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Im Auftrag der Wirtschaft: Andreas Weeber
23.Apr. 2026 | 14 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Standort |Autor: Kai Holoch
Andreas Weeber – Unternehmer und Präsident
Privat
Andreas Weeber, Jahrgang 1978, ist im Landkreis Böblingen fest verwurzelt. Geboren in Leonberg und aufgewachsen in Weil der Stadt, lebt er dort mit seiner Familie. Er ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Ausgleich zum Berufsalltag findet er vor allem in der Natur – beim Skifahren, beim Spaziergang mit dem Hund oder auf dem Golfplatz.
Beruf
Als Inhaber und Geschäftsführer der Weeber Mobilitätsgruppe führt er ein traditionsreiches Familienunternehmen, das sich über Generationen hinweg stetig weiterentwickelt hat. Ausgehend von einer Schmiede ist daraus ein moderner Mobilitätsdienstleister entstanden. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 750 Mitarbeitende an 14 Standorten und deckt ein breites Spektrum von Automobilen über Motorräder bis hin zu E-Bikes ab.
Ehrenamt
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagiert sich Weeber ehrenamtlich als Präsident der IHK-Bezirkskammer Böblingen. In dieser Funktion vertritt er die Interessen von mehr als 14000 Unternehmen im Landkreis und bringt sich aktiv in wirtschaftspolitische Themen der Region ein. Sein Anspruch: mitgestalten, vernetzen und Impulse setzen.
Haltung
Sein persönliches Motto beschreibt seine Arbeitsweise treffend: „Wir begeistern Menschen.“ Dahinter steht die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und Verantwortung für Mitarbeitende, Kunden und die Region untrennbar zusammengehören.
An manchen Abenden, wenn er mal Zeit fürs Golfen findet, braucht Andreas Weeber keinen langen Tagesrückblick. Dann reichen ein paar Abschläge. „Ich merke da ganz genau: Wie lief mein Geschäftstag? Hatte ich Stress, hatte ich Konflikte oder lief es gut? Dementsprechend fliegen auch die Bälle“, sagt er. Ein Satz, halb augenzwinkernd, halb ernst gemeint – und ziemlich passend für jemanden, der viel Verantwortung übernimmt und sich selbst dabei genau beobachtet. Einer, der Druck kennt, aber nicht lange hadert. Sondern weitermacht.
Schon als kleiner Junge, erzählt er, wusste er erstaunlich genau, wohin die Reise gehen soll. Bereits im Kindergarten hat er der Erzieherin stolz seinen Berufswunsch erzählt: „Ich möchte mal Chef werden.“ Heute ist der 48-Jährige genau das – Inhaber und Geschäftsführer der Weeber Mobilitätsgruppe in Weil der Stadt, Vater von drei Söhnen, Familienmensch und seit rund einem Jahr Präsident der IHK-Bezirkskammer Böblingen.
Ein Amt, das man nicht zwingend zusätzlich übernehmen muss. Aber eines, das ihm wichtig ist: „Man hat die Möglichkeit, Themen voranzutreiben, auch ein Stück weit mitzugestalten“, sagt Weeber. Und genau das reizt ihn. Das Netzwerk, der direkte Draht in Wirtschaft und Politik, die Möglichkeit, Impulse zu setzen für eine Region, mit der er eng verbunden ist.
Geboren in Leonberg, aufgewachsen in Weil der Stadt, ist Böblingen für Weeber weit mehr als bloß ein Wirtschaftsraum. Es ist Heimat. Einer, in dem sich wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität verbinden, in dem Vereine, kurze Wege und das Miteinander für ihn ebenso zählen wie starke Unternehmen. Neue Energie tankt er beim Spaziergang mit dem Hund, auf dem Fahrrad oder eben auf dem Golfplatz.
Beruflich ist sein Weg eng mit einer Familiengeschichte verbunden, die viel über den Wandel der Region erzählt. Der Ursprung des Unternehmens liegt mehr als 100 Jahre zurück – in einer Schmiede des Urgroßvaters. „Aus Pferdekutschen wurden Fahrräder, aus Fahrrädern Motorräder, aus Motorrädern Autos“, erzählt Weeber. Und weil Geschichte manchmal schöne Schleifen dreht, ist die Entwicklung noch nicht zu Ende: „Mittlerweile haben wir wieder Motorräder und Fahrräder.“ Für Weeber ist das kein nostalgischer Nebensatz, sondern beinahe eine Definition des eigenen Geschäftsmodells: „Im Prinzip waren wir schon immer Mobilitätsdienstleister – nur das Fortbewegungsmittel hat sich geändert.“
„Aus Pferdekutschen wurden Fahrräder, aus Fahrrädern Motorräder, aus Motorrädern Autos“
Andreas Weeber über die Geschichte seines Unternehmens
Dieser Satz sagt viel über seine Haltung aus. Tradition ja, Stillstand nein. Nach dem Abitur entschied er sich für einen Weg, der Theorie und Praxis konsequent verbindet: Studium zum Wirtschaftsingenieur in Ingolstadt, parallel eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Danach ging er ins Ausland, lernte bei Audi of America nahe Detroit die Herstellerseite kennen – „eine spannende Zeit und eine spannende Stadt“. 2003 stieg er in den elterlichen Betrieb ein.
