Cameron Grobenski, inhaber des Café Lamber, mit einer Kaffeetasse vor seinem Lokal. © Jan Reich
Für Cameron Grobenski ist das Café Lamber mehr als Gastronomie: Am Killesberg hat er einen Ort geschaffen, an dem Kaffee, Gespräche und Nachbarschaft zusammenkommen.

Serie „Ums Stöckle“: Wie das Café Lamber zum Wohnzimmer des Killesbergs wurde

11.Juli 2026 | 9 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft |
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Café Lamber Stuttgart: Am Killesberg hat sich das kleine Stadtteilcafé längst zum beliebten Treffpunkt entwickelt. Betreiber Cameron Grobenski verbindet hochwertige regionale Produkte mit echter Nachbarschaftskultur. Warum Stammgäste, Spaziergänger und Stäffele-Wanderer das Café als „Wohnzimmer des Killesbergs“ bezeichnen, welche Geschichte hinter dem Namen steckt und was der berühmte Würstchenstreit bewirkte.

Viele Stuttgarter kennen das Café Lamber wegen des sogenannten Würstchenstreits. Am Killesberg aber ist das kleine Eckcafé an der Kreuzung von Eduard-Pfeiffer- und Helfferichstraße längst viel mehr als eine Schlagzeile: Es ist Treffpunkt, Nachbarschaftswohnzimmer und für manche fast ein zweites Zuhause.

Der Pächter Cameron Grobenski formuliert es so: „Das Lamber ist eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, die immer für ihre Gäste da ist.“ So beschreibt er treffend das, was hier seit 2017 entstanden ist.

Schon die Außenfassade braucht keine langen Erklärungen. Drei Worte genügen: „Kaffee. Kuchen. Eis.“ Mehr steht dort nicht. Drinnen duftet es nach frisch gemahlenem Kaffee und Kuchen. Die Einrichtung ist hochwertig, ohne geschniegelt zu sein. Holztische, warme Farben und viele kleine Details sorgen dafür, dass man eher an ein Wohnzimmer als an eine klassische Gastronomie denkt. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich die Menschen wohlfühlen und gerne verweilen“, sagt Grobenski. Dass ihm das gelungen ist, zeigt sich täglich aufs Neue.

Aufgewachsen zwischen Restaurant und Hotel

Die Geschichte des Lamber beginnt lange vor seiner Eröffnung im Jahr 2017. Eigentlich beginnt sie in der Kindheit seines Gründers. Cameron Grobenski stammt aus einer Stuttgarter Gastronomenfamilie. Restaurants und Hotels gehörten zum Alltag, der Betrieb war sein zweites Zuhause. „Mit fünf Jahren stand ich auf einer Kiste und habe gespült“, erzählt der heute 47-Jährige und lacht.

Später arbeitete er in bekannten Häusern der Stadt, etwa in der Alten Kanzlei, im Amadeus und auf dem Cannstatter Wasen. Gastronomie bedeutete damals vor allem lange Nächte und kurze Tage. So wuchs der Wunsch nach etwas Eigenem. „Irgendwann war klar, dass ich ein kleines Tagescafé haben möchte“, erzählt er. „Wenn man eine Familie gründen will, möchte man nicht sein ganzes Leben bis in die Nacht hinein arbeiten.“

Für Grobenski ist Gastronomie weniger Beruf als Lebensform. Der Umgang mit Gästen, das Improvisieren, das Organisieren und das berühmte „noch schnell irgendwie möglich machen“ habe er nie bewusst gelernt: „Für mich ist es  einfach immer da gewesen.“ Damit umzugehen, davon ist Grobenski überzeugt, schaffe keiner, der diese Lebensweise nicht kenne. Wer erfolgreich ein Stadtteilcafé führen wolle, muss, so der Chef, „das Soziale und das Geschäftliche gleichzeitig im Blick behalten“.

Gesucht hat er etwas Kleines, Überschaubares – möglichst in Stuttgart-Nord, wo Grobenski selbst lebt und viele Menschen bereits kannte. Fündig wurde er am Killesberg. Gemeinsam mit seiner Schwester Romana eröffnete er 2017 das Café Lamber. Heute führt er es mit Unterstützung seiner Frau Marie Buchholz weiter.

Eine Schleckerei mit spanischen Wurzeln

Auch der Name des Cafés erzählt eine kleine Geschichte. „Llamber“ bedeutet im Katalanischen so viel wie Schleckerei oder Nascherei. Entdeckt haben Grobenski und seine Schwester das Wort während eines Spanienurlaubs. Gleichzeitig gefiel den Geschwistern die Idee eines Namens, der nicht an jeder zweiten Straßenecke zu finden ist.

Aber es gab noch andere Überlegungen. Dass der gewählte Standort am Killesberg gewiss nicht zu den klassischen Stuttgarter Gastro-Hotspots zählt, sieht Grobenski als Vorteil. „Wir leben zu 80 Prozent von Stammgästen.“ Viele kommen täglich vorbei. Manche auf einen schnellen Espresso, andere auf ihr Stück Kuchen, wieder andere einfach auf ein Gespräch. Diese Stammgäste geben Planungssicherheit. Sie sorgen aber auch für etwas anderes: Vertrautheit. „Wir wissen genau, was unsere Gäste möchten“,  sagt Grobenski. 

