Mutter und Tochter schauen in ein Tablet. © GettyImages
Wenn es um das Thema Ausbildung geht, beraten sich viele Jugendliche am liebsten mit ihren Eltern.

Ausbildung: Die Eltern ins Boot holen

09.Feb. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Ausbildung, Rat & Tat |
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In der Wahl der Ausbildung junger Menschen spielen Eltern eine Schlüsselrolle: als Ratgeber, Motivatoren und manchmal auch als kritische Stimmen. Lesen Sie hier, warum Eltern echte Entscheidungsträger sind und mit welchen fünf praxisnahen Strategien Unternehmen sie gezielt, respektvoll und wirksam in den Ausbildungsprozess einbinden können.

Eltern sind nicht nur Erziehungsberechtigte, sie sind oft die wichtigsten Ratgeber junger Menschen bei der Wahl der Ausbildung . Sie kennen die Stärken und Schwächen ihres Kindes, können seine Interessen gut einschätzen und begleiten es meist intensiv durch die entscheidende Orientierungsphase. Sie können motivieren, beraten, hinter­fragen – oder auch verunsichern. Daher ist es wichtig, sie frühzeitig in den Prozess der Berufsorientierung einzubeziehen.

Für Ausbildungsbetriebe ist das eine große Chance – aber auch eine kommunikative Herausforderung. Hier fünf Tipps, wie es Ausbildungsbetrieben gelingen kann, die Eltern wirksam einzubinden.

Eltern als stille Entscheidungsträger

Natürlich gibt es keine Einheitslösung, aber viele praktikable Wege, um mit Eltern in Kontakt zu kommen. Die folgenden Maßnahmen haben sich als besonders wirksam erwiesen:

  1. Bildungspartnerschaften mit Schulen
    Kooperationen mit weiterführenden Schulen ermöglichen nicht nur den ­direkten Zugang zu potenziellen Auszubildenden, sondern auch zu deren ­Eltern. Ein gemeinsamer Elternabend zur Berufsorientierung – idealerweise in den Räumen des Unternehmens – bietet einen niedrigschwelligen Einstieg. Hier können sich Eltern ein authentisches Bild vom Betrieb machen, Fragen stellen und Vertrauen aufbauen.
  2. Präsenz auf Ausbildungsmessen
    Viele Ausbildungsmessen, gerade an ­Wochenenden, werden gemeinsam von Jugendlichen und Eltern besucht. Nutzen Sie diese Gelegenheit: Sprechen Sie ­Eltern aktiv an, binden Sie sie in ­Gespräche mit ein, ohne die Jugend­lichen zu übergehen. Vermitteln Sie ein realistisches Bild der Ausbildung – mit Fakten, Perspektiven und Einblicken in den Alltag.
  3. Belegschaft als Multiplikator
    Auch in Ihrem Unternehmen arbeiten ­Eltern – nutzen Sie diesen direkten Draht! Vielleicht ist ein Ausbildungsplatz in Ihrem Betrieb auch für deren Kinder interessant. Sprechen Sie Ihre Mitarbeiter gezielt an und machen Sie Angebote, beispielsweise in Form von Informationsveranstaltungen für Familien.
  4. Engagement im Vereinsleben
    Ob Sportverein, Jugendfeuerwehr oder Musikverein – viele Eltern sind ehrenamtlich engagiert oder regelmäßig bei Spielen ihrer Kinder dabei. Unternehmen, die sich hier einbringen, treffen nicht nur potenzielle Auszubildende, sondern kommen auch mit deren Eltern ins Gespräch. Sponsoring, gemeinsame Veranstaltungen oder Infoabende sind gute Gelegenheiten, sich als nahbar zu präsentieren.
  5. Elterntage im Betrieb
    Wenn der Ausbildungsvertrag unterschrieben ist, bleibt der Kontakt zu den Eltern wertvoll. Ein „Bring deine Eltern mit zur Arbeit“-Tag kann Vertrauen festigen, Stolz erzeugen und das Verständnis für den Ausbildungsalltag stärken. Das schafft Nähe und zeigt: Wir nehmen die Ausbildung ernst – und unsere Auszubildenden auch.

So wichtig die Einbindung der Eltern ist – im Mittelpunkt stehen weiterhin die Jugendlichen selbst. Sie sind die Vertragspartner, sie müssen den Beruf erlernen und im Arbeitsalltag bestehen. ­Eltern sollten begleiten, nicht bestimmen. Gleichzeitig können sie, gerade in schwierigen Phasen, stabilisierend ­wirken – wenn der Ausbildungsstart holprig ist oder die Motivation wankt.

Fazit: Elternarbeit lohnt sich

Die Berufswahl ist eine zentrale ­Lebens- entscheidung – für Jugendliche und ihre Familien. Auch wenn die finale Entscheidung beim Kind liegen sollte, haben Eltern erheblichen Einfluss. Wer als Unternehmen frühzeitig und gezielt den Kontakt zu Eltern sucht, erhöht die Chancen auf passende Auszubildende – und langfristige Bindung.

Eine transparente, respektvolle Kommunikation schafft Vertrauen und kann helfen, Unsicherheiten auszuräumen. Denn gut informierte Eltern sind oft die besten Unterstützer – auch für Ihre betriebliche Ausbildung.

Maike Schumacher
IHK Region Stuttgart

Hier erfahren Sie, wie die IHK Region Stuttgart Sie bei der Ausbildung unterstützt

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