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Bierdeckel statt Bürokratie: Schluss mit nutzloser Buchhaltung!
26.Jan. 2026 | 5 Min. Lesezeit | Politische Forderungen, Standort |Autor: Dr. Herbert Müller
Wenn man von der Welt der Rechnungslegung großer Unternehmen hinabsteigt in die kleine Welt der Buchhaltung im Mittelstand, merkt man schnell, dass da etwas im Argen liegt: es findet weitgehend nutzlose Bürokratie statt, Geld wird sinnlos verbrannt. Hier ist die Zeit für den Bierdeckel des Kanzlers gekommen.
Teure Pflichterfüllung ohne Mehrwert
99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen, also dem klassischen Mittelstand. Das sind 3,2 Millionen Betriebe. 2,6 Millionen davon sind sogenannte Kleinstunternehmen, definiert als Unternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitern bzw. 2 Millionen Euro Umsatz. Alle Unternehmen ab 600.000 Euro Umsatz oder 60.000 Euro Gewinn im Jahr sind zur doppelten Buchführung und Bilanzierung verpflichtet. Dazu brauchen sie einen Steuerberater, der sie locker bis zu 30.000 Euro im Jahr kosten kann, einschließlich der Steuererklärungen. Zusätzlich braucht jedes Unternehmen noch eine Teilzeitarbeitskraft, die alle Belege für den Steuerberater mundgerecht aufbereitet. Das kostet noch einmal rund 1000 Euro im Monat, also 12.000 Euro im Jahr. Und das alles, obwohl man folgendes weiß:
Nach den alljährlichen statistischen Veröffentlichungen der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau liegt die Umsatzrendite mittelständischer Unternehmen im Allgemeinen bei 7 Prozent, bei Kleinstunternehmen etwas höher. Nehmen wir ein durchschnittliches Kleinunternehmen mit einem Umsatz von einer Million Euro. Wenn wir wissen, dass dieses Unternehmen vermutlich einen Gewinn von +/- 70.000 Euro (7 Prozent Umsatzrendite) macht, warum geben wir ihm dann nicht die Option, pauschal diesen Gewinn zu deklarieren? Dieses Unternehmen würde die Steuerberaterkosten von 30.000 Euro sparen und hätte diesen Betrag für Investitionen zur Verfügung.
Mittelstand im Blindflug
Dabei muss man wissen, dass mittelständische Unternehmen in den meisten Fällen keinen Nutzen von der teuren Buchführung und Bilanzierung haben: die Steuerberater sind so überlastet, dass sie Jahresabschlüsse oft erst 2-4 Jahre nach dem Bilanzstichtag fertigstellen. So lange macht der Unternehmer betriebswirtschaftlich einen Blindflug. Auch auf die monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertungen müssen Unternehmen oft lange warten. Von einer ausgelagerten Controllingfunktion kann nicht mehr ernsthaft gesprochen werden. Die meisten Unternehmen leben ausschließlich von den Zahlen auf ihrem Bankkonto. 30.000 Euro nur für das Finanzamt ist eine Zumutung für den Steuerzahler.
Also bitte: Einführung einer Option zur pauschalierten Besteuerung auf der Grundlage der durchschnittlichen Umsatzrendite aller mittelständischen Unternehmen. Der Unternehmer muss dann nur eine Zahl deklarieren: den Nettoumsatz (ohne Umsatzsteuer). Diese Zahl passt auf den Bierdeckel von Friedrich Merz, und sie kann problemlos alljährlich mit Elster an das Finanzamt gemeldet werden. Die resultierende Einkommensteuer spuckt das Sytem aus. Es ist kein Finanzbeamter mehr erforderlich. Es erübrigt sich die kleinteilige Betriebsprüfung. Der Unternehmer muss nur seine Ausgangsrechnungen einscannen. Sein System addiert die Umsätze auf. Das macht er übrigens schon für die Umsatzsteuererklärung.
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Dr. Herbert Müller war Chef der Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (heute EY) und von 2008 bis 2012 Präsident der IHK Region Stuttgart.
Heute ist er Inhaber der exNicrum Weinmanufaktur in Hessigheim am Neckar.
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