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Fest im Griff: Heike Kohn erzählt die Geschichte der Kohn Spannwerkzeuge GmbH in Rudersberg
07.Sep. 2026 | 6 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft, Nachfolge |Autor: Dr. Annja Maga
Heike Kohn, Geschäftsführerin der Kohn Spannwerkzeuge GmbH
in Rudersberg: Angefangen hat mein Opa Johannes Kohn 1951, als er die Hans Kohn Werkzeug- und Apparatebau gründete. Gleich im ersten Jahr hat er den vertikalen Wellenspannstock VWS 100 zum Patent angemeldet. Für Hahn und Kolb stelle er unter anderem Bohrmaschinenschraubstöcke in großen Stückzahlen her. Das Geschäft lief so gut, dass irgendwann die Werkstatt in Bad Cannstatt zu klein wurde. 1967 zog die Firma Kohn in eine ehemalige Landmaschinenfabrik hier in Rudersberg, wo wir bis heute produzieren.
1972 übernahm mein Vater die Geschäftsleitung. Auch er hieß Hans. Ansonsten hatte er eine andere Strategie als sein Vater: Während Opa vorwiegend gebrauchte Maschinen vom Schrotthändler kaufte, hat Vater in die allerneuesten technischen Entwicklungen investiert. Er ist auch gleich in die NC-Technik eingestiegen. Damals hat noch kaum jemand gewusst, was das überhaupt ist.
Mein Vater war nicht nur technisch ganz vorn dran, sondern auch ein absolut pfiffiger Tüftler. Und er legte Wert auf Effizienz, rationalisierte wo es ging. Aus dieser Kombination entstand dann seine erste Innovation.
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Ihn ärgerte es nämlich, dass er mit den damals gängigen Schraubstöcken immer nur je ein Werkstück spannen und bearbeiten konnte. So erfand er den Doppelspannstock. Fünf davon montierte er nebeneinander, sodass er von da an immer zehn Stücke auf einmal bearbeiten konnte.
Leider hat er es versäumt, ein Patent darauf anzumelden. Aber das war der Grundstein für unsere eigenen Produkte. Bis dahin waren wir nämlich vor allem als Lohnfertiger tätig.
Spezialfräser und eine Rundtaktmaschine werden entwickelt
Richtig gute Ideen hatte mein Vater! Probleme löste er sofort. Zum Beispiel als der Profilstahl, den wir für die Steuernocken eines Kunden brauchten, mit sechs Metern viel zu lang für unsere Werkshalle war. Da hat er einfach ein Loch in die Wand gebohrt. So konnten die Profile sauber zugeführt werden.
1989 schaffte er ein Bearbeitungszentrum mit achtfachem Palettenspeicher und 146 Werkzeugen an. Das war eine Hightech-Maschine. Plötzlich konnten wir die Produktion mannlos laufen lassen – Tag und Nacht.
Die Maschine kostete fast eine Million Mark, was damals unglaublich viel Geld war und wofür er ein Darlehen aufnehmen musste. Meine Mutter meinte „Hans, bist Du Dir sicher, dass Du Dich nicht übernimmst?“. Da hat er gemeint, „Heidi, bevor Kohn pleite geht, gehen noch ganz andere Firmen pleite“.
Multifunktionaler Spannstock wird Nachfolger des Doppelspannstocks
1999 meldete er als Nachfolger vom Doppelspannstock seinen multifunktionalen Spannstock „MFS-HD“ zum Patent an.
Nach meinem BWL-Studium bin ich 1992 ins Geschäft eingestiegen, wo meine Schwester schon tätig war.
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Im Jahr 2008 war die Absicht, mit einem ehemaligen Kunden eine Kooperation einzugehen, was letztlich dazu führte, dass 55 Prozent an diese Firma aus dem Ruhrgebiet verkauft wurden.
Leider lief dann einiges in die falsche Richtung. Zum Beispiel wurde eine Maschine gekauft, die für unsere Anforderungen schlecht geeignet war. Aber wenn man nur noch 45 Prozent besitzt, hat man eigentlich gar nichts mehr zu sagen.
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Heike Kohn mit einem historischen Produkt aus dem Hause Kohn.
Die Entscheidung des Anteilsverkaufs war im Nachhinein ein großer Fehler. Umso mehr war ich motiviert und habe wie ein Löwe um den Rückkauf der Firma gekämpft, was am Ende auch gelungen ist Seit 2011 sind wir wieder Herr im eigenen Hause. Seither bin ich Geschäftsführerin.
Der erste auswärtige Kunde saß in München
Mathias Galle, unser dienstältester Mitarbeiter, ist schon 49 Jahre bei uns. Er erinnert sich noch gut, wie stolz mein Opa war, als er das erste Mal etwas nach München verkauft hatte. Heute liefern wir nach ganz Europa. Unsere Stärken liegen in der Beratung und Entwicklung von kundenspezifischen Lösungen. Dafür gehen wir auf Messen, setzen aber auch auf Händler. Die Kunden wissen, dass sie bei uns Präzision, Qualität und Langlebigkeit bekommen.
Unsere Schraubstöcke halten oft länger als die Maschinen, auf denen sie befestigt sind. Das führt dazu, dass die Kunden diese für neue Maschinen weiterverwenden, sie also mehrere Maschinen überleben. Das ist gelebter Umweltschutz und ein echter Beitrag, die CO2-Emission über Jahrzehnte hinweg auf nahezu Null zu halten.
Unser Sohn Michael ist jetzt 23. Er hat Industriemechaniker gelernt, den Fachwirt und den Technischen Betriebswirt (IHK) draufgesattelt. Nun möchte er hier einsteigen, was mich ganz besonders freut, nachdem er bei unserer 75-jährigen Jubiläumsfeier Mitte Juni großen Zuspruch von Kunden bekam.
Aufgezeichnet von Dr. Annja Maga, Redakteurin von Magazin Wirtschaft und Mawi-on