Ausbilder im blauen Kittel mit zwei männlichen Azubis vor einer Werkbank. © getty images
Besonderer Mangel herrscht in den technisch-industriellen Berufen.

Ausbildungsbilanz 2025: Warnzeichen für die Fachkräfte­sicherung

12.Jan. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Ausbildung, Politische Forderungen |
Autor:
Baden-Württemberg verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Einbruch bei Neuverträgen – besonders in Technik- und Industrieberufen. Jetzt heißt es: Perspektiven schaffen, Ausbildung sichtbar machen und gemeinsam handeln. Wer heute in Ausbildung investiert, sichert morgen Fachkräfte und stärkt die Innovationskraft der Region.

Die Ausbildungsbilanz 2025 fällt für Baden-Württemberg und insbesondere für die Region Stuttgart ernüchternd aus. Zum Jahresende registrierten die Industrie- und Handelskammern landesweit 37.453 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und damit 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders betroffen sind die technischen Berufe mit einem Minus von 9,2 Prozent, während die kaufmännischen Berufe um 4,3 Prozent zurückgingen. Auch in der IHK Region Stuttgart setzte sich der Negativtrend fort: In zentralen Ausbildungsberufen der Industrie und des Handels gingen die Vertragszahlen teils deutlich zurück.

„Die deutlich sinkenden Ausbildungszahlen sind ein Alarmsignal für die wirtschaftliche Zukunft des Landes“, warnt Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart. „Fachkräftesicherung beginnt nicht morgen, sondern heute – mit einer starken und verlässlichen Ausbildung.“ Gerade in einer industriell geprägten Region wie Stuttgart seien die Folgen besonders gravierend, wenn Ausbildungsplätze dauerhaft unbesetzt blieben.

Claus Paal © IHK Region Stuttgart/Pressefoto Kraufmann
IHK-Präsident Claus Paal

Region Stuttgart besonders betroffen: Kernberufe unter Druck

In der Region Stuttgart verzeichneten vor allem die industriellen Kernberufe Rückgänge. In der Metalltechnik sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um gut zehn Prozent auf 1.637. In der Elektrotechnik lag das Minus bei knapp fünf Prozent, wobei insbesondere die Fachinformatiker mit einem Rückgang von mehr als zehn Prozent herausstechen. Auch im Handel ging die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse um fast zehn Prozent zurück, bei den Industriekaufleuten sogar um mehr als 13 Prozent. Damit trifft der Einbruch genau jene Berufe, die für die industrielle Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit der Region von zentraler Bedeutung sind.

Der Rückgang ist dabei weniger auf fehlende Ausbildungsangebote als auf einen zunehmenden Mangel an geeigneten Bewerbern zurückzuführen, erklärt Andrea Bosch, Leiterin Berufliche Bildung und Fachkräfte bei der IHK. „Trotz zahlreicher offener Ausbildungsstellen berichten Betriebe weiterhin von Schwierigkeiten, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Die Ausbildungsreife vieler Bewerberinnen und Bewerber entspricht nicht den Anforderungen, was die Besetzung offener Stellen zusätzlich erschwert.“ Gleichzeitig nimmt die Zahl der Vertragslösungen bereits während der Probezeit zu. In der IHK Region Stuttgart stieg ihr Anteil innerhalb eines Jahres von 6,5 auf 7,9 Prozent, ein deutliches Signal für wachsende Unsicherheit auf beiden Seiten.

Appell an Betriebe: Ausbildung bleibt Schlüssel zur Zukunftssicherung

„Insgesamt zeigt die schwache konjunkturelle Entwicklung zunehmend Wirkung auf dem Ausbildungsmarkt“, so Bosch. „Unternehmen reagieren vorsichtiger und besetzen frei werdende Ausbildungsplätze deutlich seltener nach.“ Besonders in den Industrie- und Technikberufen wirkt sich diese Entwicklung unmittelbar aus. „Gerade in diesen herausfordernden Zeiten appelliere ich eindringlich an unsere Betriebe, sich nicht aus der Ausbildung zurückzuziehen, sondern bewusst in die nächste Generation zu investieren“, betont IHK-Präsident Paal. „Denn die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte, die wir morgen dringend brauchen.“

Frühzeitige Berufsorientierung als Schlüssel gegen den Trend

Zugleich sieht Paal erheblichen Handlungsbedarf in der Berufsorientierung, auch und gerade in der Region Stuttgart. „Akademische Wege dominieren noch immer, während die Vielfalt und Attraktivität der dualen Ausbildung zu wenig sichtbar sind“, so der Präsident. Um gegenzusteuern, brauche es frühzeitige, praxisnahe Einblicke in Betriebe und ein gemeinsames Engagement von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Denn Ausbildung bedeute Zukunftssicherung – für junge Menschen ebenso wie für die industrielle Stärke und Innovationskraft der gesamten Region.

Gefällt Ihnen unser Artikel?

Seite teilen

Mehr zum Thema

Push-News erhalten? JA NEIN