„Asien-Pazifik ist und bleibt eine Schlüsselregion für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen“, sagte IHK-Präsident Claus Paal © IHK/Betschart
Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und IHK-Präsident Claus Paal betonten die strategische Bedeutung der Region Asien-Pazifik für die Wirtschaft der Region Stuttgart.

Asien-Pazifik bleibt Wachstumsmotor für die Region Stuttgart

17.Juni 2026 | 5 Min. Lesezeit | Außenwirtschaft |
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Der Asien-Pazifik-Raum bleibt für den exportorientierten Mittelstand in Baden-Württemberg einer der wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit. Beim Asien-Pazifik-Summit der IHK Region Stuttgart und des Ministeriums für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg diskutierten mehr als 300 Wirtschaftsvertreter über Chancen in Indien, Vietnam und Indonesien sowie die Herausforderungen durch zunehmenden Wettbewerb, Handelskonflikte und veränderte Lieferketten. Trotz rückläufiger Exporte sehen viele Unternehmen in der Region weiterhin großes Potenzial für Investitionen, Innovationen und neue Absatzmärkte.

Viele Unternehmen richten ihren Blick verstärkt auf die Märkte im Asien-Pazifik-Raum. Welche Chancen dort insbesondere für den exportstarken Mittelstand aus Baden-Württemberg liegen, stand im Mittelpunkt des Asien-Pazifik-Summits der IHK Region Stuttgart und des Ministeriums für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg.

Vor mehr als 300 Teilnehmern betonten IHK-Präsident Claus Paal und Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut die strategische Bedeutung der Region für die heimische Wirtschaft. „Asien-Pazifik ist und bleibt eine Schlüsselregion für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen“, so Paal. Das bilaterale Handelsvolumen habe sich nach einem Rückgang um zehn Prozent im Jahr 2023 und weiteren drei Prozent 2024 letztes Jahr wieder leicht auf 498,8 Milliarden Euro (+0,8 %) erholt. Insgesamt bleibe der Asien-Pazifik-Raum mit einem Anteil von über 13 Prozent an den deutschen Exporten eine unverzichtbare Säule der Außenwirtschaft.

Allerdings sei der Export 2025 um sieben Prozent zurückgegangen – nicht weil die Märkte schwächer würden, sondern weil lokale und chinesische Anbieter schneller, oft kostengünstiger und näher am Kunden agierten.

China wichtig – Indien und Südostasien holen auf

Lange Zeit konzentrierten sich viele deutsche Unternehmen vor allem auf China. Nun „verschieben sich die Wachstumszentren in einem Tempo, das uns alle fordert. Indien, Vietnam und Indonesien bieten heute die Chancen, die China vor zwanzig Jahren geboten hat“, sagte Paal.

Insbesondere Indien entwickelt sich aus Sicht der Wirtschaft zu einem Zukunftsmarkt mit enormem Potenzial. Das Land ist inzwischen nach China und Japan zum drittwichtigsten deutschen Handelspartner in Asien-Pazifik aufgestiegen. Auch die Staaten des ASEAN-Verbundes werden zunehmend zu wichtigen Absatz-, Produktions- und Beschaffungsmärkten.

Vertreter der Auslandshandelskammern und Wirtschaftsrepräsentanten aus zahlreichen asiatischen Ländern standen beim Asien-Pazifik-Summit für Gespräche zur Verfügung. © IHK/Betschart
Beim Summit standen Vertreter der Auslandshandelskammern, Wirtschaftsrepräsentanten des Landes Baden-Württemberg und zahlreicher asiatischer Länder für Gespräche zur Verfügung.

Der Asien-Pazifik-Raum ist auch deshalb so attraktiv, weil dort fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt und das reale BIP überdurchschnittlich wächst. Für 2025 prognostiziert das IWF ein Wachstum von 3,9 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt mehr als das BIP-Wachstum der gesamten Welt.

Eine Schlüsselrolle nimmt Asien auch bei den industriellen Lieferketten ein – sowohl beim Absatz als auch bei der Beschaffung. Andererseits besteht dort ein großer Bedarf an Technologie und Innovation. Deutsche Firmen investieren deshalb verstärkt vor Ort, um nah an den dynamischen Innovationszentren zu sein.

Mit Erfolg: Laut AHK-Umfrage bewerten 83 Prozent der deutschen Unternehmen vor Ort ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend; 91 Prozent erwarten für die kommenden zwölf Monate stabile oder bessere Geschäfte. Besonders optimistisch sind die Standorte Indien (+42 Punkte Lagesaldo), Vietnam und Indonesien.

Die Herausforderungen bleiben hoch

Die Herausforderungen bleiben jedoch hoch. Das Handelsbilanzdefizit Deutschlands mit Asien-Pazifik ist 2025 auf 117 Milliarden Euro gestiegen (+39 % gegenüber Vorjahr), getrieben vor allem durch wachsende chinesische Importe bei gleichzeitig sinkenden deutschen Exporten. Insbesondere die erratische US-Handelspolitik und neue Zölle belasten die Geschäfte in der Region schwer. 52 Prozent der deutschen Unternehmen außerhalb Chinas und 69 Prozent in Greater China berichten von negativen Auswirkungen. Zudem stellen schwankende Nachfrage und komplexe wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen Risiken dar, die eine langfristige Strategie und eine sorgfältige Diversifizierung der Lieferketten erfordern.

IHK begleitet Unternehmen bei der Expansion

Um den Mittelstand bei der Erschließung neuer Märkte zu unterstützen, bietet die IHK Region Stuttgart umfangreiche Beratungs- und Informationsangebote. Beim Summit standen Vertreter der Auslandshandelskammern sowie Wirtschaftsrepräsentanten des Landes Baden-Württemberg und zahlreicher asiatischer Länder für Gespräche zur Verfügung.

Geplant sind außerdem weitere Veranstaltungen, internationale Beratungstage sowie Delegationsreisen. Für 2027 ist unter anderem eine Reise nach Singapur und Malaysia vorgesehen. Im Mittelpunkt stehen dabei Zukunftsbranchen wie Halbleiter, Elektronik und Produktionstechnik.

Mehr zum Thema Asien-Pazifik finden Sie auf der IHK-Homepage

Verena Zimmer ist IHK-Referentin für die Region Asien-Pazifik

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