© Annette Cardinale
Familienbetrieb baut die Lernwelt von morgen
09.Juni 2026 | 5 Min. Lesezeit | Ausbildung, Gesichter der Wirtschaft, Weiterbildung |Autor: Walter Beck
„Es ist toll, auf niemanden mehr angewiesen zu sein!“ In seiner Rolle als Junior-Chef fühlt sich Nico Kronberger sichtlich wohl. Bis vor zwei Jahren arbeitete der gelernte Elektrotechniker und Ingenieur für Mechatronik beim Automatisierungsspezialisten Festo, jetzt steht er an der Spitze seines eigenen Unternehmens: Die Adiro-GmbH, nur ein paar hundert Meter vom Festo-Ausbildungszentrum in Esslingen-Berkheim entfernt, konstruiert Anlagen für Lehrwerkstätten und Forschungslabors, baut kleinere Sondermaschinen und integriert Roboter in die Produktionsanlagen großer Unternehmen.
Auf niemanden angewiesen sein – so ganz stimmt das natürlich nicht. Da sind zum einen 25 Mitarbeiter. Und sein Vater Klaus, der gemeinsam mit ihm die Geschäfte führt. Die beiden bilden ein Team, nicht nur als Chefs, sondern auch als Teilhaber.
Geht das immer gut? Beide lächeln. „In unserer grundlegenden Philosophie sind wir sehr ähnlich“, so der Junior. „Im Detail gibt es manchmal natürlich unterschiedliche Vorstellungen“, ergänzt der Senior. Zum Beispiel darüber, was und in welchem Tempo digitalisiert werden soll. „Das sieht man mit 34 schon ein wenig anders als mit 65.“ Einig geworden sei man sich dabei noch immer.
Adiros Wurzeln liegen beim großen Nachbarn Festo
„Unsere Firma steht auf drei Säulen“, sagt Klaus Kronberger: „Automation, Didaktik und Robotik.“ Aus den Anfangsbuchstaben dieser Sparten leitet sich auch der Name des Unternehmens ab, das Kronberger 1990 mit zwei Teilhabern gegründet hat. Alle drei Gründer kamen vom großen Nachbarn Festo – wie später auch Sohn Nico.
Die wichtigste Säule ist die Didaktik. In Berufsschulen, Lehrwerkstätten oder überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen kommt es entscheidend darauf an, dass Auszubildende ihren späteren Arbeitsplatz so praxisnah wie möglich erleben. Freilich kann man die Azubis nicht an echten Produktionsanlagen üben lassen. Deshalb baut Adiro ganze Kläranlagen, auch Anlagen für die Getränkeproduktion und Wasseraufbereitung – voll funktionsfähig und aus echten Industriekomponenten – aber mehrere Nummern kleiner als das Original.
Automatisierung: Im Labor oft immer noch ein Fremdwort
Auch Hochschulen und Forschungsinstitute sind Kunden der Adiro-Didaktiksparte. „Forschung in Laboren ist bis heute meist noch reine Handarbeit“, so Nico Kronberger. Wissenschaftler verschwenden wertvolle Zeit mit manuellen Tätigkeiten wie pipettieren, anstatt neue Experimente planen zu können. Anhand ihrer Modellanlagen zeigen die Esslinger den Forscherinnen und Forschern, welche Möglichkeiten in der Automatisierung stecken. „Es sind zwei verschiedene Welten, die normalerweise kaum miteinander in Berührung kommen“, sagt der Junior-Chef.
Das Esslinger Familienunternehmen engagiert sich im Rahmen von Worldskills, dem internationalen Wettbewerb junger nichtakademischer Fachkräfte. Hier ist Adiro für den Bereich „Water Technology“ verantwortlich und hatte bei einem dreitägigen Training Ende April Nachwuchskräfte aus zehn Nationen zu Gast. „Der Bereich Wasser hat enorme Bedeutung für die weltweite Verbreitung von Umweltstandards“, so Nico Kronberger. „Wir reinigen Meere durch Bildung!“
„Es war immer mehr oder weniger klar, dass ich die Firma übernehmen würde. Ich wusste genau, was auf mich zukommt.“
Nico Kronberger
Erst seit 2024 gehört Adiro ganz den Kronbergers. Ein Kompagnon von Klaus Kronberger stieg 2003 aus. Und als sich der andere, Stephan Kühne, zur Ruhe setzen wollte, stand Nico bereit, ihn als Geschäftsführer und Gesellschafter zu ersetzen. „Es war immer mehr oder weniger klar, dass ich die Firma übernehmen würde“, sagt er. Denn weder sein Bruder noch die Kinder des früheren Teilhabers hatten Interesse, an der Führung des Familienunternehmens.
Noch profitiert Kronberger junior von der Erfahrung seines Vaters. Doch in naher Zukunft soll er die Führung allein übernehmen. Beide Familienunternehmer sind sich bewusst, dass dieser Generationswechsel in eine wirtschaftlich schwierige Zeit fällt. Aber Nico Kronberger fühlt sich gut vorbereitet: „Ich wusste genau, was auf mich zukommt.“
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