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Begrüßung beim Frühjahrsempfang der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr: IHK-Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre, Kapitän zur See Michael Giss und Moderator Michael Antwerpes.

IHK-Frühjahrsempfang Rems-Murr: Chef des Landeskommandos fordert mehr Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft gegen zunehmende Bedrohung

21.Apr. 2026 | 8 Min. Lesezeit | Politische Forderungen, Standort |
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Volles Haus, klare Botschaften: Beim Frühjahrsempfang der IHK Rems-Murr diskutierten über 550 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung die wachsenden Herausforderungen für den Standort Deutschland. Zwischen steigenden Insolvenzzahlen, Bürokratiefrust und Fachkräftemangel wurde vor allem eines deutlich: Es braucht echte Reformen und gemeinsames Handeln. Zugleich rückte die angespannte Sicherheitslage in Europa in den Fokus – mit einem eindringlichen Appell der Bundeswehr an Unternehmen und Gesellschaft, sich besser auf Krisen und militärische Bedrohungen vorzubereiten. Welche Maßnahmen jetzt entscheidend sind und warum Resilienz zum Schlüsselthema wird, lesen Sie hier.
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Kapitän zur See Michael Giss zog die rund 550 Gäste in seinen Bann.
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Interessierte fragen kamen aus dem Publikum nach dem Vortrag des Kapitäns.
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Trotz der ernsten Themen kam die Unterhaltung nicht zu kurz: das Soul-Duo David Whitley und Markus Herzer.

Über 550 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung konnte IHK-Präsident Claus Paal beim diesjährigen Frühjahrsempfang der Bezirkskammer Rems-Murr begrüßen. Ein Zeichen, dass der Netzwerktreff im Fellbacher Goldbergwerk von Jörg Rauschenberger „inzwischen zur Institution geworden“ sei, wie Moderator Michael Antwerpes bei der Begrüßung sagte.

Nach der Einstimmung durch das Soul-Duo David Whitley und Markus Herzer moderierte Antwerpes einen Trialog mit Claus Paal und Bezirkskammerchef Markus Beier. Thema: die schwierige wirtschaftliche und politische Lage, die Antwerpes an einer Zahl festmachte: Alle 22 Minuten meldet in Deutschland ein Unternehme Insolvenz an.

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IHK-Präsident Claus Paal im Trialog mit Bezirkskammer-Chef Markus Beier und Moderator Michael Antwerpes.

Selbst Paal, den der Moderator als einen, „der stets die Chancen sieht und Zuversicht ausstrahlt“ vorstellte, sieht gegenwärtig „überall Probleme“ Er wäre aber nicht Claus Paal, wenn er nicht nachgeschoben hätte: „Wir haben es in der Hand, dass es besser wird!“ Allerdings bedürfe es gemeinsamer Anstrengung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Paal auch bei der Bundesregierung. Insbesondere die 1000-Euro-Prämie das Entlastungspaket verärgere die Unternehmerschaft, die ohnehinunter zu hohen Standortkosten, zu viel Bürokratie und zu langsamen Verfahren leide. Auch das Vorhaben, die Energiesteuer für wenige Wochen abzusenken, helfe dem Standort nicht, kostet aber Unsummen. „Wir benötigen echte Reformen, keine Flickschusterei!“

Sehr erfreut zeigte sich der IHK-Präsident hingegen über die neue Landesregierung. Zumindest im Sondierungspapier der Koalition sah er gute Ansätze: „Alle Berichtspflichten abzuschaffen, das ist Spitze“, freute er sich und ergänzte, dass die IHK „nicht ganz unbeteiligt“ gewesen sei an solchen Ideen. Paal kündigte auch ein KI-Tool an, das EU-Verordnungen mit deutschen Ausführungsbestimmungen vergleichen wird, um herauszufinden, ob statt Brüssel doch Berlin für die überbordenden Bürokratie verantwortlich sei, „weil überall ein Goldrand dran soll.“

KI-Checks werden der IHK "aus der Hand gerissen"

Markus Beier ging in seinem Part vor allem auf die problematische Lage bei den Ausbildungszahlen ein und kündigte eine noch stärkere Beratung von Schülern, Eltern und Betrieben an. Das Bewusstsein dafür müsse gestärkt werden, dass „die Jugendlichen gebraucht werden und dass eine Ausbildung ihre Zukunft sichert“. Unter anderem starte diesen Sommer ein Ausbildungsmobil, das zum Beispiel auf Schulhöfen für die duale Ausbildung werben werde. Erfreut zeigte sich Beier über die Offenheit der Unternehmen für KI: Die KI-Checks, die die IHK anbiete würden „uns aus der Hand gerissen“.

