Satz passt gut zu ihm. Kunkel wirkt nicht wie jemand, der sich mit dem repräsentativen Titel schmücken will. Eher wie einer, der genau wissen will, was in den Betrieben los ist. Einer, der rausgeht, fragt, zuhört, sich einmischt. „Das Schöne ist: Ich mache es ja nicht alleine“, sagt er. Die Bezirkskammer in Ludwigsburg sei stark aufgestellt, die Zusammenarbeit mit den rund 30 hauptamtlichen IHK-Mitarbeitenden vor Ort eng und vertrauensvoll. Besonders wichtig ist ihm dabei die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführerin: „Sigrid Zimmerling verantwortet das hier mit großer Nähe zur Region. Wir spielen uns da die Bälle sehr gut zu.“

„Vertrauen“ ist ein Wort, das bei Kunkel immer wieder fällt. Im Beruf, im Ehrenamt, im Umgang mit Menschen. Dass er einmal in der Versicherungsbranche landen würde, war dabei keineswegs von Anfang an ausgemacht. Klar war nur: Es sollte etwas Kaufmännisches sein, möglichst im Finanzbereich. Geprägt war das auch durch die Familie. Sein Vater war Jahrzehnte Vorstand der Kreissparkasse Ludwigsburg. Gerade deshalb schloss Kunkel den Weg in die Bankenwelt für sich früh aus. „Da hätte ich nie neutral starten können“, sagt er. „Da wäre ich immer der Sohn von gewesen.“

Sohn des langjährigen Sparkassendirektors – das war ihm zu wenig

Also suchte er einen eigenen Weg – und fand ihn eher zufällig. Eine Stellenanzeige für ein duales Studium bei dem damaligen Versicherungsmakler Gradmann und Holler, heute Marsh, brachte ihn auf die Spur. Er studierte an der damaligen Berufsakademie, arbeitete anschließend im Bereich internationale Haftpflichtversicherung – und merkte schnell, dass er zwar Fachlichkeit schätzt, dass sie ihm alleine nicht ausreichen würde. Ihn reizten auch Führung, Strategie, Vertrieb, Gestaltung. 2007 wechselte er zu seinem heutigen Arbeitgeber. Seit fast 19 Jahren ist er dort, seit mehr als zehn Jahren in der Geschäftsleitung. Das Unternehmen betreut mit rund 30 Mitarbeitenden Firmen- und Privatkunden, vor allem im süddeutschen Raum und mit klarem Fokus auf den schwäbischen Mittelstand.

Dass Kunkel für diese Welt brennt, merkt man schnell. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun“, sagt er. „Und wir schaffen Sicherheit, Planungssicherheit für Unternehmen.“ Gerade weil Versicherungen häufig mit Vorurteilen belegt seien, sei es ihm wichtig zu zeigen, „dass es anders geht“: verlässlich, langfristig, lösungsorientiert. „Wir sind Problemlöser und Risikomanager“, sagt er. „Und jeder Tag ist anders.“

Über die Ludwigsburger Wirtschaftsjunioren zur IHK

Der Weg zur IHK führte über die Wirtschaftsjunioren. Dort engagierte sich Kunkel über Jahre – viele davon im Vorstand. Dort lernte er auch, wie wichtig Netzwerke, Debatten und gemeinsame Interessenvertretung sind. Mit dem Einstieg von Sigrid Zimmerling in die Ludwigsburger Geschäftsführung vor rund zehn Jahren intensivierte sich der Kontakt zur Kammer. Kunkel wurde Kreissprecher, Mitglied der Bezirksversammlung – und irgendwann auch ein Kandidat für das Präsidentenamt. „Es war schon meine eigene Entscheidung“, sagt er. „Aber natürlich gab es immer wieder Menschen, die gesagt haben: Das wäre doch auch mal was für dich.“

Als klar war, dass Julian Pflugfelder nicht erneut kandidieren würde, fiel bei Kunkel die Entscheidung. Seitdem ist er das Gesicht der IHK in Ludwigsburg – und das in einer wirtschaftlich unruhigen Zeit. Die Erwartungen an das Amt hätten sich im Großen und Ganzen mit der Realität gedeckt, sagt er. Dass es fordernd werden würde, habe er gewusst: „Aber der Aufgabe und der Herausforderung stelle ich mich gerne.“