Unter der Woche dominieren die Menschen aus der Nachbarschaft, am Wochenende verändert sich das Bild. Dann ziehen Wanderer, Spaziergänger und Gruppen vorbei, die auf den beliebten Stäffele-Touren unterwegs sind und am Killesberg eine Pause einlegen. Besonders sonntags ist das Lamber gefragt. Als eines der wenigen geöffneten Cafés in der Umgebung wird es dann zum Treffpunkt für das ganze Viertel.

Wenn Gäste zu Freunden werden

Die Grenzen zwischen Café und Nachbarschaft verschwimmen immer wieder. Freundschaften sind entstanden, Menschen haben sich kennengelernt, Stammtische haben sich entwickelt. Manche Gäste kommen seit der Eröffnung regelmäßig vorbei. „Einige sehen wir häufiger als unsere eigene Familie“, sagt Grobenski schmunzelnd. Sieben Tage in der Woche ist das Café geöffnet. Einen Ruhetag gibt es nicht. Und manchmal gehört zum Job eben mehr als Kaffee und Kuchen.

Dann hilft Cameron Grobenski schon mal beim Einrichten eines Smartphones, organisiert für einen Besucher den Arzttermin oder hört einfach mal zu. Grobenski formuliert es so: „Es gehört sehr viel mehr dazu, als nur Kaffee zu verkaufen.“ Das ist wohl eines der Erfolgsrezepte eines guten Stadtteilcafés: Es verkauft weniger Produkte als Zugehörigkeit.

Der Anspruch der Gäste am Killesberg sei dabei hoch, sagt Grobenski: „Hier oben kann man nicht mit irgendetwas punkten.“ Frische Produkte und Regionalität seien deshalb selbstverständlich. Der Kaffee stammt von einer regionalen Rösterei, die Kuchen kommen täglich frisch von einer Konditorei aus Ludwigsburg. Besonders beliebt sind bei den Gästen die Petit Fours, die inzwischen weit über den Stadtteil hinaus bekannt sind.

Dass das Lamber heute so selbstverständlich wirkt, lässt leicht vergessen, wie viel Arbeit in den Räumen steckt. Vor dem Café befanden sich hier unter anderem eine Metzgerei, ein Atelier, ein Architekturbüro und zeitweise Räume der Breuninger-Stiftung. Für die Umwandlung musste praktisch alles erneuert werden: Sanitäranlagen, Küche, Böden, Fenster, Wasserleitungen und die komplette Theke. „Es gab nichts, was wir nicht umgebaut haben“, erinnert sich Grobenski.

Der „Würstchenstreit“ sorgte für ungewollte Aufmerksamkeit

Ganz ausblenden lässt sich – redet man über das Café Lamber – die Geschichte des Würstchenstreits allerdings nicht. Über Jahre beschäftigten zwei Nachbarn mit Fragen rund um Genehmigungen, Betriebsbeschreibungen und die Erwärmung kleiner Speisen Behörden, Gerichte und natürlich Cameron Grobenski. Die mediale Aufmerksamkeit reichte weit über Stuttgart hinaus. Heute ist die Situation geklärt, die notwendigen Genehmigungen liegen vor und das Café kann seinen Betrieb ohne Einschränkungen führen.

So sehr ihn der Nachbarschaftsstreit auch beschäftigt hat, einen positiven Aspekt sieht Grobenski dennoch: Die Reaktion auf die Berichterstattung sei überwältigend, die Solidarität der Gäste riesig gewesen. Das zeige, wie wichtig das Lamber für viele Menschen geworden sei.

Das Jubiläum im nächsten Jahr soll gefeiert werden

Im kommenden Jahr steht das zehnjährige Jubiläum an. Wie genau gefeiert wird, weiß Grobenski noch nicht. Dass es etwas zu feiern gibt, daran bestehen allerdings keine Zweifel. Denn aus dem Traum eines jungen Gastronomen, der nicht mehr jede Nacht arbeiten wollte, ist längst ein Ort geworden, den viele Menschen im Viertel nicht mehr missen möchten. Bleibt die Frage, ob Grobenski heute dort angekommen ist, wo er immer hinwollte. „Im Prinzip schon“, lautet seine Antwort.

Natürlich gebe es an der einen oder anderen Stelle noch Potenzial nach oben. Aber vor allem gehe es inzwischen darum, das Erreichte zu bewahren. Das ist ein realistischer Wunsch. Denn manchmal braucht es eben „nur“ ein paar Tische, guten Kaffee und Menschen, die sich kennen oder kennenlernen wollen, um einem Stadtteil ein Stück Identität zu geben. Oder eben drei Worte an einer Hauswand: „Kaffee. Kuchen. Eis.“

Kai Holoch ist freier Mitarbeiter von mawi-on und Magazin Wirtschaft.

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