© Adler Asperg
Generationswechsel im Adler Asperg: „Wir machen das ohne Druck“
10.März 2026 | 4 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Nachfolge |Autor: Walter Beck
Im Hotel Restaurant Adler in Asperg (Kreis Ludwigsburg) steht die nächste Generation in den Startlöchern: Christian (61) und Dory Ottenbacher übergeben das Geschäft schrittweise an ihren einzigen Sohn Ricardo (28). Der Übergang wurde und wird sorgfältig vorbereitet.
Herr Ottenbacher senior, Sie führen den „Adler“ seit Jahrzehnten. Nun steht die fünfte Generation bereit. Wie fühlt es sich an, das Ruder langsam zu übergeben?
Christian Ottenbacher: Es ist ein gutes Gefühl, vorbereitet zu sein, wenn der Zeitpunkt kommt. Ricardo bringt frischen Wind und Ideen, die unsere Gäste heute erwarten. Aber ich bleibe noch an Bord, vor allem im administrativen Bereich.
Ricardo, Sie übernehmen seit April mehr Verantwor-tung im Betrieb. Was reizt Sie daran?
Ricardo Ottenbacher: Ich bin im Adler groß geworden und habe schon als Kind mit meiner Oma Plätze angewiesen. Eigentlich wollte ich nach dem Abi eine Pause machen, aber diese Idee hat meine Eltern nicht so sehr überzeugt… Stattdessen habe ich dann doch für ein halbes Jahr die Schubartstube auf dem Hohenasperg geleitet. Und ich habe schon gespürt: Ja, das ist schon meine Welt. Später im Studium an der Hotel School in Den Haag habe ich zunehmend verinnerlicht, wie international das Gastgewerbe denkt und arbeitet.
Herr Ottenbacher senior, wie schwer ist es, die Führung abzugeben – auch emotional?
Christian Ottenbacher: Natürlich fällt das nicht leicht. Der Adler ist unser Lebenswerk. Aber es hilft, dass Ricardo das Haus nicht nur kennt, sondern auch eigene Akzente setzt. Ich will zuerst die Personalverantwortung übergeben. Junge Mitarbeiter ticken heute anders und Ricardo tut sich damit nun einmal deutlich leichter.
Ricardo, Sie sprechen oft von neuen Konzepten. Was haben Sie vor?
Ricardo Ottenbacher: Wir wollen digitaler werden. Ich sehe großes Potenzial bei KI, etwa bei Dienstplänen oder Menükarten. Und ich will, dass wir flexibler auf Trends und neue Herausforderungen reagieren – wie damals, als ich während Corona im Adler die Außengastronomie auf dem Gehweg eröffnet habe. Auch unsere Popup-Locations in Stuttgart oder Berlin haben gezeigt, wie viel Spaß Innovation machen kann.
Gibt es schon einen konkreten Zeitpunkt für den Gene-rationenwechsel?
Christian Ottenbacher: Nein. Wir machen das ohne Druck. Wichtig ist, dass der Übergang funktioniert – nicht, wann er stattfindet. Meine Frau Dory und ich sind noch aktiv, aber Ricardo übernimmt Stück für Stück mehr Verantwortung.
Spürt man als Einzelkind einen besonderen Druck, die Familientradition fortzusetzen?
Ricardo Ottenbacher: Eher Verantwortung als Druck. Ich bin stolz, dass ich diese Chance habe. Fünf Generationen – das ist nicht selbstverständlich. Ich will den Adler weiterentwickeln, ohne seinen Charakter zu verlieren.
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