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Bengels Ziel: Jeden Monat eine Skulptur für den öffentlichen Raum
21.Apr. 2026 | 8 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft |Autor: Kai Holoch
© Tim Bengel
„Natürlich möchte ich meine Werke möglichst vielen Menschen zeigen. Aber wenn eine Arbeit verkauft ist, hängt sie bei jemandem zu Hause. Dann sieht es nur der enge Familien- und Freundeskreis – und es ist dann eigentlich für immer weg.“
Mit den Kurzfilmen zu seinen aus den beiden Grundstoffen in filigraner Feinarbeit entstandenen Collagen hat er in den sozialen Medien bereits mehr als eine halbe Milliarde Klicks gesammelt. Die Kunstwerke selber landen – trotz mittlerweile hoher Preise – meist sehr schnell im Privatbesitz. Das bedauert Bengel: „Natürlich möchte ich meine Werke möglichst vielen Menschen zeigen. Aber wenn eine Arbeit verkauft ist, hängt sie bei jemandem zu Hause. Dann sieht es nur der enge Familien- und Freundeskreis – und es ist dann eigentlich für immer weg.“
Das ist einer der Gründe, warum Tim Bengel nun versucht, sich neu zu erfinden – und Kunst für den öffentlichen Raum zu schaffen. Bengel: „Da laufen dann jeden Tag hunderte oder vielleicht tausende Menschen vorbei – und das ist auch irgendwie schön für mich und schön für die Menschen. Denn ein Kunstwerk kann den Ort, an dem es steht, wirklich verändern.“
Türöffner: Ein Riesen-Filderkrautkopf für den Stuttgarter Gemüsering
Den unmittelbaren Anstoß, sich mit dieser neuen Kunstsparte zu beschäftigen, hat das „Superkraut-Projekt“ des Gemüserings Stuttgart gegeben. Der Zusammenschluss der Gemüsehändler aus der Region war mit dem Wunsch an Bengel herangetreten, ob er zum Jubiläum der Initiative etwas Bleibendes schaffen könnte.
Das Ergebnis ist seit mehr als einem Jahr auf der Rückseite des Stuttgarter Stadtpalais an der Urbanstraße zu bewundern: Die beeindruckende, 2,5 Meter große Skulptur greift die charakteristische Tropfenform und Struktur des Filderkrauts auf. Durch seine kreative Verwendung von Größe und Material hat Bengel das Filderkraut künstlerisch zum „Superfood“ beziehungsweise „Superkraut“ stilisiert.
© Luna Kloess
Das Werk fällt auf: Schon heute pilgern zahlreiche Schulklassen an den neuen Kunstort, um das Werk zu malen. Aber auch eine britische Mal-Reisegruppe hat bereits das Kraut als Motiv entdeckt.
Dem gelungenen Auftakt sollen möglichst schnell möglichst viele weitere Bengel-Kunstwerke im öffentlichen Raum folgen. Bengel wäre nicht er selber, wenn er die Latte für seine Pläne nicht sehr hoch legen würde: „Ich möchte erreichen, dass ich in ein paar Jahren jeden Monat eine neue Skulptur einweihen kann.“
Er selbst sieht da durchaus Potenzial: „Ich sehe sehr oft schrecklich langweilige, unattraktive Werke, Sachen, etwa geometrische Bronzefiguren, bei denen ich mich immer frage: Wer hat bloß einst entschieden, so etwas in Auftrag zu geben?“ Bengel zentrale Frage ist es, wie er Kunst im öffentlichen Raum interessanter und für die Menschen zugänglicher machen kann. Dazu hat er erste Konzepte entwickelt.
Pläne für Zeitreisen über ein interaktives Kunstwerk
So hat Bengel kürzlich einen Wettbewerb für die Gestaltung des Innenhofs des neuen Landratsamts in Esslingen gewonnen – am 18. September soll sein Werk offiziell eingeweiht werden. Zudem entwickelt er ein Kunstwerk, das lokale Mythen und die Geschichte einer Stadt aufgreift, deren Namen er noch nicht verraten will.
Und dann gibt es noch Bengels Traum von „Lust auf die Zukunft“: Entstehen soll ein großes, interaktives Kunstwerk, das den Betrachter, so Bengel, auf eine „geistige Zeitreise in ein besseres Morgen einladen und Zukunftsängsten entgegenwirken“ soll.
© Tim Bengel/Visualisierung Serdar Dogan
Es gebe viele Locations auch außerhalb der Region Stuttgart, an denen dieses Kunstwerk stehen könnte, sagt Bengel: „Ich suche dafür innovative Standorte wie Universitäten oder zukunftsorientierte Unternehmen. Viele Menschen haben Zukunftsängste. Sie denken, es wird eher schlechter als besser. Ich möchte ein Kunstwerk machen, das den Betrachter einlädt, wirklich auch durch es zu schreiten und so eine geistige Zeitreise zu machen in ein besseres Morgen.“
So schön die Idee, so weit ist der Weg zur Realisierung. Denn so ein Kunstwerk kostet Geld. Viel Geld. Mehrere hunderttausend Euro wären allein für die Materialkosten nötig. Kommunen können solche Summen angesichts der momentanen Finanzkrise in den öffentlichen Haushalten nicht stemmen.
Die Kassen der Kommunen sind leer – und Mäzene werden selten
Und die Zeiten, als Reinhold Würth als Kulturermöglicher große Summen in den Kulturbetrieb gepumpt hat, sind vorbei. Aktuell gibt es in der Region und darüber hinaus nur wenige Mäzene, die solche wegweisenden Kunstprojekte ermöglichen.
Bengel: „Ich habe den Eindruck, nicht nur vielen kleinen und mittleren Unternehmen sondern auch vielen größeren fehlt der Mut, einfach mal auf einen Künstler zuzugehen und ihn zu fragen, was man zur Aufwertung von Standorten gemeinsam machen könnte“, beschreibt Bengel die aktuelle Ausgangslage.
Und es gibt ein weiteres Problem: Denn viele Kommunen seien zwar höchst interessiert an seinen Werken. Viele Ausschreibungen seien aber komplex und darüber hinaus auch nur schwer auf den Homepages der Städte zu finden. Die Entscheidungsprozesse selbst zögen sich zudem unglaublich in die Länge. Es dauere Monate, bis alle Vorschriften beachtet, alle Gremien mitgenommen und alle Risiken abgesichert seien.
„Ich habe den Eindruck, nicht nur vielen kleinen und mittleren Unternehmen sondern auch vielen größeren fehlt der Mut, einfach mal auf einen Künstler zuzugehen und ihn zu fragen, was man zur Aufwertung von Standorten gemeinsam machen könnte“
„Ich glaube, es gibt viele Künstler und Künstlerinnen, die wirklich coole Sachen machen könnten. Aber den Zugang zu dieser Möglichkeit überhaupt zu finden, diese Hürde ist riesengroß“ sagt Bengel. Kaum ein Künstler habe die Zeit und auch das notwendige Geld, um diesen Prozess durchzuziehen.
Entmutigen lassen will sich Bengel von diesen Stolpersteinen nicht. „Wenn erst einmal die ersten zwei, drei Werke von mir im öffentlichen Raum stehen und sich das dann weiter rumspricht, dann hoffe ich, dass es irgendwann vielleicht sogar so eine Art Selbstläufer wird. Vielleicht kommen wir irgendwann in so einen Flow. Dann gelingt es uns tatsächlich, jeden Monat eine neue Skulptur im öffentlichen Raum einzuweihen.
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