Aus rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden seither etwa 760, aus dem Unternehmen eine breit aufgestellte Mobilitätsgruppe mit 14 Standorten. Vertreten sind die Marken des VW-Konzerns, dazu Hyundai Genesis, Lotus, Motorradmarken wie BMW, Yamaha und Lambretta, außerdem eine eigene E-Bike-Manufaktur. Es ist ein Wachstum mit einem klaren Blick auf Veränderung. Digitalisierung, neue Mobilitätsformen, Diversifizierung: All das ist bei Weeber keine Folie für Sonntagsreden, sondern tägliches Geschäft.
Seit Jahren reiht sich Herausforderung an Herausforderung
Und trotzdem: Leicht ist dieses Geschäft nicht. Fragt man den Unternehmer, ob er Krisen gespürt habe, antwortet er mit einem Satz, in dem Scherz und Ernst dicht beieinander liegen: „Die Frage wäre eigentlich: Wann hatten wir mal keine Krise?“ Lehman Brothers, Dieselthematik, Corona – für ihn reiht sich seit Jahren Herausforderung an Herausforderung. „Es wäre mal schön, wenn wir so ein ganz langweiliges Geschäftsjahr hätten, in dem mal nichts passiert“, sagt er.
Wirklich in Rage bringt ihn ohnehin weniger die Krise als die Bürokratie. Da wird Weeber deutlich. „Da fragt man sich, wer hat sich sowas ausgedacht oder warum gibt es das überhaupt?“ Allein in Baden-Württemberg gebe es 500 Berichtspflichten für Unternehmen, sagt Weeber. Menschen würden beschäftigt, „die nichts anderes machen, als Regularien zu erfüllen oder Dokumentationen zu erstellen“. Für ihn ist das Ressourcenverschwendung in Zeiten, in denen Fachkräfte an anderer Stelle dringend gebraucht würden. Sein plastischstes Beispiel: Autokaufverträge. „Früher haben vielleicht drei, vier Seiten gereicht. Mittlerweile sind wir bei über 120 Seiten. Da wird Verbraucherschutz auf die Spitze getrieben.“
IHK ermöglicht den Blick über die eigene Branche hinaus
Als Präsident der IHK-Bezirkskammer Böblingen trägt er diese Kritik nicht nur für sich vor, sondern für mehr als 24.000 Unternehmen. Er ist dabei einer, der Netzwerke schafft, zuhört, sich einarbeitet, Verantwortung übernimmt. Besonders wertvoll ist für ihn dabei der Blick über die eigene Branche hinaus. „Wir können viel von der Gastronomie oder im Bereich Kundenbetreuung lernen, wir können viel von produzierenden Unternehmen im Bereich Qualitätsmanagement und Organisation profitieren“, sagt er. Das Ehrenamt ist für ihn deshalb auch keine Einbahnstraße, sondern ein Lernraum.
Sein Ziel ist klar: „Dass wir auch weiterhin starker Wirtschaftsstandort bleiben hier in der Region Böblingen.“ Dafür brauche es politische Unterstützung. Die Dringlichkeit, findet Weeber, sei vielerorts noch nicht ausreichend angekommen. Zwar schätzt er die handelnden Personen im Landkreis, in den Kommunen und unter den Abgeordneten. Aber manchmal habe er den Eindruck, „dass sie teilweise gegen Windmühlen kämpfen“. Und auf Bundesebene fehle es noch zu oft an klaren Impulsen für die Wirtschaft.
