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3 FRAGEN AN FABIAN SCHULZ: „UNTERNEHMEN SIND DAS RÜCKGRAT DER GESELLSCHAFT“

20.Juli 2026 | 6 Min. Lesezeit | Gesichter der Wirtschaft |
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Unternehmer in der Region Stuttgart prägen nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern übernehmen auch gesellschaftliche Verantwortung. Zum Beispiel Fabian Schulz, der Gründer und geschäftsführende Partner der Schulz & Schulz GmbH aus Leinfelden‑Echterdingen. Neben seiner Tätigkeit als IT-Berater engagiert er sich seit vielen Jahren für das Kinder‑ und Jugendhospiz Stuttgart – unter anderem durch den jährlichen „Hand-in-Hand-Spendenlauf“ in Leinfelden‑Echterdingen, den er 2011 gemeinsam mit seinem besten Freund ins Leben gerufen hat. Über die Jahre konnten so mehr als 700.000 Euro für das Hospiz gesammelt werden.

Herr Schulz, Sie führen eine wachsende Managementberatung – wieso engagieren Sie sich darüber hinaus für das Jugendhospiz?

Das ist für mich eine perfekte Ergänzung, weil ich im Arbeitsalltag natürlich mit meinem Team versuche, unseren Kunden wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu präsentieren. Aber zum Leben gehört eben mehr dazu. Das ideelle Engagement ist für mich genauso wichtig wie das wirtschaftliche. Deswegen hat der Hand-in-Hand-Spendenlauf eine extrem hohe Bedeutung für mich und ist ein großer Ausgleich. Viele fragen mich, wie man das als Unternehmer schafft, nebenher noch so viel Zeit zu investieren. Und das klappt, glaube ich, nur, weil diese Zeit für mich nie ein Opfer war. Ich habe aus der ganzen Arbeit so viel mehr für mich mitgenommen, als ich das Gefühl habe, gegeben zu haben. Anfangs war das wirklich ein zweiter Full‑Time‑Job.

Aber auch wenn man trotzdem mal einen Durchhänger hat, denke ich ganz gerne an einen prägenden Moment zurück, der mich bis heute begleitet. Das war bei einem der ersten Spendenläufe: Da kam eine Mutter auf mich zu und fragte mich, ob ich der Herr Schulz sei, der das hier alles organisiert. Ich sagte ja, und dann meinte sie mit Tränen in den Augen, dass es für ihr Kind zu spät sein werde, wenn das Hospiz eröffnet – und dass wir ihr aber bitte versprechen sollen, mit der Arbeit nicht aufzuhören, weil sie für betroffene Familien so wichtig sei. Dieser Satz begleitet mich bis heute, weil er für das Ganze einfach so sinnbildlich ist.

Wie kam es zu dem Hand-in-Hand-Spendenlauf – und wie hat er sich über die Jahre entwickelt?

Die Idee ist vor vielen Jahren ganz spontan entstanden, als mein bester Freund Kevin Goldberg und ich eher zufällig auf ein Filmprojekt zweier Stuttgarter Studenten aufmerksam wurden, deren Erlös dem Hospiz zugutekommen sollte. Das gab es damals noch gar nicht stationär, sondern nur den Gedanken, das erste stationäre Kinder‑ und Jugendhospiz in Baden‑Württemberg zu errichten. Wir fanden das Thema total spannend und wurden ins Hospiz eingeladen, weil wir uns über die Arbeit dort informieren wollten. Wir waren damals Anfang, Mitte 20, selbst Studenten und hatten davor keinerlei Berührungspunkte. Nach diesem Gespräch wurde uns klar, dass es in Deutschland eine Versorgungslücke gibt – und wir wollten unseren Teil dazu beitragen, diese bestmöglich zu schließen. Direkt am nächsten Morgen haben wir den Verein initiiert.

Und seither hat sich einiges getan. Der erste Lauf hatte 377 Teilnehmende und rund 15.000 Euro Spenden. Heute ist die Veranstaltung ein richtiges Familien‑Volksfest mit etwa 4000 Besuchern und erstmals einer sechsstelligen Spendensumme im letzten Jahr. Trotz der Größe ist die Atmosphäre familiär geblieben, gerade in Leinfelden, wo eigentlich jeder den Spendenlauf kennt. Und für mich zeigt dieser Tag jedes Jahr, dass Menschen zusammenkommen, um Schwächere zu unterstützen und gemeinsam etwas in einen Topf werfen – selbst wenn man vielleicht unterschiedliche Ansichten über gewisse Dinge hat. Für einen Tag funktioniert einfach alles. Das macht mich sehr stolz.

Gesellschaftliches Engagement ist für viele Unternehmen in der Region Stuttgart wichtig. Welche Verantwortung sehen Sie bei den Unternehmen?

Eine sehr, sehr große Verantwortung. Am Ende des Tages sind die Unternehmen nicht nur das Rückgrat der Wirtschaft, sondern natürlich auch der Gesellschaft. Die Verantwortung geht weit darüber hinaus, Profit zu machen – es geht darum, Arbeitsplätze zu erhalten und in die Gesellschaft hineinzuwirken. Deshalb supporte ich im Team das Thema Ehrenamt generell sehr stark. Wenn bei uns jemand ehrenamtlich tätig sein möchte, dann schauen wir, dass derjenige auch die nötige Flexibilität dafür bekommt, auch während der Arbeitszeit, weil wir uns dieser Verantwortung bewusst sind. Ich erinnere mich an Aussagen wie ‚Kampf der Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber‘. Das ist etwas, das mich tierisch ärgert und wo ich sage: Das geht völlig fehl. Unternehmen stehen nicht im Gegensatz zu ihren Mitarbeitenden – sie tragen Verantwortung, schaffen Stabilität und engagieren sich an vielen Stellen, oft ohne große Öffentlichkeit. Unternehmen sind dadurch eine Art Antrieb oder Vorbildfunktion für unsere Gesellschaft. Und das ist eben der Zusammenhang zwischen der unternehmerischen und der gesellschaftlichen Verantwortung, der sich nicht trennen lässt, denke ich.

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