Und Herausforderungen gibt es genug. Kunkel beschreibt den Wirtschaftsstandort Ludwigsburg dennoch mit spürbarer Zuneigung. Der Landkreis sei eine „tolle Kombination“: mit starker industrieller Basis, traditionsreichen Familienunternehmen, Hidden Champions und vielen kleineren Betrieben, die in ihren Nischen erfolgreich sind. Neben Automobil und Maschinenbau seien längst Zukunftsbranchen stark vertreten – Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung. „Wir haben hier die Schaffer, die Tüftler, die Denker, die machen wollen“, sagt er. Besonders beeindrucke ihn immer wieder die innere Haltung vieler Unternehmerinnen und Unternehmer: „Auch wenn die Bandagen hart sind, krempeln die die Ärmel hoch.“

Kunkel nennt auch konkrete Leuchttürme. Da ist Trumpf als international sichtbarer Innovationsmotor. Da ist Roche im Bereich Medizintechnik. Und da sind die Filmakademie Baden-Württemberg und die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, die für einen Kreativstandort mit Strahlkraft stehen. Gerade die Kreativwirtschaft hat die IHK in der Region Stuttgart mit Blick auf Ludwigsburg als besonderes Schwerpunktthema gesetzt. Die Idee dahinter: klassische Wirtschaft und kreative Branchen sollen enger zusammenarbeiten.

IHK weist unermüdlich auf Probleme hin

So viel Potenzial ist also vorhanden – und doch gibt es auch etliche Baustellen. Kunkel spricht offen über Standortprobleme: über die Abhängigkeit mancher Zulieferer, über knappen und teuren Wohnraum, über fehlende Kinderbetreuung und über den schleppenden Ausbau der Infrastruktur. Selbst betrieblicher Wohnungsbau scheitere oft an hohen Hürden. „Ein Unternehmer, der wachsen möchte und seine Belegschaft halten will, hat diese Überlegungen“, sagt er. „Aber wenn dann keine Grundstücke zur Verfügung stehen oder die Auflagen zu hoch sind, kommen manche an Grenzen.“

Dass die IHK dabei nicht jede Forderung sofort durchsetzen kann, weiß Kunkel. „Grenzen sind in der politischen Landschaft natürlich gegeben“, sagt er. Einerseits werde die IHK als Stimme der Wirtschaft wahrgenommen und ernst genommen – bei Unternehmen, Kommunen und in der Politik. Andererseits dauere es oft quälend lange, bis aus Einsicht auch Umsetzung werde. „Frustrierend und kraftzehrend ist, wenn man Dinge immer wieder wiederholen muss“, sagt er. Aufgeben ist für ihn trotzdem keine Option. „Dann machen wir eben weiter und erhöhen den Druck und die Schlagzahl.“

IHK-Jahresempfänge als Top-Events im Kalender

Zu den schönsten Erlebnissen seines ersten Jahres zählt Kunkel die Jahresempfänge der Bezirkskammer. Für ihn sind sie weit mehr als ein Pflichttermin. Sie seien ein Ereignis, das in Ludwigsburg wahrgenommen werde – wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich. „Das ist schon ein Top-Event im Veranstaltungskalender“, sagt er nicht ohne Stolz. Vor allem aber seien solche Formate Ausdruck dessen, was ihm besonders wichtig ist: Menschen zusammenbringen. Austausch ermöglichen. Netzwerke stärken. „Das Thema Netzwerk hat für mich einen extrem hohen Stellenwert.“

Vielleicht passt genau das am besten zu Axel Kunkel: Er verbindet nicht nur Funktionen, sondern auch Menschen. Den Geschäftsführer und den Ehrenamtlichen. Den Interessenvertreter und den Zuhörer. Den Familienvater von drei Teenagern und den Präsidenten, der viele Feierabende für die Region opfert, in der er lebt und die er sichtbar schätzt. „Ich bin ein Kind der Region“, sagt er. „Und ich werde das immer bleiben.“

Und worüber freut sich einer wie er am meisten? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Über gute Gespräche.“ Über solche, aus denen etwas entsteht. Ein neuer Gedanke. Ein Impuls. Eine Verbindung. Vielleicht ist das die eigentliche Klammer in seinem Leben – im Beruf, im Ehrenamt, im Privaten. Und montagabends dann eben auch im Chor.

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