Claus Paal © IHK Region Stuttgart/Pressefoto Kraufmann
IHK-Präsident Claus Paal

Die neue Unsicherheit – kein Grund zum Verzagen!

02.Jan. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Aus den Unternehmen, Außenwirtschaft, Konjunktur, Politische Forderungen, Standort |
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„Mögest Du in interessanten Zeiten leben“ – im neuen Jahr werden sich viele Unternehmer an dieses maliziöse Sprichwort erinnern, das angeblich aus China stammt. Mit China oder vielmehr seiner wachsenden Macht in der Weltwirtschaft haben auch viele der Herausforderungen zu tun, mit denen die Unternehmen derzeit kämpfen – auch hier in der Region Stuttgart.

Denn vorbei sind die Zeiten, in denen die internationale Arbeitsteilung einem Abo auf wachsenden Wohlstand für alle Beteiligten glich. Aus der einstigen Win-win-Situation ist knallharter Wettbewerb geworden, China ist für unsere Autoindustrie längst nicht mehr Absatzmarkt, sondern ein Konkurrent, der uns herausfordert. Hinzu kommt ein Handelsstreit mit dem US Präsidenten, in dem wir Gefahr laufen, als Kollateralschaden auf der Strecke zu bleiben – wenn wir nicht entschlossen gegensteuern.

Krisen sind für uns Unternehmer nichts Neues

Zum Verzagen gibt es keinen Grund. Sicher, die Zeiten waren schon lange nicht mehr so „interessant“ – sprich: unübersichtlich, unbeständig und risikobehaftet. Unsere Unternehmen haben jedoch schon viele Male bewiesen, dass sie willens und fähig sind, es auch mit der schwersten Krise aufzunehmen und letztlich gestärkt daraus hervorzugehen.

Die Wirtschaft ist längst mit Hochdruck dabei, ihre Geschäftsmodelle zu modifizieren, neue Märkte zu erschließen und ihre Lieferketten neu auszurichten. In unserem Titelthema ab Seite 8 zeigen wir Ihnen in dieser Ausgabe, was Industriebetriebe aus der Region tun, um auch bei anhaltenden globalen Risiken die Produktion zu sichern und lieferfähig zu bleiben. Die Unternehmen, auch in der gebeutelten Autoindustrie, haben die Herausforderung angenommen und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Fahrzeugbau auch in Zukunft maßgeblichen Beitrag zum Wohlstand unseres Landes leisten wird.

Und wir können im Land mehr als Mobilität. Weit mehr. Baden-Württemberg nimmt Spitzenpositionen ein in der Luft- und Raumfahrt, in der Gesundheitswirtschaft, in der Energie- und Umwelttechnik, der Kreativwirtschaft, Bioökonomie und der Verteidigungsindustrie. Viele auch kleinere Unternehmen bauen sich erfolgreich neue Geschäftsfelder in diesen Bereichen auf.

Was die Politik tun kann: Steine aus dem Weg räumen

Ja, wir Unternehmerinnen und Unternehmer können es schaffen. Dazu bedarf es keiner teuren Förderprogramme, mit denen sich die politischen Akteure so gerne in Szene setzen und damit nur zeigen, dass sie nicht wirklich begriffen haben, worum es eigentlich geht. Das Beste, was die Politik tun kann, ist es, der Wirtschaft keine neuen Steine in den Weg zu legen und bestehende Belastungen zügig und entschlossen abzubauen – etwa die in den letzten Jahren auf allen Ebenen uferlos gewachsene Bürokratie. Sie bindet in den Unternehmen völlig unproduktiv Ressourcen, lähmt Entscheidungen und erstickt Kreativität. Vor allem kleine und mittlere Betriebe kämpfen sich tagtäglich durch wachsende Dokumentations- und Berichtspflichten und unklare Verfahren.

Doch leider fehlt der Politik in Land, Bund und in Europa immer offensichtlicher die Kraft, wirklich umfassende Reformen zu stemmen. Umso mehr müssen wir uns deshalb darauf konzentrieren, was wir am besten können: Unternehmer sein.

Bedenkenträger in die Schranken weisen

Scharen sie Macher um sich und weisen Sie Bedenkenträger in ihre Schranken. „Das geht nicht, das darf man so nicht“ haben als Argumente ausgedient. Wer sie vorbringt, ist ab sofort beweispflichtig. Hinterfragen Sie jede Berichts- und Dokumentationspflicht. Bleiben Sie zuversichtlich und anpackend! Unternehmen Sie!

Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart

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