Die Konzentration auf Automotive war einst ein Segen – und wird jetzt zur Belastung
Den Landkreis Böblingen sieht er zugleich realistisch und mit erkennbarem Stolz. Die starke Konzentration auf die Automobilindustrie sei lange ein Segen gewesen – mit Mercedes, Bosch und zahlreichen Zulieferern, dazu IT-Schwergewichte wie IBM und HP. Doch diese Stärke könne in schwächeren Phasen auch zur Belastung werden. „Natürlich würde ich mir schon eine breitere Aufstellung wünschen“, sagt er. Immerhin werde daran gearbeitet: mit KI-Förderung, Start-up-Strukturen und Innovationszentren. Als Leuchtturmprojekte nennt Weeber das Softwarezentrum, das früh ein Umfeld für neue Firmen geschaffen habe. „Wirklich wirtschaftliches Zukunftspotential sehe ich zudem in der zukünftigen Nutzung des ,alten‘ Klinikgeländes in Böblingen“, sagt Weeber. Auch hebt er Gemeinden wie Renningen, Holzgerlingen und Rutesheim hervor, weil sie sich stark für Gewerbe und Mittelstand engagierten.
Wirtschaftsstandort Böblingen – Stärken, Chancen und Herausforderungen
Stärken der Region
Der Landkreis Böblingen zählt zu den wirtschaftlich leistungsstärksten Regionen Deutschlands. Besonders prägend ist die starke industrielle Basis, allen voran im Automobilsektor. Große Unternehmen wie Mercedes-Benz und Bosch sowie internationale IT-Konzerne wie IBM und HP sorgen für hohe Innovationskraft und internationale Vernetzung. Gleichzeitig bildet ein leistungsfähiger Mittelstand das stabile Fundament der regionalen Wirtschaft.
Leuchtturmprojekte und Entwicklung
Impulse für die Zukunft sieht Andreas Weeber unter anderem im Softwarezentrum, das früh ein Umfeld für Start-ups geschaffen hat, sowie im neuen Klinikum. Ergänzt werden diese Strukturen durch engagierte Kommunen wie Renningen, Holzgerlingen und Rutesheim, die gezielt Gewerbeansiedlungen fördern und den Mittelstand stärken.
Herausforderungen
Trotz der wirtschaftlichen Stärke steht die Region vor spürbaren Herausforderungen. Die starke Konzentration auf die Automobilindustrie kann in schwächeren Phasen zur Belastung werden. Hinzu kommen steigende Energie- und Rohstoffpreise, Fachkräftemangel sowie eine wachsende Bürokratielast, die Unternehmen zunehmend bindet.
Blick nach vorn
Für die Zukunft hält Weeber eine breitere wirtschaftliche Aufstellung für entscheidend. Neue Technologien, internationale Märkte und stärkere Kooperationen zwischen Unternehmen könnten dabei helfen, Risiken zu streuen und Wachstum zu sichern. Voraussetzung bleibt aus seiner Sicht: verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen statt bremsen. Sorgen. Chancen sieht Kunkel besonders in Künstlicher Intelligenz und in einer stärkeren Vernetzung der Unternehmen.
Denn genau dort sieht er das Rückgrat der Region. „Die eigentliche Wirtschaftskraft bei uns kommt immer noch aus dem Mittelstand.“ Und dieser Mittelstand, das ist für Weeber kein abstrakter Begriff, sondern gelebte Erfahrung. Einerseits in seinem eigenen Unternehmen, andererseits in zahllosen Begegnungen als IHK-Präsident. Zu den schönsten Momenten zählen für ihn die Ehrungen junger Absolventinnen und Absolventen. Wenn sie nach ihrer Ausbildung strahlend ihre Auszeichnungen entgegennehmen, dann ist das für ihn mehr als ein Termin im Kalender: „Da wird mir auch um die Zukunft nicht bange.“
„Die eigentliche Wirtschaftskraft bei uns kommt immer noch aus dem Mittelstand.“
Andreas Weeber
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Andreas Weeber auszeichnet: Er ist ein pragmatische Unternehmer, der weiß, wie schwer Rahmenbedingungen wiegen können, und der zugleich Optimismus nicht für eine Floskel hält. Einer, der Herausforderungen benennt, ohne in Untergangsrhetorik zu verfallen. „Mir geht nie was schnell genug“, sagt er über sich selbst. Dann schiebt er fast entschuldigend hinterher, man müsse trotzdem möglichst viele mitnehmen.
Und dann ist da noch die Familie. Der Unternehmer spricht auffallend oft von Zuhause. Von den Kindern. Vom Hund. Vom Skifahren im Winter, seiner liebsten Urlaubszeit. Von der Natur. Vielleicht ist das die Bodenhaftung, die man braucht, wenn man in einer Region mit Weltkonzernen, Transformationsdruck und politischem Dauerstau Verantwortung übernimmt. Andreas Weeber jedenfalls wirkt nicht wie jemand, der sich davon beeindrucken lässt. Eher wie einer, der morgens aufsteht und denkt: Jetzt schauen wir mal, was heute möglich ist. Und abends zeigen dann die Golfbälle ziemlich ehrlich, wie der Tag wirklich war.