Blick in die neue Raumflucht mit Bildern, Desigerkoffern, Handtaschen und einem großen Teppich. © Eppli
Ob Designermode, Schmuck oder Kunst, ob kaufen, versteigern oder ersteigern – bei Eppli kommt man auf seine Kosten.

Auktionshaus Eppli: Drei, zwei eins, meins!

19.Jan. 2026 | 6 Min. Lesezeit | Aus den Unternehmen |
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Das Auktionshaus Eppli, ursprünglich in der Stuttgarter Sporerstraße ansässig, zog 2025 nach umfangreichen Umbauten in ein neues Gebäude, das vormals das Spielwarengeschäft Kurtz beherbergte. Das Konzept kombiniert Auktionshaus und Direktverkauf: Im Erdgeschoss und ersten Stock finden Verkaufsräume statt, während in den oberen Etagen Auktionsware ausgestellt wird.

Gegründet 1978 von Franz und Gabriele Eppli, begann das Unternehmen mit antikem Schmuck und erweiterte später sein Angebot auf Möbel, Gemälde und Designermode. Heute ist es bekannt für die Vermarktung von Vintage-Produkten, die zunehmend wegen ihrer Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit geschätzt werden. Eppli bietet zudem zusätzliche Dienstleistungen wie die „Safe Lounge“ für Schließfachmieten und arbeitet mit Wempe zusammen, um Schmuckgutachten zu erstellen und Ankauf zu ermöglichen. Vertrauen und Echtheitsprüfung sind zentrale Werte des Unternehmens.

Früher drückten sich die Kinder an den Schaufenstern in der Stuttgarter Sporerstraße die Nase platt. Damals war es das Geschäft von Spielwaren Kurtz, das die Herzen höherschlagen ließ. Heute schlagen die Herzen von ­Erwachsenen ­höher angesichts all der schönen Dinge, die dort ausgestellt sind, seit das Auktions­haus Eppli hier zu Hause ist.

Der Eindruck von Glanz und Luxus setzt sich fort, wenn man den großzügig gestalteten Eingangsbereich betritt: überall glitzert es – die goldenen Uhren und Schmuckstücke, die silbernen Tischgeräte und die Designer-Handtaschen, ausgestellt in hell erleuchteten Vitrinen.

Alles ist einladend und offen. Schwellenangst Fehlanzeige: „Man muss nicht klingeln wie bei Juwelieren und man kann sich einfach mal umschauen, ohne gleich in ein Verkaufsgespräch gezogen zu werden“, erklärt Ferdinand Benedikt Eppli, Mitglied der Geschäftsleitung, das Konzept.

© Eppli
Familie Eppli im Foyer ihres neuen Auktionshauses

Das entspricht der Eppli-Idee, Luxus zugänglicher zu machen ohne dessen Aura zu zerstören. Ein in Deutschland einmaliges Konzept macht das möglich, nämlich die Kombination aus Auktionshaus und Direktverkauf.

Im neuen Gebäude sind Erdgeschoss und Teile des 1. Stocks dem Direktverkauf gewidmet, in der ersten und zweiten Etage kann man die Ware besichtigen, die demnächst versteigert wird. Hier befindet sich auch der Auktions­saal. „Vorher mussten wir jedes Mal Platz für die Versteigerungen schaffen, jetzt haben wir endlich einen festen Raum“, freut sich Eppli. Falls die Nerven der Bieter flattern – direkt dahinter befindet sich eine kleine Bar.

Den Traum, die vielen engen Standorte rund um den Marktplatz zu einem großen Haus zusammenzufassen, hatte Familie Eppli schon länger. Ein geeignetes Ladenlokal zu finden, erwies sich jedoch als schwierig, bis sich das ehemalige Spiel­warengeschäft als Glücksfall erwies.

Im August 2025 – nach einem aufwändigen Umbau – konnte eröffnet werden. Nun gibt es nicht nur mehr Platz für die schönen Dinge, sondern auch für die meisten der rund 100 Mitarbeiter. Allein 15 Büros ­stehen bereit, in denen Spezialisten die Kunden beraten, die die Uhr von Oma oder die Kette von Tante Eva zu Geld ­machen möchten.
Angefangen hatte alles 1978. Epplis ­Eltern Franz und Gabriele, die ein Faible für Antikschmuck haben, schalteten Zeitungsanzeigen auf der Suche nach schönen Stücken. Das war damals noch ganz unüblich – eine Marktlücke. Erst brachten die Kunden antike Stücke, später auch moderne, und dann auch Möbel und Gemälde.

Designermode kam hinzu, als Epplis eine Villa räumten. Sohn Ferdinand war damals noch Schüler, half aber gern mit. Er erinnert sich noch ganz genau: „Dort gab es einen riesigen begehbaren Kleiderschrank, voller Designer-Kleider. Die Eltern haben lange diskutiert, ob sie das auch übernehmen sollen.“

© Carolin Wengert
Das neue Eppli-Haus am Markt in Stuttgart

Auktionen waren damals noch ein ­Nischenthema: „Wer früher etwas Wertvolles erwarb, wollte es ein Leben lang behalten und dann vererben“ weiß Eppli. Seine ­Eltern erzählten ihm, wer trotzdem verkaufte, der schämte sich und betonte, dass nicht finanzielle Engpass dahinter stünden. Heute hingegen dächten viele beim Kauf schon an den Wiederverkaufswert. Umgekehrt bedeute es keinen Makel mehr, Pre-Loved zu tragen – im Gegenteil, das gilt als nachhaltig.

Und exklusiv, weil es sich um Einzelstücke handelt. „Selbst in Hollywood gehört ­Vintage auf dem roten Teppich zum Zeitgeist“, sagt Eppli. Er muss es wissen, denn ein Dior-Kleid aus Stuttgart wurde von ­einem berühmten Star ersteigert. ­Leider darf er den Namen nicht nennen, nur dass die Auktion bei 300 Euro startete und bei 30.000 endete. Die Kundin war natürlich nicht selber in Stuttgart. Wie die meisten internationalen Kunden entdeckte sie das Kleid auf der Internetseite von Eppli und steigerte online mit.

Nicht nur der Nachhaltigkeitsgedanke und die Lust auf Individuelles hat die Sicht auf Vintage geändert, sondern auch Ebay. Als der Online-Auktionator aufkam, hoffte die Familie, „dass es uns nicht das Geschäftsmodell kaputt macht.“ Das Gegenteil war der Fall: „Ebay hat die Leute lockerer gemacht“, ist Eppli überzeugt. Zur Konkurrenz ist es nicht geworden, denn für ­Luxus gelten andere Regeln. Das Vertrauen sei wichtig, die Echtheitsprüfung und schließlich, dass Ware und Geld tatsächlich ankommen.

Das Eppli-Geschäftsmodell ruht noch auf zwei weiteren Säulen. Da ist einmal die Safe Lounge, ein Raum, in dem Privatleute Schließfächer mieten können. Und da gibt es die Kooperation mit Wempe: Die Stuttgarter schreiben alle Schmuckgutachten für den Hamburger Premiumjuwelier, ­außerdem bieten sie regelmäßig deutschlandweit Gutachtertage für dessen ­Kunden an. Und wenn jemand seinen Schmuck verkaufen will, dann schickt Wempe ihn zu Eppli.

Dr. Annja Maga, Redaktion Magazin Wirtschaft

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