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3 Fragen an Rainer Kollberg: „Die Schiffe fahren langsamer und brauchen eine Woche länger“
27.Apr. 2026 | 4 Min. Lesezeit | Außenwirtschaft, Konjunktur |Autor: Walter Beck
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Rainer Kollberg, Versandleiter der Endress+Hauser Conducta GmbH in Gerlingen.
Herr Kollberg, der Krieg am Golf bringt die internationalen Handelsrouten durcheinander. Wo trifft es Ihr Unternehmen das am stärksten?
Besonders deutlich spüren wir die Auswirkungen derzeit in der Luftfracht. Die Preise für Flugbenzin haben sich nahezu verdoppelt und treiben die Kosten des Lufttransports insgesamt um 30 bis 35 Prozent nach oben. Etwas weniger gravierend sind dagegen die Folgen für die Seefracht, wo die Kosten um 11 Prozent gestiegen sind. Das eigentliche Nadelöhr ist hier nicht der Preis, sondern die Zeit. Um Treibstoff zu sparen, fahren die Schiffe langsamer und sind rund eine Woche länger unterwegs. Da sie ohnehin den Umweg über die Südspitze Afrikas nehmen, warten wir mittlerweile sieben bis acht Wochen auf eine Lieferung.
Welche Folgen hat das für Ihren laufenden Betrieb?
Wir bekommen Vorkomponenten aus unserem Werk in China und kaufen zum Beispiel Gehäuse für Messgeräte in Asien. Um die Produktion abzusichern, sind wir gezwungen, Material für mindestens vier Wochen auf Vorrat zu halten. Das schlägt direkt auf die Lagerkosten durch. In der Anfangsphase geht das oft nur, indem wir auf die deutlich teurere Luftfracht ausweichen. Mittelfristig wollen wir den Transport stärker auf die Seefracht verlagern – allerdings in kürzeren Versandabständen, um die langen Laufzeiten auszugleichen.
Die Endress+Hauser Conducta GmbH mit Sitz in Gerlingen ist ein Spezialist für Analytik und Sensorik in der Umwelt‑ und Prozessindustrie. Das Unternehmen gehört seit 1977 zur Endress+Hauser-Gruppe und entwickelt und produziert Messgeräte und Sensoren zur Flüssigkeitsanalyse, etwa für pH‑Wert, Leitfähigkeit oder Sauerstoffgehalt. Die Lösungen kommen unter anderem in der Wasser‑ und Abwasserwirtschaft, der Chemie‑, Pharma‑ und Lebensmittelindustrie zum Einsatz.
Insgesamt bedeutet das für uns eine erhebliche Kostenbelastung, die wir derzeit nicht an unsere Kunden weitergeben können. Die meisten unserer Verträge laufen über ein Jahr zu festen Konditionen; bei den extrem schwankenden Preisen lässt sich das kaum anders gestalten.
Wird der Krieg die globale Logistik dauerhaft verändern?
Davon gehe ich nicht aus. Sobald der Krieg am Golf beendet ist, dürfte sich auch die Logistik wieder stabilisieren. Nachhaltiger wirken wird wahrscheinlich ein anderer Faktor: die CO₂‑Bilanz. Der Luftverkehr ist deutlich emissionsintensiver als die Seeschifffahrt – und diese Emissionen lassen sich kaum kompensieren. Deshalb rechne ich damit, dass der Trend hin zur Seefracht auch über die aktuelle Krise hinaus anhält.
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