Inhaltlicher Schwerpunkt des Frühlingsempfangs war die angespannte Sicherheitslage in Europa. Kapitän zur See Michael Giss, Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg der Bundeswehr legte dar, was Staat und Wirtschaft tun müssen, um resilient gegen die aktuellen Bedrohungen zu werden. Doch noch habe er den Eindruck, die Bevölkerung aber auch viele Firmen unterschätzen die Gefahr. Nach 30 Jahren, „in denen wir die Friedensdividende genossen haben, ist der Begriff „Krieg“ für viele Menschen unvorstellbar.

Doch „die Bedrohung ist real – und sie verschwindet nicht, nur weil wir sie ignorieren!“, mahnte er. Russische Angriffe auf Europa liefen längst – im Informationsraum, in Cybersystemen, zunehmend über hybride Operationen. Der Top-Offizier sieht auch keinerlei Anzeichen, dass Russland seine Strategie ändert, die zum Ziel habe, die liberalen Demokratien Westeuropas zu zersetzen. Auf Knopfdruck könne Putin 1,5 Millionen Soldaten „auf den Hof stellen“ die auf „Material bis zum Horizont“ zurückgreifen können. Europa sei aber auch im Zielradar Teherans, das nicht nur den islamistischen Terror steuere, sondern auch europäische Länder mit seinen Raketen erreichen könne.  

Unternehmen müssen den Ernstfall vorplanen

An die Unternehmen appellierte er,  alle möglichen Szenarien vorzuplanen, zum Beispiel wenn die Ostflanke der EU verstärkt werden müsse.  Dazu gehöre die simple Frage: Wie kommt mein Personal zur Arbeit, wenn Straßen und Autobanen von Militärfahrzeugen verstopft seien? Wer wird im Ernstfall eingezogen – zur Bundeswehr, zum Technischen Hilfswerk oder zur Zivilverteidigung? Wer würde ins Ausland zurückkehren? Und: Gibt es Beschäftigte, die dem Gegner näherstehen als unserem Land und von denen Risiken ausgehen könnten?

Ebenso sei die Politik gefordert. Sie müsse neue Verordnungen priorisieren, damit auch die Verwaltungen in Bund und Ländern Resilienz entwickeln könne. Immerhin, Baden-Württemberg habe da zuletzt Tempo gemacht. Das sei aber auch bitter nötig, weil das Wissen über Zivilverteidigung verloren gegangen sei und man in vielen Bereichen bei Null anfangen müsse, insbesondere bei der Versorgung der Bevölkerung, der Funktionsfähigkeit der Verwaltung, dem Schutz kritischer Infrastruktur und Luftschutz.

Die Unternehmer forderte er auf, den Blick vom Schreibtisch zu heben und als Staatsbürger Verantwortung zu übernehmen: im Unternehmen, mit Partnern, in der Familie über Risiken sprechen. Und zum Beispiel auch zu überlegen, welche überlebenswichtigen Güter man selbst im Lande mit eigenen Mitteln herstellen könnte. Die Industrie- und Handelskammern könnten hierbei wertvolle Unterstützung leisten. Besonders lobte er die positive Rolle der IHK Region Stuttgart als Vermittler zwischen Industrie und Streitkräften, sowie als Multiplikator und bei der Beratung der Firmen.

Alles in allem harte Kost, die vor ein paar Jahren wohl noch auf breite Ablehnung gestoßen wäre. Doch der abschließende Applaus und die Fragerunde zeigten, dass die Botschaft zumindest bei den Unternehmern aus dem Rems-Murr-Kreis angekommen ist. Viel Gesprächsstoff gab es also für den informellen Teils des Abends, dem Netzwerken bei Speis und Trank aus dem Remstal.

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