Mother dropped off her little cute child near the school. Concept of family relationships and studying. © getty images
„Tschüss bis heute Abend!“ Wenn die Kinder größer werden, haben Mütter wieder mehr Zeit für ihren Job.

Beruf und Familie: Das können Betriebe tun, damit Mütter ihre Arbeitszeitwünsche besser umsetzen können

18.Feb. 2026 | 6 Min. Lesezeit | Beruf und Familie, Rat & Tat |
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Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Un­sicherheiten, die viele Unternehmen zum Personalabbau zwingen, werden auf mittlere Sicht Fachkräfte weiterhin fehlen. Die demografische Entwicklung, vor allem das Ausscheiden der Babyboomer-Generation, wird die Situation noch verschärfen. Gleichzeitig eröffnen sich Unternehmen neue Chancen, wenn sie das Fachkräftepotenzial von Müttern besser erschließen.

In den letzten Jahren hat sich die Erwerbstätigkeit von Müttern in Deutschland positiv entwickelt. Besonders in ­Baden-Württemberg stieg die Quote von 66 Prozent im Jahr 2008 auf 70 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig hat sich der Erwerbsumfang erhöht: Die durchschnittliche Arbeitszeit von Müttern stieg in dieser Zeit von 22,5 auf 25,3 ­Wochenstunden: Während der Anteil ­geringer Arbeitszeitdeputate zurück­ging, hat der Anteil mittlerer und vollzeitnaher Deputate zugenommen.

Trotzdem gibt es noch viel ungenutztes Potenzial. Eine Expertise der Prognos
AG im Auftrag des Unternehmens­programms „Erfolgsfaktor Familie“ des Bundesfamilien­ministeriums zeigt, dass fast die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Mütter (45 Prozent) ihre Arbeitszeit erhöhen würde, wenn die betrieb­lichen Bedingungen ­stimmten.

Flexibilität und Sicherheit

Anders gesagt: wenn die Arbeitszeiten flexibler wären, die Kommunikation besser und vor allem, wenn mehr Teilzeitstellen mit attraktiven Aufstiegschancen verbunden würden, könnten Unternehmen im Land 14 Millionen zusätzliche Wochen­stunden gewinnen. Das entspricht etwa 350.000 Vollzeitäquivalenten.

Viele Mütter wären bereit, mehr zu ­arbeiten, wenn sie sicher wüssten, dass sie wieder reduzieren könnten, falls es zu Hause nicht wie gewünscht klappt. Eine Probezeit von sechs Monaten könnte hier helfen. Ist das halbe Jahr herum, könnten beide Seiten schauen, ob sich die Lösung bewährt hat. Wenn das nicht der Fall ist, kann ohne Gesichts­verlust zur ­alten Vereinbarung zurück­gekehrt ­werden. Eine weitere Idee ist die schrittweise Erhöhung der Arbeitszeit. So kann getestet werden, was in der Praxis geht.
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Ein häufig unterschätzter Faktor in der Arbeitswelt ist die Kommunikation ­zwischen Arbeitgebern und ­Arbeitnehmern. Gerade in kleineren Unternehmen können aber unkomplizierte Gespräche mit den Mitarbeitern oft schnell zu praktikablen ­Lösungen führen. Deswegen sollten Unternehmer direkt auf die Mütter zugehen und sie nach ihren Wünschen fragen. So ein direkter Austausch eröffnet die Möglichkeit, maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, die allen Seiten gerecht werden.

Finanzielle Entlastung bei Kinderbetreuung

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Kinderbetreuung. Kooperationen mit ­Kitas und anderen Unternehmen, etwa beim Angebot von Betreuungsplätzen oder der gemeinsamen Nutzung von ­Belegplätzen, könnten eine Lösung sein. Zudem könnten Zuschüsse zur Kinder­betreuung helfen, die finanzielle Belastung der Eltern zu reduzieren, wenn die Arbeitszeit erhöht wird. Zu prüfen wäre auch, ob wenig genutzte Angebote und Maßnahmen zum Beispiel in einen Kinderbetreuungszuschuss umgewandelt werden können.

Führungskräfte als Vorbilder

Führungskräfte spielen eine Schlüssel­rolle, wenn es darum geht, flexible ­Arbeits-­ zeitmodelle in der Unternehmenskultur zu etablieren. Ein offener Blick auf verschiedene Modelle und eine aktive Sen­sibilisierung der Führungskräfte sind entscheidend. Besonders in KMU kann es sich positiv auswirken, wenn Führungskräfte selbst flexibel arbeiten. Wenn etwa eine Führungskraft bewusst früher geht, sendet sie damit ein starkes Signal an die Mit­arbeiter, dass flexible Arbeitszeiten nicht nur möglich, sondern auch erwünscht sind. Ein klarer Appell der Unternehmensführung in Form eines Rundschreibens oder einer offenen Kommunikation darüber kann ebenfalls dazu beitragen, die Akzeptanz und das Vertrauen in diese Modelle zu stärken.

Karrierewege eröffnen

Ein häufiges Vorurteil gegenüber Frauen in Teilzeit ist die Vorstellung, dass sie keine Führungspositionen übernehmen oder keine anspruchsvolleren Aufgaben ausführen wollen. Hier können Unternehmen gegensteuern, indem sie ihnen mehr Verantwortung übertragen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Wichtig ist klare Transparenz, ­welchen Stundenumfang bestimmte Funktionen oder Führungsaufgaben erfordern. ­Gerade für Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Führungspositionen zu besetzen, eröffnet sich hier ein großes Potenzial, denn Mütter sind oft hoch motiviert.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur ein soziales Anliegen, sondern auch ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Gerade die ­Bereitschaft, Teilzeit-Müttern mehr Verantwortung zu übertragen und individuelle Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen, kann einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten und gleichzeitig das Arbeitgeberimage stärken.

Weitere Informationen:
www.stuttgart.ihk.de, Dok-Nr. 140217

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